Fahrrad-Skandal erschüttert Polizei in Leipzig

Leipzig/Sachsen - Ein Skandal um geklaute Fahrräder sorgt nun bei der Polizei in Leipzig - und auch darüber hinaus - für mächtig Wirbel. Innerhalb von vier Jahren sollen Beamte mehr als 1000 Fahrräder illegal verkauft haben. Das Pikante: die Räder selbst stammen aus Diebstählen oder waren sichergestellt. Als Haupt-Täterin gilt eine 43-jährige Polizistin.

Ein Skandal um geklaute Fahrräder sorgt nun bei der Polizei in Leipzig - und auch darüber hinaus - für mächtig Wirbel. Innerhalb von vier Jahren sollen Beamte mehr als 1000 Fahrräder illegal verkauft haben. Das Pikante: die Räder selbst stammen aus Diebstählen oder waren sichergestellt. Als Haupt-Täterin gilt eine 43-jährige Polizistin. Sie soll in einer speziellen Ermittlungsgruppe "Zentrale Bearbeitung der Fahrradkriminalität" gearbeitet haben und so Zugang zu den sogenannten Asservaten gehabt haben. 

© Leipzig Fernsehen

Nach einem Bericht der „Dresdner Morgenpost“ soll sie die Fahrräder einem gemeinnützigen Verein, genauer einem Kleingartenverein, gespendet haben. Jedoch soll der Vater der Hauptverdächtigen die Räder verkauft haben zum Stückpreis von 50 bis 100 Euro.

© Leipzig Fernsehen

Seit Mitte 2019 werde in der Sache ermittelt, teilte die Leipziger Staatsanwaltschaft mit. Dabei richten sich die Verfahren nicht nur gegen Beschuldigte aus Leipzig, sondern auch gegen zahlreiche Beamte der sächsischen Polizei. Das Landeskriminalamt ermittelt bereits seit letztem Jahr gegen inzwischen 13 Beamte. Ihnen wird Untreue, Vorteilsgewährung und Strafvereitelung im Amt vorgeworfen. Insgesamt stehen aber wohl 40 Beamte im Verdacht, beschlagnahmte Räder preisgünstig gekauft zu haben.

Unter den Tätern sollen möglicherweise auch Juristen im Staatsdienst, also Staatsanwälte und Richter befinden. Sie könnten sich damit der Hehlerei schuldig gemacht haben. Bei einer Hausdurchsuchung seien Quittungen sichergestellt worden, die bis ins Jahr 2015 zurückgehen und den Ermittlern Hinweise auf Mitwisser und Käufer geben.

Leipzig gilt unterdessen als deutsche Hauptstadt für Fahrraddiebe - noch vor Münster und Bremen. Auf 100.000 Einwohner kommen in der Messestadt pro Jahr 1700 geklaute Räder. Das sind etwa fünf Mal so viele wie im Bundesdurchschnitt.