Erzbischof von Canterbury predigt in der Frauenkirche

Am Sonntag hat die Dresdner Frauenkirche mit Gästen aus Großbritannien an die Aufnahme der Kirche in die Nagelkreuzgemeinschaft vor 10 Jahren erinnert. Die Predigt hielt mit dem Erzbischof von Canterbury das geistliche Oberhaupt der Anglikaner. +++

Er verurteilte den „Hunger nach Dominanz in dieser Welt“ und forderte auf, im Geiste der Versöhnung zu wirken.

Zu dem festlichen Gottesdienst hatten sich mehr als 700 Menschen versammelt. Sie hörten in der gemeinsamen Begrüßung von Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm von der Bedeutung der Versöhnungsmission, die einst von Coventry in die Welt getragen wurde.

In einem Grußwort betonte der Bischof von Coventry John Witcombe die enge Verbindung der mittelenglischen Stadt mit Dresden. „Dresden und Coventry teilen eine Geschichte des Leidens und ein Bekenntnis zur Versöhnung.“ Die Bitte um Vergebung der Nagelkreuzlitanei verbinde beide Völker, Städte und Gotteshäuser.

In seiner  Predigt verwies der Erzbischof darauf, dass die Geschichte Dresdens und die entsetzlichen Leiden des Europas vor 70 Jahren seinen Blick von Versöhnung formten. Mit Sorge blicke heute auf ein Europa, in dem „das Kriegsgeschrei ein an Kraft wachsendes Gerücht ist.“ Die Sicherheit, dass Versöhnung etabliert ist und niemand unsere Kinder und Enkel in den Krieg schickt, sei  erschüttert.

Nach wie vor sei unsere Welt geprägt von Machtgier und Dominanzstreben, wie es die von Invasion bedrohte Ukraine und die Grausamkeiten on ISIS und Boko Haram zeigten. Gleichwohl sei jeder gefordert, das eigene Denken und Handeln kritisch zu prüfen. „Wir müssen uns bewusst und demütig über unsere eigenen Schwächen als auch die Gefahren in der Welt sein.“ Dies gelte besonders, weil „in unserem Teil der Welt – und in vielen anderen – mehr Frieden, mehr Wohlstand, bessere Medizin, gesündere Lebensbedingungen und bessere gesellschaftliche Bindungen bestehen als je zuvor.“ Christen seien gefordert, „die Wachen zu sein … im Wissen, dass Gott unsere Welt verändern wird.“

Mit diesem Gottesdienst beging die Frauenkirche den ersten großen Jahrestag im aktuellen Jubiläumsjahr. Sie war am 13. Februar 2005 in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen worden. Damit einher ging der Auftrag, im Dienste der Friedens- und Versöhnungsarbeit zu wirken. Neben dem Erzbischof von Canterbury, dem Bischof von Coventry und dem bayrischen Landesbischof waren auch der Dean von Coventry, John Witcombe sowie Vertreter der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft eingebunden. Deren Vorsitzender Oliver Schuegraf sprach das Versöhnungsgebet von Coventry. Musikalisch geprägt wurde der Gottesdienst durch Prof. Ludwig Güttler an der Trompete und Friedrich Kircheis an der Orgel.

Am Abend findet ein anglikanischer Gottesdienst in englischer Sprache statt.

Quelle: Stiftung Frauenkirche Dresden