Eurokrise verunsichert mittelständische Unternehmen in Sachsen

Die Commerzbank hat in Dresden die Studienergebnisse “Gute Schulden, schlechte Schulden: Unternehmertum in unsicheren Zeiten“ für Sachsen vorgestellt. Alle Infos dazu unter www.dresden-fernsehen.de. +++

Die Eurokrise ist mit Sorgen um die Entwicklung der Absatzmärkte und Planungsunsicherheit in der mittelständischen Realwirtschaft angekommen. 70 Prozent der befragten Unternehmen in Sachsen geben an, dass die Eurokrise die mittel- und langfristige Planungssicherheit nicht nur verringert, sondern sich negativ auf die eigene Geschäftstätigkeit auswirkt. 56 Prozent fürchten, dass sich die Konjunktur abschwächt. Die Unternehmen dieser Region sind außerdem auffallend stark von steigenden Beschaffungskosten betroffen. Dies sind Ergebnisse der 12. Studie der UnternehmerPerspektiven, einer Mittelstandsinitiative der Commerzbank, mit dem Titel: „Gute Schulden – schlechte Schulden: Unternehmertum in schwierigen Zeiten“. TNS Infratest befragte im Januar 2012 Geschäftsführer und Inhaber von 206 mittelständischen Unternehmen in Sachsen nach den Auswirkungen der Eurokrise und ihrer Haltung zu Schulden. Insgesamt nahmen 4.000 Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet an der Studie teil. „Deutsche mittelständische Unternehmen sehen zwar mit Sorge, aber ohne jeden Alarmismus auf die Folgen der Eurokrise.

Die Unternehmen wissen, dass sie in den letzten Jahren auch stark vom Euro profitiert haben“, so Jörg Frischholz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Mittelstandsbank der Commerzbank in Sachsen. „Dass die Eurokrise aber wirtschaftspsychologisch Spuren hinterlässt, sehen wir exemplarisch an folgendem Ergebnis: Auf die Frage, welche Konsequenzen man in der Finanzierung fürchte, äußert gut ein Drittel der mittelständischen Unternehmer Besorgnis um Zinsen und Tilgung von Krediten. Dabei waren die Zinsen noch nie so niedrig wie zurzeit“, so Frischholz weiter.


Ursachen für Überschuldung sind Managementfehler und zu leichter Zugang zu Kredit

Als Gründe für die finanzielle Notsituation von öffentlicher Hand und Wirtschaft nennen die befragten Unternehmen Managementfehler, zu hohe Risikobereitschaft sowie mangelnde Finanzexpertise. In einem besonderen Punkt üben die Unternehmen Kritik: 75 Prozent der Befragten in Sachsen halten den zu leichten Zugang zu Kredit für eine Hauptursache der Überschuldung von Kommunen, Ländern und Staaten. Für die mittelständische Wirtschaft sehen diese Gefahr dagegen nur 45 Prozent der Befragten.

Planungsunsicherheit wird zur Investitionsbremse

Schulden und Fremdfinanzierung sehen die sächsischen Unternehmer vorwiegend kritisch. Der Aussage „Schulden erhöhen das Risiko für das Unternehmen“ stimmen 78 Prozent zu, während nur 58 Prozent die Auffassung teilen, dass Investitionen nur durch Schulden möglich sind. Als „Erfolgstreiber“ werden Schulden lediglich von 32 Prozent der Unternehmen bezeichnet. Vor diesem Hintergrund beantworten die meisten Befragten (51 Prozent) die Frage nach Hemmnissen für Investitionen mit unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Personalmangel oder Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung werden deutlich seltener genannt (45 bzw. 22 Prozent). Dazu Jörg Frischholz: „Ein Kreditinstitut wie das unsere muss sich gemeinsam mit seinen Kunden die Frage stellen, wie man einen verantwortungsvollen Umgang mit Schulden definieren kann, damit notwendige Wachstumsinvestitionen nicht aufgrund zu hoher Risikoaversion versäumt werden.“ Gemäß der Devise „Cash is King“ finanzieren 80 Prozent der sächsischen Unternehmen mit Hilfe von Gewinnen und Rücklagen, 74 Prozent aus dem Cashflow. Mittel- und langfristige Kredite mit mindestens zweijähriger Laufzeit nutzen 67 Prozent der Befragten, 57 Prozent finanzieren mit kurzfristigen Krediten. Alternative Formen der Finanzierung wie Factoring oder Beteiligungskapital nutzen vergleichweise wenige Unternehmen (im einstelligen Prozentbereich).

Basel III hilft Banken und Mittelstand nur bedingt

Aus Sicht des Mittelstands stehen Banken deutlich stabiler da als in der Finanzkrise von 2008/2009. Über steigende Finanzierungskosten, erschwerten Zugang zu Krediten, die Folgen der Einführung von Basel III oder gar Instabilitäten der Bankenpartner macht man sich hierzulande weniger Sorgen als über die Entwicklungen auf den Märkten und in der Politik. „Der differenzierte Blick des Mittelstandes zeigt, dass man offensichtlich nicht so sehr Fehler in der Finanzwirtschaft, sondern vielmehr die hohe Staatsverschuldung in Europa als Ursache der derzeitigen Krise ausmacht“, so Frischholz.

Die Initiative „UnternehmerPerspektiven“ und die Studien

„UnternehmerPerspektiven“ ist eine Initiative der Commerzbank. Ihr Ziel ist es, ein Forum für Themen zu etablieren, die mittelständische Unternehmen in Deutschland bewegen und ihnen Gehör zu verschaffen. Grundlage sind repräsentative Umfragen bei 4.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland, darunter 206 aus Sachsen. Die Studienergebnisse werden mit Vertretern aus Wirtschaft, Verbänden, Politik und Wissenschaft – auch auf öffentlichen Podien – diskutiert, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen und tragfähige Lösungsansätze für die Herausforderungen des Mittelstands zu entwickeln.

Quelle:  Commerzbank AG

++
Immer aktuell informiert – mit dem DRESDEN FERNSEHEN Newsletter!