„gamescom“ startet in Köln – Spielemesse mit Leipziger Historie

Wenn sich nun bis zum Sonntag die Kölner Messetore zur mittlerweile dritten „gamescom“ öffnen, dann ist das zu einem großen Teil auch ein Erfolg für Leipzig. Denn der legitime Vorgänger der Videospiel-Messe stammt aus der Messestadt. +++

Leipzig hatte die „Games Convention“ im Jahre 2002 ins Leben gerufen und sie bis 2008 zu einer der wichtigsten Computerspiele-Messen der Welt nach der „Electronic Entertainment Expo“ in Los Angeles und der „Tokyo Game Show“ aufgebaut. Das besondere der damals eher stiefmütterlich behandelten Spielemesse war die Möglichkeit, dass auch die Ottonormalspieler Hand an die neusten Computergames legen konnten. Ein Konzept, dass sich über die Jahre hinweg zu einem der Highlights der Leipziger Messe entwickelte. Und dass, obwohl vorher kein anderer Messestandort in Deutschland die „Games Convention“ haben wollte. Zu geringes Erfolgspotential…

Bis zum Umzug nach Köln war die Messe „Games Convention“ in Leipzig allerdings äußerst erfolgreich. Die letzte Auflage in der Messestadt besuchten rund 203.000 Besucher.
Grund für die Verlagerung ins Ruhrgebiet ab 2009 waren unter anderem die auslaufenden Verträge zwischen der Leipziger Messe GmbH und dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), der die Computerspiel-Branche in Deutschland vertritt. Außerdem war man beim BIU der Überzeugung, in Leipzig nicht mehr wachsen zu können. In Köln seien die Bedingungen besser, so die Verantwortlichen beim Bundesverband.

Gleich im ersten Jahr übertraf man die Besucherzahlen aus Leipzig. Gleichzeitig klagte man aber über zu wenig Platz, vollgestopfte und aufgeheizte Messehallen und zu hohe Preise. Auch die Aussteller waren von den drastischen Kostensteigerungen überrascht. Trotzdem hält man beim BIU an Köln fest.

Ein interner Prüfbericht, der im Juni ans Tageslicht kam, soll allerdings ergeben haben, dass die Kölner „gamescom“ jedes Jahr rund eine halbe Million Euro Verlust mache. Grund sind die im Vergleich zu Leipzig angesprochenen, deutlich höheren Mieten und sonstigen Logistik-Kosten für die Spiele-Publisher. In diesem Jahr sind deshalb bereits die Branchengrößen Microsoft und Nintendo nicht auf der „gamescom 2012“ vertreten. Laut dem Gutachten könnte die „gamescom“ in Köln 2012 vielleicht zum letzten Mal stattfinden. Laut den Berichten der BILD-Zeitung im Juni rieten Experten den Verantwortlichen, zu überlegen, wie wirtschaftlich das Weiterführen der Messe in Köln wäre.
 
In diesem Jahr ist die „gamescom“ aber dennoch in der Rheinmetropole zu Hause. Und wieder rechnet man mit einem neuen Besucherrekord von rund 275.000 Spiele-Fans. Ob vielleicht 2012 nun endlich schwarze Zahlen geschrieben werden, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Leipzig hat vieles richtig gemacht, vom dem Köln lernen könnte. Denn ein Verlustgeschäft war die „Games Convention“ für alle Beteiligten nie…