Familienzirkus kämpft ums Überleben

Dresden - Bars sind mit Hygieneregeln schon länger offen und auch die Kinos zeigen wieder Filme. Über eine Branche wird jedoch kaum gesprochen. Zirkusse, egal ob kleine familiengeführte oder welche mit internationalen Künstlern stehen gerade vor dem Problem, einen neuen Platz zum Auftreten zu finden. Wir haben einen Zirkus in Weinböhla besucht und uns über die Lage erkundigt.

Familie Endres betreibt ihren Circus Magic bereits in der 6. Generation. Ganz klassisch, mit Tieren, Akrobatik und Clownerie ziehen sie durch das Land und schlagen wöchentlich ihr Zelt aufs Neue auf. Doch wegen Corona sind sie in dem Örtchen Weinböhla, ca. 20 km von Dresden entfernt gestrandet.

Zirkusdirektor Samuel Endres sagt, sie seien Anfang März für Gastspiel angereist. Kurze Zeit später sei die Nachricht zu Corona gekommen und weder Aufbau noch Spielbetrib sei erlaubt gewesen. Dazu kam, dass sie danach keine Genehmigung in einer anderen Stadt bekommen haben - daher wohnen sie schon vier Monate auf dem Festplatz. Die Einheimischen sind von Anfang an freundlich und kommen mit der Situation klar, doch der Festplatz wird wieder gebraucht. Unter anderem deswegen versucht die Stadtverwaltung, den Zirkus wieder aus der Stadt zu bekommen, man könnte auch sagen: zu drängen.

Endres erklärt, am Freitag, den 3. Juli hätte die Stadt sowohl Wasser als auch den Strom abgestellt. Familie Endres hat das Gespräch mit dem Bürgermeister gesucht - leider erfolglos, so der Zirkusdirektor. Der Pool der vorsorglich mit 3.000 Litern Wassern gefüllt wurde, ist eine Woche später bereits leer. Glücklicherweise helfen Anwohner dabei mit, den 25 Tieren einen angenehmen Aufenthalt zu bieten. Eine Familie hat sogar ein Teil ihrer Wiese in eine Koppel umfunktioniert, damit Kamele, Pferde und Ochsen darauf Auslauf haben.

Endres ist sehr froh über die Unterstützung. Er erzählt, man habe vor kurzem auch Auftritte mit Hygienekonzept versucht, die allerdings kaum Besucher angezogen haben. Wenige Gäste, wenn überhaupt gespielt werden kann und die schwierige Suche nach dem nächsten Spielort stellen die ganze Branche, immerhin 300 Zirkusse in ganz Deutschland, vor große Herausforderungen. Das größte Problem sei, dass die Gemeinden noch keine Gastspielgenehmigungen erteilen, sagt Endres. 

Mittlerweile hat der Circus Magic jedoch die Genehmigung, nach Großenhain umzuziehen und beginnt langsam mit dem Abbau. Wie es danach weitergeht, weiß Samuel Endres jedoch noch nicht. Er hofft, dass die Gemeinden ihre Corona-Regeln einheitlich machen, um Planungssicherheit zu schaffen.