High Tech rettet Leben bei akutem Lungenversagen

Die Spezialisten der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie konnten dank des Einsatzes eines Spezialgeräts zur Sauerstoff-Anreicherung des Blutes und einem besonders schonenden Beatmungsmodus das Leben eines 30-jährigen Patienten retten. +++

Doppelte Premiere am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden: Die Spezialisten der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie konnten dank des Einsatzes eines Spezialgeräts zur Sauerstoff-Anreicherung des Blutes und einem besonders schonenden Beatmungsmodus das Leben eines 30-jährigen Patienten retten. Nach 57 Tagen intensivmedizinischer Versorgung wurde der unter akutem Lungenversagen leidende Mann in eine Rehabilitationsklinik entlassen. Das sogenannte extrakorporale Gastaustauschverfahren wurde am Dresdner Uniklinikum erstmals eingesetzt und dabei in Kombination mit dem selbstentwickelten Beatmungsmodus kombiniert. Der engen Zusammenarbeit der Ärzte und Wissenschaftler ist es zu verdanken, dass der erkrankten Lunge des Patienten genügend Zeit zur Regeneration gegeben werden konnte.

In einem Workshop am 25. Januar geben die Intensivmediziner des Uniklinikums ihr Wissen und ihr Know-how um die Beatmung von Patienten und das extrakorporale Gastaustauschverfahren an ihre Fachkollegen aus der Region weiter. Die dabei vermittelten Kenntnisse innovativer Beatmungsverfahren sollen dazu beitragen, die Lungen von intensivmedizinisch versorgten Patienten noch stärker als bisher zu schonen. Bei Patienten mit akutem Lungenversagen müssen die Intensivmediziner die maschinelle Beatmung aggressiver gestalten, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Doch der dazu notwenige höhere Druck schädigt die erkrankte Lunge weiter. „Das ist ein verhängnisvoller Kreislauf, den wir durchbrechen mussten, um den Patienten zu retten“, sagt Prof. Marcelo Gama de Abreu.

Der Anästhesist und Wissenschaftler leitet den Bereich klinische und experimentelle Forschung der Klinik und ist zugleich auch als Oberarzt tätig. Nachdem der 30-Jährige Patient aus Pirna ans Dresdner Uniklinikum verlegt wurde, entschied sich das Ärzteteam der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie unter Leitung von Prof. Thea Koch und der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie unter Leitung von Prof. Jürgen Weitz ein Gerät einzusetzen, mit dem das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert wird. Damit können die Ärzte  die Aggressivität der Beatmung  senken. Dank des damit einhergehenden niedrigeren Drucks wird die erkrankte Lunge geschont und kann besser ausheilen. Bei dem 30-jährigen Patienten zeigte diese Therapie schnell Erfolg – die Lunge konnte wieder selbst Sauerstoff ins Blut transportieren und Kohlendioxid abatmen; nach neun Tagen konnte das Gerät zum extrakorporalen Gastaustausch ausgeschaltet werden berichtet der Leiter der Intensivstation, Prof. Maximilian Ragaller. Die nächste Aufgabe für die Intensivmediziner bestand darin, den Patienten von der künstlichen Beatmung zu entwöhnen. Hierzu setzten sie ein an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie entwickeltes und patentiertes Konzept zur variablen Beatmung von Patienten ein, das seit gut einem Jahr weltweit von der Firma Dräger – einem international führenden Unternehmen der Medizintechnik – vermarktet wird. „Die Behandlung eines Patienten mittels extrakorporalen Gasaustausches ist sehr anspruchsvoll und verlangt eine sehr enge Zusammenarbeit von Ärzten sowie Pflegepersonal. Diese Herausforderung, kann nur in Teamarbeit bewältigt werden. Unsere Mannschaft auf der Intensivtherapiestation ist dieser Aufgabe jedoch gewachsen.“, betont Prof. Marcelo Gama de Abreu.

Neuer Modus löst monotone Beatmungsmuster ab und schont so Patienten
Biologische Systeme – also auch der menschliche Organismus – funktionieren nicht mit der Regelmäßigkeit einer Mechanik. Vielmehr unterliegen sie einer natürlichen Variabilität. Das gilt auch für die normale Atmung gesunder Menschen: Sie ist geprägt von einer kontinuierlichen Variation der Frequenz und des Volumens einzelner Atemzüge. Müssen Schwerkranke durch ein Beatmungsgerät unterstützt werden, standen dem behandelnden Arzt bisher fast ausschließlich monotone Beatmungsmuster zur Verfügung. Doch das geht unmittelbar zu Lasten der körpereigenen Steuerungsfunktion. Denn in vielen Fällen wird es schwieriger, die Patienten von der assistierten Beatmung zu entwöhnen. „Mit der Dauer der Beatmung steigt für den Patienten das Risiko einer Lungenentzündung“, nennt der Anästhesist und Wissenschaftler Prof. Marcelo Gama de Abreu ein weiteres Problem, das sich mit dem von ihm erfundenen Beatmungsmodus vermeiden lässt, der auch bei dem 30-jährigen Patienten mit akutem Lungenversagen erfolgreich eingesetzt wurde. Nach 57 Tagen intensivmedizinischer Versorgung wurde er kurz vor Weihnachten in eine Rehabilitationsklinik entlassen.

Intensivmediziner geben Spezialwissen in einem Workshop weiter
Die Qualität in der Versorgung Schwerstkranker zu verbessern und dabei die finanzielle Belastung des Gesundheitswesen insgesamt in Grenzen zu halten, ist Ziel eines Netzwerkprojekts der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie: „Wir bereiten die Gründung eines Referenzzentrums für schwierige Beatmungsfälle am Uniklinikum vor“, erklärt Klinikdirektorin Prof. Thea Koch. In diesem Rahmen findet am 25. Januar ein Workshop statt, in dem Experten des Uniklinikums ihr Wissen in Vorträgen und praktischen Übungen an Intensivmediziner weitergeben. Ziel ist es, die Standards der Maximalversorgung in möglichst vielen Krankenhäusern zu etablieren und die Ärzte vor Ort zu beraten. Das Klinikum würde in einem solchen Netzwerk vorrangig solche intensivmedizinisch versorgten Patienten behandeln, die beispielsweise von eine m besonders ausgeprägten Lungenversagen betroffen sind.

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

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