CDU-Fraktionschef macht Wahlkampfradtour durch Ortschaften

Dresden - Noch eine knappe Woche, dann steht sie an - die Dresdner Kommunalwahl. Ob Digitalisierung, steigende Mieten, Sperrstunde oder Mobilität der Zukunft - die großen Themen in der sächsischen Metropole sind so vielfältig wie ihre Wahlkreise auch. Weniger prominent in Erscheinung treten jedoch häufig die Anliegen der kleineren Ortschaften in der Dresdner Peripherie. 2034 sollen diese sogar gänzlich abgeschafft werden. CDU-Fraktionschef Jan Donhauser ist dieser Umstand ein Dorn im Auge - auf den er mit einer Fahrradtour quer durch seinen Wahlkreis hinweisen will. Wir haben den CDU-Mann bei seinem Wahlkampftrip begleitet:

Es herrscht strahlender Sonnenschein, als sich die kleine Gruppe um CDU-Stadtratsfraktionschef Jan Donhauser am frühen Morgen in Altfranken auf den Weg durch die Ortschaften im westlichen Dresdner Hochland macht. Unter dem Motto "Heimat und Identität: Ortschaften erhalten" steht der gemeinsame Wahlkampf-Ausflug mit Ortschaftsräten und Ortsvorstehern der CDU. Heimat und Identität - es sind Begriffe, die aus dem Herzen des konservativen Wertekanons stammen, und die hier, auf dem Land, wohl ganz anderen Anklang finden als in der urbanen Dresdner City. Überhaupt - alles ist oft eine Nummer kleiner als in der Innenstadt. Statt eines innerstädtischen 10-Minuten-Taktes geht es hier um Busse, die wenigstens einmal in der Stunde kommen. Dem Betreiber der Zschoner Mühle, der seinen Gästen ein umfangreiches und renommiertes kulturelles Angebot vom Puppentheater bis zum eigenen Brotbacken unterbreitet, fehlen keine Millionenbeträge, sondern 40.000 Euro an jährlicher Förderung. Anliegen, die für den CDU-Mann vor Ort, und nicht aus der Ferne geklärt werden sollten. Doch mit einem Stadtratsbeschluss von Rot-Rot-Grün aus dem vergangenen Jahr wird in einigen Jahren zusammengeführt, was laut Jan Donhauser nicht zusammen gehört. Unter dem Oberbegriff 'Stadtbezirk' sollen ab 2034 alle Ortschaften in die Verwaltungsgebiete der Stadt eingegliedert werden. Die damalige beschließende Stadtratsmehrheit verwies auf gleiches Recht, dass für alle gelten solle. Mit der ab 2019 eingeführten direkten Wahl von Ortsbeiräten und einer 25-Euro Pauschale pro Jahr und Einwohner sollen künftig eigene Projekte realisiert werden. Der CDU-Fraktionschef kritisiert hingegen den Verlust an Rechten und Unabhängigkeit der Ortschaften und will den Beschluss nach Möglichkeit wieder rückgängig machen.

Dass ausgerechnet der CDU-Politiker mit dem E-Bike unterwegs ist, ist angesichts der nahenden Stadtratswahl und dem heißen Thema "saubere Mobilität" sicherlich kein Zufall. Zu sehr ist die CDU nach wie vor als Autofahrerpartei verschrien. Nicht zuletzt auch, da Donhausers CDU-Fraktion erst kürzlich im Bauausschuss durchgesetzt hat, dass die Straße am Zelleschen Weg auch weiterhin 4-spurig bleiben soll, statt sie zu Gunsten des Radverkehrs zurückzubauen. Wer nun aber ein reines Wahlkampfmanöver auf zwei Rädern vermutet, greift möglicherweise dennoch zu kurz. In seinem Leben außerhalb der Kommunalpolitik arbeitet Jan Donhauser für die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt, die sich für Nachhaltigkeit und aktiven Umweltschutz stark macht. Auch war es der Fraktionsvorsitzende und überzeugte ÖPNV-Nutzer selbst, der seine Fraktion mit dem Vorschlag eines 365-Euro-Tickets auf einen ökologischeren und sozialeren Kurs gesteuert hat. Am Ziel des knapp 5-stündigen Ausflugs stand der Kirchturm in Briesnitz. Ob es mit der CDU und deren Vorhaben für Land und Leute genauso hoch hinaus geht, wird sich dann nach der Wahl am 26. Mai zeigen.

© Sachsen Fernsehen
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