Filmfest Dresden: And the Winners are…

Das 23. Filmfest Dresden hat am Samstagabend u.a. neun Goldene Reiter vergeben. Und es gab gleich zwei Doppelpreisträger aus Frankreich und Deutschland. Mehr dazu hier unter www.dresden-fernsehen.de. +++

Die Preisverleihung fand im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden statt. Die Preisträger dürfen sich über Preisgelder in Höhe von insgesamt 63.000 Euro freuen. Damit ist das Filmfest Dresden eines der am höchsten dotierten europäischen Kurzfilmfestivals. 76 Filme kämpften in sechs Internationalen und vier Nationalen Wettbewerben um die Preise.

Die Goldenen Reiter im Internationalen Wettbewerb gingen im Bereich Animation an „La formation des nuages“ aus Kanada und im Bereich Kurzspielfilm an „L‘Accordeur“ aus Frankreich. Die Gewinner der Goldenen Reiter im Nationalen Wettbewerb sind „A Lost and Found Box of Human Sensation” (Animationsfilm) und „Viki Ficki“ (Kurzspielfilm). Über den Filmförderpreis der Sächsischen Kunstministerin, die mit 20.000 Euro am höchsten dotierte Festivalauszeichnung, dürfen sich die Macher des Kurzspielfilms „Radiostar“ freuen.

Die Jugendjurys haben ihre Preise vergeben an „Rita” (Italien) aus dem Internationalen und „Yuri Lennon’s Landing on Alpha 46“, eine deutsch-schweizerische Koproduktion, aus dem Nationalen Wettbewerb. Der Fernsehsender ARTE zeichnete den deutschen Streifen „Zwischen Himmel und Erde“ mit dem Kurzfilmpreis aus. Das Publikum erklärte „L‘Accordeur“ aus dem im Internationalen und „Viki Ficki“ aus dem Nationaler Wettbewerb zu seinen Favoriten. Den KlangMusikPreis des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau gewann „Big Bang Big Boom“ aus Italien. Mit dem Kurzfilmpreis der deutschen Filmkritik wurde „Go Bash!“ aus Deutschland ausgezeichnet.

Alle Preisträgerfilme sind am Sonntag (17. April) im Filmtheater Schauburg zu erleben. Die Programme beginnen um 14.00 und 19.00 Uhr (Preisträger 1) sowie um 16.30 und 22.00 Uhr (Preisträger 2).

Die Preisträger des 23. Filmfest Dresden im Überblick

Internationaler Wettbewerb

Goldener Reiter Animationsfilm (7.500 Euro)
„La formation des nuages“ (Kanada, Regie: Marie-Hélène Turcotte ) Jurybegründung: Eine Entscheidung, die uns leicht gefallen ist: Wir vergeben den Preis an einen Film, der auf sehr emotionale Weise Erinnerungen an die Kindheit und die Traurigkeit beim Bewusstwerden ihres unwiderruflichen Endes wachruft. Ein abstraktes Poem, dessen brillante Animation und Sound wir hervorheben möchten.

Goldener Reiter Kurzspielfilm (7.500 Euro / Preisstifter: Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien)

„L‘Accordeur“ (Frankreich, Regie: Olivier Treiner) Jurybegründung: Der Regisseur spielt überzeugend mit dem Wechsel zwischen zwei Genres und den Erwartungen des Publikums. Damit baut er eine ungeheure Spannung auf. Ein Film, der aufgrund hervorragender schauspielerischer Leistungen, perfekter Bildgestaltung und Musik sowie schlüssigen Erzählens außergewöhnlich ist.

Goldener Reiter des Publikums (3.000 Euro / Preisstifter: Sächsische Zeitung)

„L‘Accordeur“ (Frankreich, Regie: Olivier Treiner)

Goldener Reiter der Jugendjury (2.000 Euro Preisstifter: Thalia. Cinema. Coffee and Cigarettes und ultimaratiofilm – media & film productions)

„Rita” (Italien, Regie: Antonio Piazza, Fabio Jurybegründung: Ein Film, bei dem der Versuch, Distanz zu wahren, scheitert. Gnadenlos. Er offenbart mit einer konsequenten Bildsprache ein unscharfes Konstrukt aus Handlungsfragmenten, wodurch der in eine klaustrophobische Welt hineingezwängte Zuschauer die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung erfährt. So überwältigt der Film mit seiner emotionalen Kraft.

Nationaler Wettbewerb

Goldener Reiter Animationsfilm (3.000 Euro / Preisstifter: Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank)

„A Lost and Found Box of Human Sensation” (Regie: Martin Wallner, Stefan Leuchtenberg) Jurybegründung: Dem Siegerfilm gelingt etwas Seltenes: Er erzählt merklich autobiografisch vom bitteren Verlust eines Nächsten. Jedoch geschieht das mit einer selten gesehenen Fülle der Formen, der Gedanken und Tonlagen, mit Einfallsreichtum und Witz. Das Großartige dabei ist, dass diese Fülle nicht die Erfahrung erschlägt, sondern dass der Widerstreit der Gefühle in der Vielfalt der Formen vollendet zum Ausdruck kommt.

Goldener Reiter Kurzspielfilm (3.000 Euro)

„Viki Ficki“ (Regie: Natalie Spinell) Jurybegründung: Der Gewinnerfilm hat keine Scheu, zu sagen und zu zeigen, was Sache ist. Er ist ein ganz unsentimentales Plädoyer für Mutter-Tochter-Solidarität. Schon weil solche Geschichten oft erzählt werden, überzeugt der eigene Ton, den die Regie findet. Der „Goldene Reiter“ geht an einen Film, der es nicht auf die Mitleidstour versucht, sondern mit Witz eine klare Ansage macht.

Goldener Reiter des Publikums (2.000 Euro / Preisstifter: Mitteldeutscher Rundfunk)

„Viki Ficki“ (Regie: Natalie Spinell )

Goldener Reiter der Jugendjury (2.000 Euro / Preisstifter: Drewag – Stadtwerke Dresden GmbH)

„Yuri Lennon’s Landing on Alpha 46“ (Deutschland/Schweiz, Regie: Anthony Vouardoux) Jurybegründung: Die ganze Welt hält er zwischen den Fingerspitzen – der einsame Cowboy im Weltall. Mit der beeindruckenden Kameraführung, die den visuell höchst anspruchsvollen OneShot ins Gedächtnis einprägt, gelingt dem Regisseur ein Mix aus Spannung, Witz und Fantasie mit einem Hang zur Absurdität. Der Film lässt bis zuletzt vielseitige Interpretationsmöglichkeiten zu und uns nicht mehr los.

Filmförderpreis der Kunstministerin (20.000 Euro / Preisstifter: Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst)

„Radiostar“ (Regie: Youdid Kahveci) Jurybegründung: Der Förderpreis geht an eine Regisseurin, von der wir uns noch ganz viele Filme wünschen. Mit erstaunlicher Souveränität trifft sie hier einen ganz eigenen Ton. Es gelingt ihr, aus einem Kammerspiel Szenen zu gewinnen, die lebendig und vielschichtig sind, in denen gesellschaftliche Realitäten ihren Platz haben, ohne dass irgendetwas dafür funktionalisiert werden müsste.

Internationaler und Nationaler Wettbewerb

Goldener Reiter KlangMusikPreis (3.000 Euro / Preisstifter: Europäisches Zentrum der Künste Hellerau)

„Big Bang Big Boom“ (Italien, Regie: Blu) Jurybegründung: Atemberaubende, fantasievoll animierte Bilder der Evolution treffen auf eine Tonspur, die aus dem Vollen schöpft. Detailbesessenheit und überbordender Materialreichtum entwickeln im wahnwitzigen Tempo zunehmend eigene Ausdruckskraft.

ARTE Kurzfilmpreis (6.000 Euro / zum Ankauf eines Films / Preisstifter: ARTE)

„Zwischen Himmel und Erde“ (Deutschland, Regie: York-Fabian Raabe) Jurybegründung: Der Regisseur York-Fabian Raabe schildert in eindringlichen Bildern das Schicksal zweier Brüder aus einem Township in Afrika. Verbunden durch eine harte Kindheit, versuchen sie dem Elend der Slums durch Flucht nach Europa zu entgehen. „Zwischen Himmel und Erde“ zeigt in starken, kraftvollen Bildern einen zutiefst menschlichen, aber auch politischen Konflikt, der uns aufrüttelt und Spuren hinterlässt. Wir gratulieren dem Regisseur und freuen uns, diesen herausragenden Film mit dem ARTE Preis auszuzeichnen.

Kurzfilmpreis der deutschen Filmkritik 2010 (undotiert)

„Go Bash!“ (Deutschland, Regie: Stefan Eckel, Stefan Prehn) Jurybegründung: Mit ironischer Doppelbödigkeit inszeniert der Film die Innenansicht einer gut erfundenen Extremsportart und deren Außenansicht durch hysterisch berichterstattende Medien. Er skizziert die Mechanismen der üblichen Berichterstattung – die sich dadurch auszeichnet, dass sie erst stattfindet, wenn der Trend seinen Zenit überschritten hat. Der Film hat uns durch handwerkliche Präzision, genaue Beobachtung einer fiktiven Jugendszene und ihrer Darstellung sowie knalligen Humor überzeugt.

Quelle: FILMFEST DRESDEN

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