Forscher entwickeln Roadmap für Dresden

Dresden - In Dresden erleben Touristen auf ihrem Smartphone, wie die Stadt vor der Zerstörung aussah.  In Paris erhalten Restauratoren alle baurelevanten Dokumente zur Kathedrale Notre Dame als 3D-Informationsmodell und können daraus robotergestützt Replikate anfertigen. Forscher haben auf einen Blick alle relevanten historischen Dokumente zur Geschichte der antiken Seefahrt in digitaler Form, ohne Monate mit einer Bestandssichtung in Bibliotheken und Archiven verbringen zu müssen. Solche digitalen Zeitreisen will das europäische Time-Machine-Projekt möglich machen.

Am 10. und11. Oktober lädt die TU Dresden im Deutschen Hygiene-Museum Dresden zur Time Machine Conference ein. 350 internationale Gäste aus Wissenschaft, Technologie und Kultur werden über das Potenzial der Digitalisierung von Kulturerbe für Bildung, Kreativ- und Medienwirtschaft, Unterhaltung, Stadtplanung, Politikgestaltung diskutieren.

Die Time Machine zielt auf die Gewinnung und Nutzung der Big Data der Vergangenheit ab und sieht vor, fortschrittliche neue Digitalisierungstechnologien der Künstlichen Intelligenz (KI) zu entwickeln und umzusetzen. Damit soll das riesige kulturelle Erbe Europas erschlossen und ein fairer und freier Zugang zu Informationen ermöglicht werden.

Das Time-Machine-Projekt ist eine einzigartige Allianz führender europäischer Hochschul- und Forschungseinrichtungen, kultureller Institutionen sowie Unternehmen und umfasst heute bereits über 500 Partner. Diese sind sich des großen Potenzials der Digitalisierung und der vielversprechenden neuen Wege für Wissenschaft, Technologie und Innovation bewusst, die sich aus dem Datenschatz der Vergangenheit ergeben.

Erst im März 2019 hatte die Europäische Kommission die Time Machine als eine von sechs strategisch zu entwickelnden Forschungsinitiativen ausgewählt, um detaillierte Roadmaps für das nächste Jahrzehnt vorzubereiten. Auf der Dresdner Konferenz diskutieren Wissenschaftler mit Vertretern aus Wirtschaft und Institutionen die Roadmaps und entwickeln diese gemeinsam weiter.

„Die Time-Machine wird wahrscheinlich eines der fortschrittlichsten KI-Systeme, das je entwickelt wurde und es basiert auf Daten aus einem breitgefächerten geografischen und zeitlichen Horizont“, erklärt Frédéric Kaplan, Professor für Digital Humanities an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) und Koordinator des Time Machine-Projekts.

Für die TU Dresden koordiniert J. Prof. Sander Münster die Entwicklung der Roadmap „Innovation and Outreach“. Die Initiative „Dresden Time Machine“ versteht sich als virtueller Verbund zur Nutzung digitaler Technologien zur Digitalisierung, Sammlung, Erschließung, Mitgestaltung, Erforschung und Präsentation des Dresdner Kulturerbes und der Dresdner Geschichte. Sie vereint zahlreiche Dresdner Firmen, Forschungs- und Gedächtniseinrichtungen und ist ein Leitprojekt der Bewerbung der Stadt Dresden als Europäische Kulturhauptstadt 2025.