Friseure hoffen auf mehr Lohn

Die Gewerkschaft Verdi hat sich mit Vertretern des Friseurhandwerks auf die Einführung eines bundesweiten gesetzlichen Mindestlohns geeinigt. Ob und wann das Gesetz in Kraft tritt, ist noch unklar.+++

Waschen, schneiden, legen. Alltag in sächsischen Friseursalons, doch allzu oft schlecht bezahlt.

Nun haben sich die Gewerkschaft verdi und Vertreter des Friseurhandwerks erstmals auf einen bundesweiten Mindestlohn geeinigt. Für Ostdeutschland beträgt er 6,50 Euro. Er gilt seit 1. August, aber nur für tarifgebundene Betriebe.

Für alle gilt der Mindestlohn erst, wenn er in einem gesetzlichen Verfahren für verbindlich erklärt wird. So lange will die Dresdner Genossenschaft Haarpflege mit 80 Mitarbeitern in 13 Salons aber nicht warten. Ab 1. September wird hier ein neues Lohnsystem eingeführt. Die Chefin ist sich sicher: es ist Zeit für höhere Löhne im Friseurhandwerk.


Interview mit Annett Dietze, Geschäftsführende Vorsitzende (im Video)

Der Mindestlohn bietet nun die Chance, das zu ändern. Allerdings ist bisher nicht klar, ob er verbindlich wird. Denn dafür müssen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in freiwillig tarifgebundenen Betrieben beschäftigt sein. Ob das der Fall ist, überprüft zur Zeit das Bundesarbeitsministerium.

Wird der Mindestlohn zum Gesetz, könnte die Zahlung aber auch rückwirkend zwingend werden. Die Sächsische Landesinnungsmeisterin empfiehlt den Betrieben deshalb schon jetzt, die 6,50 Euro mitzutragen.


Interview mit Cornelia Scheuer-Barthel, Landesinnungsmeisterin Sachsen (im Video)

Und so könnten Betriebe, die den Mindestlohn nicht zahlen, in Zukunft auch den Wettlauf um die besten Mitarbeiter verlieren. Dienstleistung auf hohem Niveau – dazu gehört auch für die Innungsmeisterin regelmäßige Weiterbildung, wie hier in der Brockmann und Knoedler Acadamy in Dresden.

Interview mit Petra Brockmann, Geschäftsführerin der Brockmann und Knoedler Acadamy (im Video)

Für die Unternehmerin, die Filialen in Dresden, Chemnitz und Zwickau betreibt, hat der Mindestlohn keine direkte Auswirkung, da die Löhne bereits jetzt höher liegen. Die Qualität sichern, zum Beispiel durch Fortbildung, und weitere Leistungen anbieten – so will auch die Genossenschaft Haarpflege die Kunden überzeugen, auch wenn demnächst die Preise steigen. Handwerk hat goldenen Boden, heißt es so schön. Viele Friseure hoffen, dass das bald auch wieder für ihren Beruf gilt.