Fall Khaled: Prozessauftakt mit Überraschungen

Wegen der Tötung des 20-jährigen Khaleds, muss sich der Angeklagte Hassan S. seit Montag vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Bis voraussichtlich 16. September will die Schwurgerichtskammer klären, warum der Asylbewerber aus Eritrea sterben musste.+++

Im Video sehen Sie das Interview mit Lorenz Haase, Oberstaatsanwalt Dresden.

Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben kam er nach Deutschland, doch er starb durch die Hand eines Landsmannes. Khaled aus Eritrea wurde nur 20 Jahre alt.

Seit heute muss sich der Angeklagte Hassan S. vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Doch bereits nach einer halben Stunde kurzzeitig unterbrochen werden.

Der Angeklagte Hassan S. sei von Polizisten im Streifenwagen zu einem Geständnis überredet worden, ohne ihn über seine Rechte belehrt zu haben. Außerdem soll ein Dolmetscher nicht korrekt übersetzt haben, wodurch es zu Übersetzungsfehlern in der Vernehmung gekommen sei.

Zwar gibt Hassan S. die Tat zu, beruft sich allerdings auf Notwehr. Nach einem Streit um Wäsche, habe Khaled den Angeklagten im Hinterhof des Wohnheims angegriffen, auf ihn eingeschlagen und in den Schwitzkasten genommen.

Hassan S. habe einen Gegenstand zur Verteidigung genommen – erst später hätte er realisiert, dass es sich um ein Messer gehandelt habe.

So ist die Frage nach einem Tötungsvorsatz im Fall um den ermordeten 20-jährigen Asylbewerber, eine der Kernfragen, die das Gericht in den kommenden Wochen beschäftigt.

rundsätzlich müsste Hassan S. die Strafe in Deutschland absitzen. Bei drohender Abschiebung müsste ein Vollstreckungsverfahren seinen Fall prüfen.

Khaleds Tod hatte national und international großes Aufsehen erregt. Wegen der Pegida-Demonstrationen gingen viele von einem rassistischen Tatmotiv aus. Der Dresdner Polizei wurde außerdem Vertuschung vorgeworfen; sie ging zunächst fälschlicherweise von einem Fenstersprung aus.

Bereits am Montag hat das Gericht erste Zeugen hierzu vernommen.

Am Rande des Prozesses hat die Anwesenheit vom Dresdner NPD-Stadtrat Krien für Unmut gesorgt.

Am Freitag soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Dann soll auch der Dolmetscher vernommen werden, der die Vernehmung des Angeklagten übersetzt hat.