Heimwerken: Das geht (und davon sollte man die Finger lassen)

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Einmal abgerutscht und schon läuft die "Blaulicht-Party" – nicht alles was man selbst reparieren kann, sollte man auch tun.

Zugegeben, nicht für alles, was an Haus & Hof kaputtgehen kann, ist ein Handwerker vonnöten. Doch der Grat zwischen „machbar“ und „Sicherheitsrisiko“ ist sehr schmal.

Selbermachen, oder neudeutsch auch als "Do it yourself" (DIY) bekannt, ist in Deutschland seit Jahren konstant beliebt. Zehn Millionen Deutsche packen mindestens einmal monatlich den Werkzeugkoffer aus. Zwar nimmt die Zahl der Handwerksbetriebe in Sachsen drastisch ab, im Gegenzug dazu steigt jedoch die Anzahl der Auszubildenden in diesem Bereich. Profis vor Ort sind also genug vorhanden. Ergreift man dagegen die Selbstinitiative, gibt es Dinge, an die man sich ohne Ausbildung eigentlich nicht wagen sollte – viele tun es doch und riskieren dabei Schäden bis hin zu Lebensgefahr. Damit das Heimwerker-Neulingen nicht passiert, erklärt der folgende Artikel, an was man sich bedenkenlos wagen kann – und was man warum dem Fachmann überlassen sollte.

Risiko Eigenreparatur

Das Problem ist nicht das Heimwerken selbst, sondern die Ausführung. Natürlich kann ein Laie mit entsprechenden Anleitungen eine Steckdose sachgerecht anschließen oder eine rostige Wasserleitung austauschen – und kann dabei, so er mit der gleichen Sorgfalt arbeitet, wie ein Handwerker alles richtigmachen und auf sein Werk vertrauen.

Doch das kritische daran ist die Tatsache, dass ganz gleich, wie sorgfältig er arbeitet, der Heimwerker in aller Regel selbst haftet. Um beim Beispiel mit der Steckdose zu bleiben. Angenommen daran löst sich ein Kabel und löst einen Kurzschluss samt Brand aus – dann kann sich die Versicherung unter Umständen weigern, den Schaden zu übernehmen oder zumindest das Geld zurückfordern. Und das, obwohl der Heimwerker alles genau so gemacht hat, wie ein ausgebildeter Elektriker.

Dieses Mantra sollte man immer im Hinterkopf behalten, bevor man beschließt "das kann ich auch selber machen".

Der Berufs-Faktor

Der zweite Faktor ist der erlernte Beruf – sowohl im Positiven als auch Negativen. Wer etwa als Automechaniker arbeitet, kann getrost davon ausgehen, dass er auch an seinem Motorrad die Bremsen wechseln kann, ohne dem Risiko möglicher Fahrlässigkeit ausgesetzt zu sein – der gleiche Mechaniker stünde jedoch bei der Konstruktion eines hölzernen Terrassendachs auf einem genauso schmalen Seil wie ein Büroangestellter.

Umgekehrt mag ein Zimmermann sicherlich mit verbundenen Augen das genannte Terrassendach bauen können, wäre jedoch bei Elektroarbeiten ebenso ein Anfänger wie der Automechaniker. Dieser Berufsfaktor sollte deshalb immer einfließen, wenn es darum geht, die Machbarkeit einer Reparatur zu bewerten – und man sollte dabei ehrlich sein und sich nicht Fähigkeiten zuschreiben, die man nicht oder nur rudimentär hat.

 

Die Kosten/Nutzen-Rechnung

Viele gehen davon aus, dass Heimwerken grundsätzlich billiger wäre als Profiarbeit – doch realistisch betrachtet ist die Antwort darauf eher ein Jein:

  • Ja, es ist billiger, wenn man an Ausgaben nur die reinen Materialkosten beachtet. Zudem auch, wenn Dinge aufgrund ihres Alters nicht mehr wirtschaftlich von einem Profi zu reparieren wären.
  • Nein, es ist nicht billiger, weil auch Eigenleistungen einen Wert haben – etwa durch den Verlust von Freizeit. Auch, weil man als Unerfahrener meist länger braucht und durch mangelnde Erfahrung u.U. mehrere Anläufe benötigt. Gleiches gilt auch, wenn noch teures Werkzeug nur für die Reparatur angeschafft werden muss.

Auch das sollte also in die Rechnung der Machbarkeit einkalkuliert werden. Ein ausgekochter Heimwerker, der über viele Erfahrungen und eine exquisit ausgestattete Werkzeugsammlung verfügt, spart tatsächlich bei den meisten Reparaturen viel Geld.

Umgekehrt kann ein Laie, der für jede Zange erst in den Baumarkt fahren muss und dann durch mangelnde Erfahrung noch Ersatzteil Nummer 1 zerstört und neukaufen muss, sehr viel mehr Geld ausgeben, als wenn er die Arbeit einem Profi übertragen hätte. Und der Punkt, an dem beide Heimwerkergruppen ineinander übergehen, ist fließend, denn es muss dabei auch beachtet werden, dass der erfahrene Heimwerker schon viel "Lehrgeld" in Form von Lebenszeit und Kosten für seine Werkzeugsammlung bezahlt hat.  

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Wer sich erst noch mit Werkzeug eindecken muss, spart oft nicht nur nichts, sondern zahlt teilweise gegenüber dem Handwerker drauf.

Zudem gelten diese Faktoren auch nur für Eigenheimbesitzer. Bei Mietern kann es auch schlichtweg falsch und teuer sein, Reparaturen in Eigenregie durchzuführen. Um einmal mehr die Steckdose zu bemühen, liegt diese als essentielle Grundausstattung im Verantwortungsbereich des Vermieters – ist sie kaputt (und nicht nur optisch veraltet), dann muss er für den Austausch sorgen. Zudem gibt es auch diverse Reparaturen, die der Vermieter schlichtweg untersagen darf. Im Zweifelsfall lautet also der beste Ratschlag, vor jeder DIY-Betätigung den Vermieter um Erlaubnis fragen, denn sonst kann die ach-so billige Eigenleistung zum sehr teuren Bumerang werden.

Vorteil "Klick & Steck"

Dieser Unterpunkt ist zwar keine universal gültige Regel, aber so etwas wie eine Leitlinie, an der man sich –zu einem gewissen Grad - orientieren kann. Bei sämtlichen Geräten und Einbauten, die man reparieren kann, gibt es zwei verschiedene Pfade:

  • Die einen Dinge sind mit wenigen Schrauben und/oder nicht-vertauschbaren Anschlüssen ausgestattet und können so selbst mit wenig Sachkenntnis repariert werden.
  • Die anderen Dinge sind verklebt oder mit Sonderschrauben fixiert, benötigen Spezialwerkzeug und können ohne Profiwissen leicht falsch angeschlossen werden.

Die erstgenannte Gruppe ist dabei naturgemäß die für Laien sicherste. Ein Praxisbeispiel kann das erklären: Um an einer Waschmaschine die Pumpe zu wechseln,  muss nur ein richtungsgebundener Stecker abgezogen und einige Schrauben gelöst werden – das schafft auch ein mit wenigen Werkzeugen ausgestatteter Anfänger. Umgekehrt müsste man, um einen Unterputz-Spülkasten auszutauschen, nicht nur Fliesen wegstemmen, sondern diese hinterher auch durch Neue ersetzen sowie verfugen – und das geht nur mit Erfahrung und einer ganzen Kiste verschiedenster Werkzeuge.

Doch wie gesagt ist dies keine Universalregel – denn auch die genannte Steckdose sitzt nur mit zwei Schrauben in der Wand und es müssen nur drei Kabel angesteckt werden. Doch allein schon, weil es nicht ausgeschlossen ist, diese Leitungen zu vertauschen, ist diese Form von „Klick & Steck“ nicht bedingungslos heimwerkertauglich – umgekehrt kann man zwar beim Tapezieren eine ganze Menge falsch machen, denn hier ist außer der Breite der Tapetenbahnen nichts vorgegeben. Doch wenn man das tut, hat man selbst im Worst-Case-Szenario kein Risiko für Haus und Leben. Das zu erkennen und zuzugeben, wo seine Grenzen liegen, ist ebenso eine Kunst des Heimwerkens wie die Arbeit selbst.

Definitiv Finger weg

In Anbetracht der bisher genannten Regeln kristallisieren sich einige Reparaturarbeiten heraus, von denen man als Otto Normalheimwerker wirklich die Finger lassen sollte. Grundsätzlich sind das alle Reparaturen, die:

  • man nicht durch seinen gelernten und/oder ausgeübten Beruf alltäglich macht

und die zudem

  • bei falscher Ausführung ein erhebliches Risiko beinhalten, dass dadurch Brände entstehen, tragende Teile beschädigt werden oder Überschwemmungen die Folge sein könnten.

Treffen beide Faktoren aufeinander, sollte es definitiv „Finger weg“ heißen, denn die Risiken sind den Aufwand nicht wert. In solchen Fällen gibt es aber natürlich noch die Option, sich im Kollegen- oder Freundeskreis nach einem solchen Experten umzuhören – denn die Gesetze zum Thema Schwarzarbeit finden ganz klar ihre Grenzen bei Arbeiten, bei denen es sich um „nicht nachhaltig auf Gewinn gerichtete Dienst- oder Werkleistungen“ handelt. Im Klartext also, wer sich selbst den Anschluss eines Durchlauferhitzers aufgrund der Risiken durch Kurzschluss und Undichtigkeiten nicht zutraut und dies unentgeltlich von seinem Elektriker-Nachbarn machen lässt, handelt nicht jenseits der roten Linie des Gesetzes.

Ausnahmsweise grünes Licht für…

Natürlich fallen unter die "Finger-weg-Arbeiten" viele Dinge, die als Handwerksarbeiten teuer sind. Doch auch wenn beide, im letzten Abschnitt genannten Faktoren zutreffen, gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel. Genauer gesagt liegt die bei den unter Kostenfaktor genannten Arbeiten, die schlicht nicht mehr wirtschaftlich ausgeführt werden können.

Ein Beispiel seien hier Geräte und Installationen, die sehr alt sind, dabei noch sicher, aber deren Technik aufgrund ihres Alters von keinem heutigen Fachhandwerker mehr beherrscht wird.

Darunter fallen beispielsweise alte Röhrenradios. Eigentlich fielen diese unter die "Finger weg"-Regel, denn hier könnte bei unsachgemäßer Reparatur ein Brand entstehen. Allerdings kann man die Apparate auch nicht zum Elektriker um die Ecke bringen – weil dort üblicherweise niemand arbeitet, der sich noch mit der Reparatur einer so alten Technik wirklich auskennt.

Aus diesem Grund kann die Vorgehensweise in solchen Fällen folgendermaßen aussehen:

  1. Sich im Web eine zum Problem passende, von Enthusiasten und/oder Fachleuten erstellte Reparaturanleitung
  2. Einen Fachbetrieb finden, der sich bereiterklärt, die grundsätzliche Qualität der Eigenreparatur mit Hinblick auf die Sicherheit zu überprüfen (Auch ein heutiger Elektriker kann das genannte Röhrenradio zumindest elektrisch durchmessen und die Qualität der Eigenleistung bewerten)
  3. Ersatzteile finden und kaufen
  4. Die Reparatur genau nach Anleitung durchführen
  5. Den Fachmann vor Inbetriebnahme begutachten lassen

Damit hat man zwar keine offizielle Abnahme eines Handwerkers in seinen Händen – aber man hat eben auch die Risiken weitestgehend eliminiert – denn schließlich hat ja ein Profi die Arbeit quasi überwacht.

Ran an den Speck

Bleiben noch sämtliche Reparaturen übrig, die man durchführen kann, ohne dass es bei falscher Durchführung zu mehr als optischen Problemen kommt. Die folgende Liste kann natürlich nur unvollständig sein, aber sie gibt einen grundlegenden Einblick auf das, was auch ohne Profi wirklich gefahrlos möglich ist:

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Wo es nicht sicherheitsrelevant ist, können Heimwerker sich gefahrlos austoben – etwa beim Verlegen eines neuen Teppichbodens.

  • Abschleifen, neulackieren und versiegeln von Hölzern aller Art.
  • Verlegen von Böden aus verschiedensten Materialien
  • Anstrich- und Tapezierarbeiten
  • Rein mechanische Arbeiten (Austausch von Türschlössern, Gängig-machen von Fenstermechaniken usw.)
  • Energetische Reparaturen (neue Tür- bzw. Fensterdichtungen einbauen, Rollladenkasten dämmen u.Ä.)
  • Renovieren von metallischen Oberflächen (Entrosten von Toren, Geländern usw.
  • Verputz- und Anstricharbeiten im Innen- und Außenbereich
  • Fliesen und Fugen
  • Pflasterarbeiten

Es gibt also eine ganze Menge an Dingen, bei denen man einen Handwerker sparen kann, ohne dass es sich auf die Sicherheit auswirkt – und genau hier sollte man zuschlagen. Hält man sich an die Grundregel "Mache ich nicht beruflich und kann im Schadensfall mir oder dem Haus schwere Schäden zufügen" ist man in aller Regel immer auf der sicheren Seite – und kann nicht nur Geld sparen, sondern hat ein Hobby für Jahrzehnte.

 

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