„Es gibt kein Limit“

Die „Rauminstallation“ Deichkind gab am Samstag ihr vorerst letztes Konzert in Dresden.

Wir schreiben das Jahr 2002: Die Hamburger Band Deichkind gastiert im Blauen Salon in Dresden. Mit ihrem zweiten Album „Noch 5 Minuten, Mutti“ geben sich die Hip-Hopper vor einem kleinen Publikum die Ehre. Gerade einmal 100 Fans kommen an jenem Septemberabend in den Konzertsaal am Weißen Hirsch. Dort müssen sie sich mehrere Stunden gedulden bis die Jungs endlich den Weg auf die Bühne finden. DJ Phono, Buddy, Philipp und Malte präsentieren ihre Songs größtenteils in altbewährter Hip-Hop Manier – frei nach dem Motto „Three MCs and one DJ“. Die ein oder andere Nummer wird zwar mit Gitarren und Keyboards etwas abgewandelt – die Show lebt aber vor allem von Sprechgesang, Improvisation und Humor.

Eventwerk, Straße E – über sieben Jahre später: Deichkind sind auf ihrer so betitelten vorerst letzten Tour auch in Dresden am Start. An den Auftritt im Blauen Salon erinnert zunächst gar nichts: Schon kurz vor 20 Uhr drängen sich bereits Tausende in die Halle. Trotz der kalten Winternacht ist die Stimmung hitzig. Die Fans sind partyhungrig und tanzen bereits zur Einlassmusik. Dann wird es dunkel. Die Deichkind-Show beginnt nahezu pünktlich. Mit einem skurrilen Video und bizarren Klängen werden die Besucher auf das eingestimmt, was sie in den kommenden zwei Stunden erwartet. Eine durchgeknallte aber perfekt durchdachte audiovisuelle Inszenierung. Diese beginnt mit dem Titelsong des aktuellen Albums, „Arbeit nervt!“. Die hedonistische Power-Hymne mit ihrem treibenden Bass sorgt sofort für ausgelassene Partystimmung und bringt die ganze Halle zum Beben. Genau so geht es munter weiter. Mit aktuellen Partypeitschen wie „23 Dohlen“, „Urlaub vom Urlaub“ und „Ich und mein Computer“ brennen die Jungs ein energiegeladenes Elektro-Rap-Feuerwerk ab. Von den Hip-Hop Anfängen der Band ist kaum noch etwas hören. Auch von der Originalbesetzung sind nur noch DJ Phono und Philipp dabei. Festes Mitglied der Band ist dafür seit 2008 Ferris MC. Mit 130 bpm marschieren die Songs durch die Nacht und lassen kaum Zeit zum verschnaufen.

Fast bei jedem Titel überrascht die Band dazu mit einer neuen Choreographie und jeder Menge ungewöhnlicher Accessoires. Mit LED-blinkenden, pyramidenförmige Masken, Fahrrädern, Schlauchbooten, Spritzpistolen, Gummiseilen bis hin zu einer Hüpfburg leben Deichkind bei ihrer Performance Krawall und Remmidemmi. Dabei überlassen sie aber nichts dem Zufall. Die Show ist durchgeplant und arbeitet kontinuierlich auf ihren Höhepunkt hin. Vorher gibt es aber dann doch noch einmal eine kleine Zeitreise zu den Anfängen der Band. „Bon Voyage“, mit dem die Band einst den Durchbruch schaffte, bringt die ganze Halle zum Mitsingen. Auch bei „Komm schon“ wissen alle Dresdner wie die Band heißt, die die Party rockt.

Dann kommt das große Finale. Die Privatparty-Hommage „Remmidemmi“ bringt den Saal endgültig zum Kochen. Mit „Limit“ setzen die Hamburger noch einen drauf. In einem überdimensionalen durchsichtigen Ball lässt sich einer von ihnen auf den Händen der Fans durch die Halle rollen. Am Ende geht der Song in den Dancefloor-Gassenhauer „No Limit“ von 2 Unlimited über. Spätestens da weiß es jeder: Deichkind gehen bei ihrer Show nicht ans Limit – sie überschreiten es.

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