Flohmärkte: Tradition trifft Zukunft

Trödelmärkte liegen in Sachsen wieder voll im Trend. Stöbern, Handeln, Plaudern und Staunen: Alles ist möglich! Insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung überzeugt der Flohmarkt mit seinem nostalgischen, verträumten und gleichzeitig handfesten Flair.

In Zeiten der Klimaveränderung stehen alle Zeichen auf Veränderung – und manchmal bedeutet das eben, sich auf Althergebrachtes zu besinnen. Minimalismus, Nachhaltigkeit, Upcycling und Tauschwirtschaft stehen wieder hoch im Kurs – und Flohmärkte in Sachsen liegen voll im Trend! Gegenstände mit Geschichte bekommen durch sie ein zweites Zuhause – die bunte Gemeinschaft der Flohmarktbesucher hat somit die bewusste Abgrenzung von der hochdrehenden Konsumkultur und der Fast-Fashion-Industrie gemein. Es ist also nicht verwunderlich, dass die aktuelle deutsche Flohmarktkultur ihren Ursprung in der Ökobewegung der 1970er und 1980er Jahre hat. Was damals noch unter dem Sammelbegriff „Recycling“ lief, ist heute auch unter Hipstern, Sparfüchsen und umweltbewussten Konsumenten beliebt.

Die Flohmarktkäufe sind aber nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten interessant – sie sind ebenso Teil eines einzigartigen und nachhaltigen Lifestyles. Szene-Kenner schätzen den Kauf und Verkauf einzigartiger, gebrauchter Waren von privat an privat – und wenden sich damit von stilistischem Einheitsbrei, schnellen Trends und Wegwerfkultur ab. Auch in puncto Abfallhierarchie steht ein traditioneller Flohmarkt ganz im Zeichen der Zeit: Die Handlungsempfehlung der deutschen Abfallhierarchie sieht an erster Stelle die Müllvermeidung vor, danach die Wiederverwertung und an letzter Stelle die Entsorgung. Wer auf dem Flohmarkt einkaufen geht, erwirbt also nicht nur Unikate mit Charakter und Geschichte, sondern trägt auch wesentlich zur Müllvermeidung bei. Wer das im großen Stil betreiben will, kommt am besten direkt mit einem Anhänger zum Marktbesuch.

Interessant sowohl für Käufer als auch für Verkäufer und Händler, die entsprechenden Anhängerkupplungen gibt es natürlich auch fürs umweltfreundliche E-Auto, denn so lassen sich auch größere Stücke oder große Mengen einfach per Anhänger mitnehmen, denn wem ist dies nicht schon passiert, dass man den tollen Tisch inklusive aller 6 Stühle zum Schnäppchenpreis direkt mitgenommen hätte, wenn man denn nicht mit dem Fahrrad gekommen wäre. Obwohl sich die Online-Branche, wie ebay & Co, seit Jahrzehnten im Aufschwung befindet, haben die traditionellen Flohmärkte kaum etwas von der digitalen Konkurrenz zu befürchten. Flohmarktfans suchen das Sinneserlebnis: Sie möchten die Ware direkt vor Ort begutachten, anfassen und Kontakt zum Verkäufer aufnehmen, Näheres über die Geschichte des Gegenstandes erfahren, bei Interesse den Preis verhandeln und das gute Stück sofort mit nach Hause nehmen. In Zeiten des intransparenten Hyperkonsums hat diese persönliche Note des Flohmarktes ihren ganz besonderen Reiz: Es gelten klare und einfache Regeln, die ein wohliges Gefühl der Ursprünglichkeit vermitteln. Schließlich ist das Tauschen und das Handeln zwischen Anbietern und Nachfragenden die älteste Form des Wirtschaftens.

Wichtige Tipps für Verkäufer

Auf dem Flohmarkt wird alles Mögliche und Unmögliche angeboten. Das Spektrum reicht von Antiquitäten und Sammlerstücken über Kinderspielzeug und Kleidung bis hin zu speziellen Gegenständen aus Uromas Zeiten, deren Preis individuell verhandelt werden muss. Verkäufer sollten sich daher über den Wert der angebotenen Artikel im Klaren sein: Es gilt, das Handeln mit realistischen Erwartungen anzugehen und nicht emotional zu werden. Hängt man noch an den Gegenständen, sollte man sie lieber noch eine Weile behalten, anstatt sie aus emotionalen Gründen zu unverhältnismäßig hohen Preisen anzubieten.

Auch eine gute Menschenkenntnis ist auf dem Flohmarkt wichtig. Einige Besucher möchten einfach in Ruhe schauen, andere sind empfänglich für offensive Verkaufsangebote. Mit etwas Übung und Aufmerksamkeit lässt sich für jeden potenziellen Kunden die richtige Strategie finden.

Entgegen der Gewohnheit vieler Deutscher, ist Ordnung am Flohmarktstand nicht unbedingt förderlich, einerseits werden die Artikel ohnehin nach kurzer Zeit durchwühlt, andererseits signalisiert ebendiese durchwühlte Optik, dass hier viele spannende und günstige Angebote zu finden sind. Stichwort: Wühltisch! Ebenso anziehend wirkt eine 1-Euro-Kiste, die gut sichtbar angepriesen wird. Auch die Inszenierung von Lockartikeln kann sich lohnen: Hochpreisige Artikel, deren Wert offensichtlich ist, ziehen Besucher an den Stand – und das lohnt sich schließlich auch, wenn der Lockartikel am Ende nicht verkauft wird.

Wichtige Tipps für Käufer

Die Preisverhandlung verläuft in den meisten Fällen geschmeidiger, wenn Interesse an mehreren Artikeln signalisiert wird – meist ist ein Paketrabatt möglich! Kommt es nicht zu einer Einigung, kann es sich lohnen, einfach in ein paar Stunden noch einmal wiederzukommen. Wenn der Artikel bis dahin nicht verkauft wurde, sieht die Verhandlungsbasis oft ganz anders aus. Grundsätzlich kommt es jedoch auf die persönlichen Kaufabsichten an: Die wertvollsten Artikel gibt es früh morgens, während die besten Schnäppchen am Ende des Tages über den Tisch gehen.