Erste Bilanz des Hochwassers in Dresden

Etwa 120 Kilometer des rund 1500 Kilometer langen Dresdner Straßennetzes waren überflutet. 66 Kitas und Horte mussten schließen. dies betraf etwa 9000 Kinder. +++ Rund 200 Unternehmen beantragten Soforthilfe. Mehr auf dresden-fernsehen.de +++

Oberbürgermeisterin Helma Orosz war am Mittwoch im Dresdner Stadtgebiet unterwegs, um sich persönlich in den vom Hochwasser besonders betroffenen Stadtteilen einen ersten Eindruck von den entstanden Schäden an Kindergärten, Schulen, Sportstätten und Straßen zu machen.

Sie besuchte einzelne Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen. „Wir müssen jetzt zunächst feststellen, wie groß die Schäden sind. Das ist die erste Aufgabe des Nachsorgestabes, der unter Leitung von Finanzbürgermeister Vorjohann steht. Dort werden auch die noch anstehenden Hilfeleistungen koordiniert. Dann hat die Beseitigung aller Schäden, die zum Teil schon angelaufen ist, Vorrang. Dafür wollen wir neben eigenen Mitteln auch die bereits zugesagte Hilfe des Bundes und des Landes in Anspruch nehmen. Ich bin beeindruckt, mit welchem großen persönlichen Einsatz und Elan die Bewohner der betroffenen Gebiete jetzt ihrer Wohnungen, Geschäfte und Betriebe wieder aufräumen und nutzbar machen“, so Oberbürgermeisterin Helma Orosz

Kindergärten
Insgesamt 66 Kindertagesstätten und Horte mussten wegen des Hochwassers geschlossen werden. Von den Schließungen waren etwa 9000 Kinder betroffen. Die vom Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen angebotene Notbetreuung wurde täglich von bis zu 100 Kindern genutzt. Mittlerweile hat sich die Situation in den Dresdner Kindertagesstätten weitgehend entspannt. Dank vieler Helfer konnten bereits am Montag, 10. Juni, die meisten Kinder wieder in ihrer Einrichtung betreut werden.

Am Montag, 17. Juni, können folgende Kindertageseinrichtungen auch wieder ihren Betrieb aufnehmen: Toeplerstraße 2 (Notbetreuung in anderen Einrichtungen des Trägers); Altstetzsch 11 (Notbetreuung in der Grundschule Am Urnenfeld 27) und Rietschelstraße 15/17. Hier waren durch den Anstieg des Grundwassers Schäden an den Häusern entstanden. Wegen Überflutung sind bis zur Wiederherstellung noch geschlossen: Donathstraße 8, Iglauer Straße 11 und Struppener Straße 10.

Schulen
Im Großteil der Dresdner Schulen konnte ohne Unterbrechung unterrichtet werden. Aktuell sind noch zwei Schulen geschlossen: 44. Grundschule und 64. Mittelschule. Beide werden am Donnerstag, 13. Juni 2013 wieder öffnen.

Drei Dresdner Schulen hat das Hochwasser der Elbe besonders getroffen. Die 10. Grundschule nutzt, weil ihr eigenes Stammhaus saniert wird, ein zentrales Bauauslagerungsobjekt am Terrassenufer. Der vollausgebaute Keller ist hier überflutet. Die etwa 171 betroffenen Schülerinnen und Schüler sind nun in das nächste Ausweichquartier, die 113. Grundschule, Georg-Nerlich-Straße gezogen.
Die 95. Grundschule „Caroline Neuber“ liegt im insgesamt schwer geschädigten Stadtteil Laubegast. Neben einer kompletten Überflutung des voll ausgebauten Kellers wurde auch die Sporthalle der Schule mit einem Wasserstand von etwa 50 Zentimeter überschwemmt. Der Sportboden und sicher ein großer Teil der Innenausbauten sind Totalverlust. Die 330 Schülerinnen und Schüler lernen nun in der 93. Grundschule, Dobritzer Weg 1.

Ebenfalls im Stadtteil Laubegast liegt die 64. Mittelschule „Hans Grundig“. Hier gleicht sich das Schadensbild mit der 95. Grundschule. Außerdem ist die Sporthalle geflutet worden, um ein Aufschwimmen der Bodenplatte zu verhindern. Der voll ausgebaute Keller der Schule stand komplett unter Wasser und auch das Erdgeschoss ist mit wenigen Zentimetern Wasserhöhe überspült worden. Ausweichstandort für die 457 Schülerinnen und Schüler ist die 121. Mittelschule, Gamigstraße 28.

Vier weitere Schulen haben leichte bis mittelschwere Schäden, weil Grundwasser bis zu 50 Zentimeter Höhe in die Keller eingedrungen ist: 65. Grundschule, 44. Grundschule, 12. Grundschule, 91. Grundschule.

Straßen
Etwa 120 Kilometer der insgesamt etwa 1500 Kilometer Dresdner Straßennetz waren während des Hochwassers wegen Überschwemmungen oder Insellage von Stadtteilen nicht passierbar. Direkt überschwemmt waren, bzw. sind noch etwa 60 Straßenkilometer. Aktuell gibt es noch eine Umleitung für die Holzhofgasse über Königsbrücker Straße und Stauffenbergallee und die Sperrung des Terrassenufers.  

Es gibt Schäden an Brücken insbesondere an den kleineren Brücken im Bereich der Widerlager. Hinterspülungen von Flügelmauern und Stützwänden sind an verschiedenen Brücken der Lockwitz und an weiteren Bachläufen festgestellt worden. Am Blauen Wunder werden derzeit Prüfungen an den Pfeiler vorgenommen und das Deckwerk auf Schäden überprüft. Am Tunnel Neustädter Markt sind alle technischen Einrichtungen zerstört und müssen ersetzt werden. Insofern wird die Freigabe des Tunnels später erfolgen. Die Straßenschäden werden derzeit erfasst. In einigen Bereichen sind Unterspülungen festgestellt worden.

Straßenabläufe sind beispielsweise auf der Österreicher Straße und der Leubener Straße durch das Hochwasser defekt. Schäden an Steuergeräten von Ampelanlagen und der öffentlichen Beleuchtung, wobei hier die Stromverteileranlagen in den überschwemmten Gebieten besonders betroffen sind, wurden festgestellt. Es wird damit gerechnet, dass etwa 200 Gully-Deckel weggespült worden. Aktuell werden die betroffenen Straßen vom Schlamm bereinigt und die Sandsackverbauten insbesondere an der Leipziger Str., Kötzschenbrodaer Str, im Bereich Loschwitz oder auch im Bereich der Innenstadt  werden entfernt.

Sportstätten
Besonders in Mitleidenschaft zog das Elbehochwasser die Bootshäuser, unter anderem den Bundesstützpunkt Rudern im Ruderhaus Cotta. Außerdem standen drei Freibäder komplett unter Wasser: das Stauseebad Cossebaude, das Freibad Wostra und das Strandbad Wostra. Geschädigt sind etliche Fußballplätze, die entlang der Elbe liegen und die Freiflächen im Sportpark Ostra, hier besonders die Kunstrasenplätze. Entstanden sind massive Schäden an Kunstrasenplätzen, Ballfängen, Einfriedungen und an Gebäuden.

Technische Anlagen sind weitestgehend vor der Flut ausgebaut und gesichert worden. Derzeit melden sich viele Sportvereine, die ihre Hilfe anbieten, um bei der Instandsetzung dem Sportstätten- und Bäderbetrieb zur Seite zu stehen, damit die Plätze so schnell wie möglich wieder nutzbar werden. Das allerdings wir noch einige Zeit dauern. Bis dahin entsteht ein enormes Defizit im Trainings- und Wettkampfbetrieb.

Wirtschaft
Bis 11. Juni 2013 haben mehr als 150 betroffene Unternehmen in Dresden die Soforthilfe des Freistaates Sachsen in Anspruch genommen. Die meisten davon waren Kleinstgewerbetreibende aus dem Handel, Handwerk und Gastronomie. Vom Hochwasser betroffene Unternehmen erhalten auf Erlass des Freistaates eine Soforthilfe in Höhe von 1500 Euro.

Die Dresdner Unternehmen, Selbstständige und Gartenbaubetriebe können sich seit 10. Juni im Wirtschaftsservice der Landeshauptstadt der erforderlichen Bewilligungsbescheid erteilen lassen, auf dessen Grundlage das Geld automatisch auf ihr Konto überwiesen wird. Antragsberechtigt sind die Unternehmen nur, wenn ihre Gebäude oder Grundstücke und die darauf befindlichen Anlagen und Ausrüstungen unmittelbar durch das Hochwasser geschädigt wurden, bei Schäden durch gestiegenes Grundwasser gilt die Richtlinie nicht. Wenn einem Unternehmen mehrere Betriebsstätten durch Hochwasser geschädigt wurden, erhält er die Soforthilfe pro Betriebsstätte, er muss sich aber die Betroffenheit jeder Betriebsstätte beim Ortsamt bescheinigen lassen. Wenn die Betroffenheit unklar ist, kann man sich über das Servicetelefon (03 51) 4 88 87 87 vorab informieren.

Quelle: Stadt Dresden