Hauptverdächtiger einer Fälscherbande in Haft

Anfang Januar dieses Jahres wurde ein mit Haftbefehl gesuchter 34-jähriger Chemnitzer festgenommen, dem zahlreiche Urkundenfälschungen zur Last gelegt werden.

Er soll, gemeinsam mit sechs weiteren Verdächtigen im Alter von 27 bis 56 Jahren, seit 2004 ca. 140 Protokolle zu Haupt- und Abgasuntersuchungen im Bereich Chemnitz und Umgebung gefälscht haben. Bis zum heutigen Tag wurden in dieser Sache von der Kriminalpolizei acht Durchsuchungsmaßnahmen durchgeführt. Dabei stellten die drei Beamten der Arbeitsgruppe „TÜV“ seit dem Sommer 2010 umfangreiche Unterlagen sicher, die den Tatverdacht gegenüber dem 34-Jährigen Hauptverdächtigen erhärteten. Der Mann befindet sich in Haft.

Die den gefälschten TÜV-Bescheinigungen zuzuordnenden Fahrzeuge waren von ihren Besitzern im Vorfeld teilweise den zugelassenen Prüfstellen vorgestellt worden. Da aber die Kriterien der Haupt– bzw. Abgasuntersuchung nicht erfüllt wurden, erhielten sie keine TÜV-Bescheinigungen. In anderen Fällen wurden die Fahrzeuge nie den Prüfunternehmen vorgestellt. Die Möglichkeit schnell und sicher eine falsche TÜV-Bescheinigung zu erhalten sprach sich bei den Betreffenden herum, sodass die Fahrzeugbesitzer wussten, an welche Personen sie sich mit ihrem Anliegen wenden konnten. Bevor die Verdächtigen ein gefälschtes TÜV-Zertifikat ausstellten, holten sie die Fahrzeuge von ihren Besitzern ab oder reichten nur die TÜV-Zertifikate an sie weiter, ohne das Fahrzeug gesehen zu haben.

Teilweise wurden Fahrzeuge mit gefälschter TÜV-Bescheinigung aber auch verkauft. Unter anderem fälschte man auch die Eintragungen in den Zulassungsbescheinigungen.

Die Beschuldigten schnitten Plaketten von gestohlenen Kennzeichen aus und klebten diese auf die Kennzeichen der entsprechenden Fahrzeuge. Den Zulassungsstellen fielen schließlich die Manipulationen bzw. Fälschungen auf. So kamen die Ermittlungen im Sommer 2010 mit der Bildung der Arbeitsgruppe „TÜV“ in Gang.

Durchschnittlich verlangten die Tatverdächtigen für die Ausstellung einer gefälschten Haupt- und Abgasuntersuchung zusammen ca. 90 Euro. Da bis jetzt etwa 140 Fälle bekannt sind, summiert sich der Gesamtschaden derzeit auf ca. 12.600 Euro. Die Ermittlungen werden noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Die Fahrzeuge, die Plaketten zur Haupt- und Abgasuntersuchung erhielten, befanden sich in Wirklichkeit in einem zum Teil katastrophalen technischen Zustand. So wurde auch die allgemeine Verkehrssicherheit durch die weiterhin fehlende Betriebssicherheit gefährdet. Die Besitzer der Fahrzeuge sind nun gezwungen, die Untersuchungen nochmals durchführen zu lassen – diesmal entweder von einer zertifizierten Werkstatt oder zugelassenen Prüfstelle.

Da ohne ein echtes TÜV-Zertifikat, auch der Versicherungsschutz für das jeweilige Fahrzeug verloren gehen kann, sollten sich Bürger, die hinsichtlich der Echtheit der Prüfzertifikate Bedenken haben, direkt an den TÜV wenden.

Die Polizei rät, Hauptuntersuchungen nur bei den zugelassenen Prüfstellen wie TÜV und DEKRA oder bei zertifizierten Werkstätten durchführen zu lassen. Lässt man sich darauf ein, von windigen Geschäftemachern die Verkehrstauglichkeit des eigenen Fahrzeuges bestätigt zu bekommen, kann man schnell selbst ins Visier der Justiz geraten, wenn durch mangelnde Verkehrssicherheit des fahrbaren Untersatzes Unfälle, möglicherweise mit tragischem Ausgang, verursacht werden.