Erster eigener Handyvertrag kann für Azubis zur Schuldenfalle werden

Die Verbraucherzentrale Sachsen rät zu Augenmaß bei einem Mobilfunkvertrag mit dem erstem eigenem Ausbildungsgehalt. Laut Statistischem Bundesamt haben verschuldete Unter-25-Jährige die meisten Schulden bei Mobilfunkanbietern. +++

Insolvent wegen der Mobilfunkrechnung? Das klingt für viele junge Menschen unvorstellbar, zumal die Angebote der Unternehmen immer günstiger zu werden scheinen. Dennoch: Laut Statistischem Bundesamt haben verschuldete Unter-25-Jährige die meisten Schulden bei Mobilfunkanbietern. „100 Euro oder gar mehr jeden Monat sind bei manchen jungen Leuten in Ausbildung keine Seltenheit, übersteigen aber die finanziellen Möglichkeiten der meisten“, weiß Kai Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Denn das zunächst reichlich klingende eigene Salär muss noch für vieles andere herhalten.“  

So lagen die 100 Euro netto für die Allinclusive-SuperFlat eindeutig über dem, was sich ein Leipziger Lehrling tatsächlich leisten konnte. Monat für Monat türmten sich die Handy-Rechnungen, die teilweise durch diverse Zusatzoptionen sogar 200 Euro überstiegen. Bald begann der Strudel: Auch andere Rechnungen konnten nicht mehr sofort beglichen werden, es häuften sich die Mahnungen der Unternehmen. Keine zwei Jahre dauerte es, bis der Stapel offener Rechnungen gut 2 cm hoch war und der junge Mann Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen musste. Vorausgegangen waren zahlreiche, am Ende erfolglose Versuche, sich mit den Anbietern über die ausstehenden Forderungen zu einigen.

„Oftmals genügt im Mobilfunk für private Nutzer eine begrenzte Flatrate für Internet und Telefon für unter 30 Euro. Sollte die einmal nicht ausreichen, kann man in der Regel häppchenweise Zusatzvolumen beim Anbieter dazu kaufen“, empfiehlt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. Der Vorteil darin besteht, dass man sich nicht gleich für die gesamte Vertragsdauer zum höheren Preis bindet. Nur wer feststellt, dass er dauerhaft ein viel höheres Nutzungsverhalten hat, der sollte einen Vertrag mit einer umfassenderen Flatrate wählen. Zwar verlockend, tatsächlich jedoch nicht zu empfehlen, sind Verträge inklusive Smartphone. Bei diesen oft mit „0 Euro“ beworbenen Angeboten zahlt man über das monatliche Vertragsentgelt für das Smartphone letztlich fast immer bedeutend mehr, als wenn man es direkt erwirbt. „Wer sich sein Wunsch-Gerät nicht leisten kann, sollte lieber auf ein günstigeres, in der Regel genauso gut funktionierendes Smartphone zurückgreifen, anstatt den teuren Weg der Abzahlung zu wählen“, so Henschler.

Die Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt Schuldnern, die Rat und Hilfe benötigen, bei ihrer Kommune nach kostenfreier Schuldnerberatung zu fragen. Leipziger Ratsuchenden steht die Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Sachsen unter der Telefonnummer 0341-960 89 23 zur Verfügung.

Quelle: Verbraucherzentrale Sachsen

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