Frauenkirche erinnert am 1. Juni an besonderen Fund

Vor genau 20 Jahren wurde das alte Turmkreuz der Frauenkirche geborgen. Damit nahm eine einzigartige Versöhnungsgeschichte ihren Lauf, an die die Frauenkirche am 1. Juni erinnert. +++


Als Dietmar Rosenkranz und Wolfram Jäger in den Morgenstunden des 1. Juni 1993 ihre üblichen Trümmerbergbegehungen unternahmen, entdeckten sie eine kleine metallene Fläche. Erst gruben sie allein, dann immer mehr der auf der Baustelle befindlichen Arbeiter teils mit bloßen Händen, bis nach siebenstündiger Arbeit klar war: Das Turmkreuz, das einst in fast 90 Metern Höhe die Kirche bekrönte, war gefunden. Deformiert und gezeichnet, aber nicht zerstört. Ein Zeichen der Hoffnung.

 

Daran erinnert die Frauenkirche am 1. Juni. Die Besucher der Offenen Kirche werden in den halbstündlich gesprochenen geistlichen Impulsen auf das Geschehen vor 20 Jahren hingewiesen; auch die Mittagsandacht nimmt den historischen Faden auf. Das deutlichste Zeichen setzt das Konzert im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele am Abend, wenn mit Brittens „War Requiem“ der pazifistischen Botschaft Raum gegeben wird. Das Werk, das ursprünglich für die Kathedrale in Coventry geschrieben und dessen Solopartien damals symbolträchtig mit einem englischen, einen deutschen und einen russischen Sänger besetzt wurden, ist nun im Jahr von Brittens 100. Geburtstag mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Orchester der Uraufführung, unter Andris Nelsons  in der Frauenkirche zu erleben.

 

Heute steht das alte Turmkreuz im Kirchraum und mahnt, jedwedes Kriegsleid nicht zu vergessen. Gleichzeitig spendet es durch seine Unerschütterlichkeit Kraft. Hunderte Menschen zünden hier täglich Kerzen mit dem Schriftzug „Friede sei mit euch“ an. „Mit jedem Licht verbinden sich die Gebetsanliegen der Menschen mit dem Segenswunsch, den die Frauenkirche jedem Besucher mit auf den Weg gibt“, erklärt Frauenkirchenpfarrer Holger Treutmann. „Wir hoffen, dass sie diese Botschaft mit hinaus und in ihr Leben nehmen.“

 

Die Frauenkirche Dresden erinnert in diesem Jahr den Beginn ihres Wiederaufbaus vor 20 Jahren. Dieser begann mit der archäologischen Enttrümmerung 1993. Über 17 Monate hinweg wurde der 22.000 m³ großer Trümmerberg abgetragen. Knapp 100.000 Steine, davon 8.390 aus der Fassade, sowie eine Vielzahl anderer Funde konnten geborgen werden. Besondere Freude löste das unerwartete Auffinden des stark beschädigten Turmkreuzes mit dazugehörigem Knauf am 1. Juni 1993 aus. Ein weiteres Kapitel der Versöhnung stiftenden Wiederaufbaugeschichte der Kirche wurde durch die Spende des neuen Turmkreuzes geschrieben, das von den Briten gestiftet und vom Sohn eines Bomberpiloten gefertigt worden war.