Geklärt: Porzellan kommt aus Sachsen

Bei einer wissenschaftlichen Konferenz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben Experten bestätigt, dass das weiße Gold im 17. Jahrhundert von Johann Friedrich Böttger erfunden wurde. +++

„Die in England gewonnenen Erkenntnisse bieten keinen Anlass, die Geschichtsbücher umzuschreiben“,  sagte der Direktor der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dr. Ulrich Pietsch.

Der Porzellanexperte hatte sich mit Materialforschern der Bergakademie Freiberg und des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf zu natur- und kunsthistorischen Untersuchungsmethoden und Ergebnissen im Zusammenhang mit einem  aktuellen Forschungsbericht aus London verständigt. In dem Bericht waren drei Gefäße aus der Zeit um 1680 als Hartporzellane identifiziert worden. Keramikhistoriker hatten daraus geschlussfolgert, dass  möglicherweise bereits vor Johann Friedrich Böttgers legendärer Erfindung in Sachsen englische Hersteller ein Verfahren zur Herstellung von Porzellan entwickelt hätten. 

„Nach wie vor gilt die Versuchsaufzeichnung Johann Friedrich Böttgers vom 15. Januar 1708 als die Geburtsstunde des europäischen Hartporzellans. Hier sollte allenfalls ergänzt werden,  dass möglicherweise auch anderen Ortes Porzellan hergestellt wurde, das bereits Kaolin enthält, ohne dass die Hersteller dies wussten, so Ulrich Pietsch. Dafür muss aber zunächst eindeutig bewiesen werden, dass das untersuchte Porzellan wirklich in Vauxhall (England) hergestellt worden ist und es sich nicht etwa um chinesisches Exportporzellan handelt, das in England, vielleicht in der Glashütte in Vauxhall, mit Emailfarben bemalt wurde. Solche Fälle lassen sich in Europa verschiedentlich nachweisen. Auch die Dresdner Porzellansammlung verfügt über derartige Beispiele.  

Aufgrund der Tatsache, dass die Gefäße bereits in einer Schenkungsurkunde von 1683 verzeichnet waren, schlussfolgerten die Verfasser, dass möglicherweise englische Hersteller schon um diese Zeit der sächsischen Erfindung zuvor gekommen waren.  

Johann Friedrich Böttger hatte im Jahr 1708 auf der Grundlage der Versuche Ehrenfried Walther von Tschirnhaus´ das europäische Hartporzellan erfunden und später zur Produktionsreife gebracht. Im Januar 1710 war in Dresden durch August den Starken eine Porzellanmanufaktur gegründet worden. Im Juni desselben Jahres wurde die Produktion auf die Albrechtsburg ins benachbarte Meißen verlegt. Dies gilt als die Geburtsstunde der ersten Porzellanmanufaktur Europas, die in diesem Jahr ihr 300jähriges Jubiläum feiert.

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

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