Halberstadt ist das Dornröschen unter den Bahnstationen

Berlin (dapd-lsc). Leipzig und Halberstadt sind die Bahnhöfe des Jahres 2011.

Der Kopfbahnhof der sächsischen Metropole überzeugte die Jury aus Verbraucherverbänden vor allem, weil er „unglaublich viel Platz für die Reisenden“ biete, wie die Allianz pro Schiene am Montag in Berlin bekanntgab. Halberstadt strahle seit der Wiedereröffnung 2010 „wie ein wachgeküsstes Dornröschen“, formulierte Dieter Harms vom Autoklub ACE.

Erstmals bildete das Wahlverfahren auch den aktuellen Streit ab. Zwar entscheidet über den Bahnhof des Jahres stets die Jury, aber diesmal wurden parallel dazu die Bahnkunden befragt. Sie votierten politisch und setzten den Stuttgarter Hauptbahnhof auf Platz eins. Von den rund 2.000 Einsendern entschieden sich 760 für ihn, obwohl er deutliche Abnutzungsspuren aufweist. Der noch gar nicht gebaute unterirdische Gegenentwurf „Stuttgart 21“ schaffte es bei den Kunden aber auch schon auf Platz elf.

Die Jury hielt sich aus der Politik heraus, unternahm Testreisen und entschied sich am Ende für Leipzig als Großstadtstation und Halberstadt als kleinen Bahnhof. Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, begründete das unter anderem damit, dass diese Bahnhöfe „statt leerer Wartezeiten ein eigenes Erlebniszentrum schaffen, das Reisende und Besucher ganzheitlich anspricht“.

Mit dem 1915 erstmals und 1999 wieder eröffneten Leipziger Hauptbahnhof, dem größten Deutschlands, kam übrigens zum ersten Mal ein Kopfbahnhof aufs Siegertreppchen. Er verschaffte der Jury schon beim Eintritt in seine hohe Halle Gefühle, wie sie „sonst nur Kirchen vermitteln“, begründete Karl-Peter Naumann von Pro Bahn die Wahl und lobte die „hohe Aufenthaltsqualität“.

Der Bahnhof Halberstadt „verschlief die DDR-Ära unter einer Wellblechhülle“, sagte Harms. 2010 wurde er nach Renovierung wieder eröffnet. Christian Schultz vom Bahnkundenverband beschrieb das Gebäude sehr plastisch: „Mächtige Backsteine außen, schöne Rundungen innen, so bietet der Bahnhof dem Reisenden alles, was er unterwegs braucht: Schließfächer, saubere Bahnsteige, reichlich Sitzgelegenheiten, außerdem Information in Hülle und Fülle.“

dapd