Fernbahnanschluss für Chemnitz ab 2022?

Chemnitz – Derzeit ist die große, weite Welt von Chemnitz aus auf der Schiene nur per Regionalverkehr zu erreichen.

Taktung, Qualität und Service lassen dabei für viele Berufspendler und Reisende zu wünschen übrig – die Rufe nach einer möglichst bald erfolgenden Anbindung an den Fernverkehr der Deutschen Bahn werden immer lauter. Denn außer Chemnitz gibt es in Deutschland keine weitere Stadt ihrer Größe, die nicht von ICE oder IC-Zügen angefahren wird.

Dies wurde auch am Montagvormittag im Chemnitzer Rathaus von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig deutlich gemacht. Sie hatte den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für die Region Süd-Ost, Eckhart Fricke, und Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen.

Im Mittelpunkt stand dabei die Elektrifizierung der Strecke Chemnitz-Leipzig. Der Aufschrei war groß, als nach viel Lobbyarbeit der Ausbau dieser Strecke im vergangenen Jahr zunächst nicht im Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan auftauchte. Weitere Überzeugungsarbeit war nötig, dass Chemnitz-Leipzig zumindest in den potientiellen Bedarf aufgenommen wurde.

Eine Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Noch läuft das Gutachterverfahren im Bundesverkehrsministerium, das in einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse den Daumen für die Pläne hebt oder senkt. Mit einer Entscheidung ist allerdings nicht vor Ende dieses Jahres zu rechnen. Selbst wenn die Entscheidung zugunsten einer Elektrifizierung fällt, kann es noch lange dauern bis tatsächlich Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn zwischen Chemnitz und Leipzig rollen. Die gesamte Region Südwestsachsen mit einer Million Einwohner kann und will allerdings nicht so lange auf eine solche Anbindung warten.

Hoffnung auf eine schnellere Lösung versprechen dabei die Pläne der Deutschen Bahn, die eine Verlängerung der InterCity-Strecke Rostock – Dresden bis zum Jahr 2022 über Chemnitz und Zwickau bis nach München vorsehen. Dazu ist allerdings eine Elektrifizierung zwischen Hof und Regensburg notwendig, für die die Zeichen aber laut Eckhart Fricke gut stehen. Definitives Ziel der Deutschen Bahn ist es, alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern an ihr IC-Flächennetz anzuschließen. Die Frage nach dem Wann ist allerdings immer noch nicht in Gänze beantwortet.

Wie dringend der Fernbahnschluss gebraucht ist, machten auch die Aussagen der zahlreichen mittelständigen Unternehmer deutlich, die sich zur Sache äußerten. Bestimmte Fachkräfte wären nur in die Region zu locken oder zu halten, wenn die Infrastruktur stimme. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig drängte ebenfalls noch einmal darauf, Chemnitz und der gesamten Region Priorität einzuräumen, war jedoch zumindest zufrieden, dass alle Beteiligten jetzt an einem Strang ziehen.

Wie schnell es jetzt mit einer Fernbahnanbindung für Chemnitz vorangeht, scheint jetzt nur noch von den Entscheidungsträgern im Bundesverkehrsministerium abzuhängen. Im Kampf um schnellere und bessere Züge regiert allerdings weiter das „Prinzip Hoffnung“.