HCE trotzt Spitzenteam Essen bei spektakulärem Torfestival einen Punkt ab!

Dresden - Der HC Elbflorenz hat sich im Heimspiel am Sonntagabend mit 33:33 (19:18) einen starken Heimpunkt gegen den Tabellenzweiten TuSem Essen erkämpft. In einer spektakulären und äußerst körperlichen Partie gegen das noch ungeschlagene Spitzenteam ging es in der BallsportArena von Anfang an hin und her. Nach einer knappen Pausenführung schaffte es die Mannschaft von Rico Göde, angetrieben durch das Publikum und überragende Torwartleistungen, bis wenige Minuten vor Schluss sogar einen 3-Tore-Vorsprung herauszuwerfen. In der dramatischen Schlussphase, in der es etliche Zeitstrafen und satte 3 rote Karten hagelte, agierten die Gäste allerdings cool und erzielten 7 Sekunden vor Abpfiff durch Justin Müller doch noch den Ausgleich. Was bleibt ist eine ligaweit beachtete Leistung der Dresdner und ein eher nicht zu erwartender Punktgewinn gegen eine Spitzenmannschaft, der sich nach dem Spielverlauf aber noch nicht so recht wie ein Gewinn anfühlen wollte.

Gegen alle Widerstände – HC mit starkem Heimpunkt

Es gibt Dinge, die sich wie zwei Sachen anfühlen. Man weiß nicht so richtig, ist das jetzt etwas Gutes oder Schlechtes. Und so gibt es auch Punkte im Handball die sich so anfühlen. Manchmal muss man einfach noch eine Nacht darüber schlafen. Ob der HC den Punkt jetzt „geloren“ oder „verwonnen“ hat, muss jeder am Ende selbst entscheiden. HC-Keeper Tom Göres nach dem Spiel: „Es war natürlich ein Sieg drin. Aber einen Punkt gegen den ungeschlagenen Tabellenzweiten zu holen, ist das Wichtigste was wir uns aus dem Spiel mitnehmen können. Ein Punkt ist immer ein Punkt näher an unserem Saisonziel.“ Gewonnen hatten am Ende die knapp 1400 Zuschauer, die in die Halle gekommen waren. Wer also verloren hat, ist dann wohl auch klar. Es gibt auch mal Spiele zum Zuhause bleiben, aber das war eines zum Ärgern, wenn man nicht in die Halle gekommen war.

In der 1. Halbzeit sahen die Zuschauer ein handballerisches Offensivspektakel. Von den Essenern ist man so etwas „gewohnt“. Bei den Dresdnern weiß man mittlerweile, dass sie sich im Angriffsspiel weiterentwickelt haben. So stand es nach 30 Minuten 19:18 für die Hausherren, welche sogar die Chance auf eine klarere Führung, mit einem einfachen Fehler 15 Sekunden vor dem Pausentee, vergaben. Über fast die gesamte 1. Halbzeit blieb es ein offensiver Schlagabtausch, bei welchem die Dresdner aber mit zunehmender Spieldauer mehr Vorteile besaßen.

Dabei mussten die Hausherren in den ersten 13 Minuten vier Unterzahlsituation ausgleichen, was sie auch hervorragend taten. Die Gäste aus Essen waren viel über ihr Tempospiel erfolgreich und hatten teilweise Probleme im Positionsangriff. Überragender Spieler bei den Gästen war dabei Noah Beyer, welcher bei 9 Versuchen in der 1. Halbzeit 9mal traf. Dabei agierte er nervenstark vom Siebenmeterpunkt und durchaus spektakulär von Linksaußen. Auf Seiten der Sachsen war es vor allem ein starker Sebastian Greß der das Dresdner Spiel gefährlich machte. Als Nils Gugisch per Konter zum 19:16 für die Dresdner traf, waren noch 90 Sekunden zu spielen und die Dresdner Zuschauer emotional schon längst in der Partie. Warum die Dresdner dann nicht mit einer klareren Führung in die Halbzeit gingen, wurde schon erwähnt. Die interessanteste Szene der 1. Halbzeit war HC-Außen Nils Gugisch vorbehalten, der es innerhalb von nur 30 Sekunden schaffte, aus der eigenen Hälfte 2mal ins leere Essener-Tor zu treffen (von 14:14 auf 16:14).

© Sachsen Fernsehen
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Die 2. Spielhälfte etwas weniger Treffer, aber noch mehr Spannung. Beim HC wechselte zur Halbzeit Tom Göres ins Tor. Er sollte mit zunehmendem Spielverlauf die Dresdner Zuschauer mit seinen spektakulären Paraden über den Siedepunkt bringen. Welchen Einfluss die lautstarke Kulisse hatte zeigte sich exemplarisch am Essener Rückraumschütze Dennis Szczesny. Er hatte sich in der Schlussphase der 1. Halbzeit aus Sicht der Dresdner Fans etwas unbeliebt gemacht und bekam das ab da akustisch „mitgeteilt“. Was dazu führte, dass er das restliche Spiel nichts mehr auf „die Kette bekam“.

Und trotzdem zeigte die Essener Offensive weiter ihre Qualität, allen voran der 16-fache Torschütze Noah Beyer. Der hatte dann aber auch etwas eher Feierabend, da er kurz vor dem Ende mit einer direkten Roten Karte vom Feld musste. Insgesamt 15 Zeitstrafen (Dresden 9/Essen 6) spiegelten eigentlich nicht das Geschehen auf der Platte wieder, welches zwar umkämpft war aber nicht diesen Status verließ. Eine kleine Schwächephase zu Beginn der 2. Halbzeit hatten die Dresdner durch einen Greß-Treffer in der 39. Minute in ein 24:21 umgewandelt. Bis zur 45. Minute hatten die Essener dies mit einem Treffer von Noah Bayer zum 25:25 wieder ausgeglichen. In dieser Phase taten sich beide Teams zunächst etwas schwerer Tore zu erzielen. Die Partie blieb ausgeglichen und ein in der 2. Halbzeit gut aufgelegter Nils Gugisch traf in der 50. Minute für den HC von zum 28:27. Als HC-Keeper Max Mohs dann einen Strafwurf hielt, sein Torwartkollege Tom Göres wenig später mit einer spektakulären Parade das 28:28 verhinderte und Marek Vanco zum 29:27 traf, war die Stimmung in der Halle kurz vor dem Siedepunkt.

Als Göres anschließend noch mal artistisch parierte, „schwappte der Kessel über“. Knapp 5 Minuten vor dem Ende führte der HC dann durch einen erneuten Gugisch-Treffer mit 31:28. 3:30 Minuten vor dem Ende war es immer noch 3 Treffer als Arseniy Buschmann zum 32:29 traf. Allerdings rappelten sich die Essener noch einmal auf und glichen auf 32:32 aus. Die Dresdner verpassten es hier das Spiel zu entscheiden. Die dritte Zeitstrafe für Mindaugas Dumčius brachte den HC 70 Sekunden vor dem Ende sogar in Unterzahl. Eine HC-Auszeit sowie ein strafwürdiges Foul an HC-Rechtsaußen Nils Gugisch brachte dann aber 40 Sekunden vor dem Ende einen Strafwurf, den der HC in Person von Julius Dierberg nervenstak zum 33:32 verwandelte. 6 Sekunden vor dem Ende war es dann aber TUSEM-Spielmacher Justin Müller der den 33:33 Ausgleich herstellte.

Fazit: Die Leistung der Dresdner ist nicht hoch genug einzuschätzen und natürlich hätte der HC liebend gern beide Punkte mitgenommen. Sie waren zum Greifen nah. Essen kam mit „voller Kapelle“, voller Selbstvertrauen und voller Angriffspower nach Dresden. Nach dem Spiel sagte TUSEM-Trainer: „Das war eine sehr starke Leistung von Dresden heute. Wir haben uns vor allem in der Abwehr sehr schwer getan. Beim 32:29 war das Spiel fest gelaufen. Wir haben trotzdem 60 Minuten daran geglaubt. Wir sind sehr glücklich den Punkt hier zu holen. Nichtsdestotrotz war Dresden hier über 45. Bis 50 Minuten die bessere Mannschaft“.

Die Sachsen trotzten allen Widerständen im Spiel, z.B. dem Ausfall weiterer Spieler wie Philip Jungemann und Michal Kasal. Vor dem Spiel hatte der HC schon auf Nils Kretschmer und Marc Pechstein verzichten müssen. So musste z.B. Sebastian Greß viel auf der Platte stehen, obwohl ganz klar mehr Pause gebraucht hätte. Das die Dresdner den bisher weitestgehend souveränen TUSEM am Rande einer Niederlage hatte, ist das Dresdner-Gütesiegel für das Spiel. Nun hoffen die Sachsen inständig, dass nicht noch mehr Ausfälle dazukommen. 

Tore: Huhnstock/Göres/Mohs (alle Tor), Pulay 3, Emanuel, Dierberg 5/5, Gugisch 6, Buschmann 3, Dumcius 1, Jungemann, Hoffmann 1, Greß 7, Vanco 3, Quade, Kasal 2, Thümmler 2

Quelle: Wolfram Wegehaupt

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