Hilfe, es weihnachtet sehr. Geschenkekauf im Netz oder im Laden?

Es gibt jährlich wiederkehrende Rituale, die mit schöner Regelmäßigkeit für Freude sorgen.

Der Start der neuen Bundesliga-Saison zum Beispiel oder das frühsommerliche Angrillen. Für viele ist es die neuerliche Anreise an einen liebgewonnen Urlaubsort. Andererseits gibt es das alljährliche Dilemma, wenn das Jahresende näher rückt. Weihnachten drängt sich mit dem Beginn des Herbstes wenn vielleicht auch noch nicht recht in Sichtweite, es ist aber doch zumindest knapp hinter dem Kalenderhorizont in Form von schokoladenüberzogenem Lebkuchen zu erahnen.

Das müsste im Grunde ein deutliches Warnsignal sein, sich vielleicht doch einmal Gedanken darüber zu machen, wem womit eine Freude unter den Weihnachtsbaum gelegt werden könnte. Meistens ist es das jedoch nicht, die Bäume tragen schließlich noch ihre Blätter, der allgegenwärtige Glühweingeruch durchzieht noch nicht die Innenstädte und die Zeit bis Heiligabend ist folglich noch lang. Wenn das Wort „Dezember“ dann wie ein stummer Vorwurf angesichts vertaner Chancen am Kalender prangt, müssen schnell zufriedenstellende Lösungen her.

Für viele, wenn nicht sogar die meisten, stellt sich in jedem Jahr die alles entscheidende Frage: Ist das Nervenkostüm noch stabil genug, um es mit den anderen Panikkäufern in der Stadt aufzunehmen – ganz zu schweigen von den Bummlern, die durch ihre demonstrative Lässigkeit nur noch mehr Stress verursachen – oder ist nicht vielleicht doch der gemütliche Sofabummel durch die Onlineshops die bessere Alternative?

Im Netz oder im Gedränge?

Das ist im Grunde eine Frage des persönlichen Geschmacks und noch viel mehr des individuellen Charakters. Diejenigen, die in weiser Voraussicht ohnehin schon das ganze Jahr über – oder zumindest früh genug – Geschenke gebunkert haben, können sich in den turbulenten Vorweihnachtswochen ganz entspannt, mit einem milden Lächeln im Gesicht, über die festliche Adventsstimmung freuen. Der Rest muss sich entscheiden, wo die Präsente für die Lieben herkommen sollen.

Tatsächlich ist es häufig so, dass die Onlineshops nur die erste Anlaufstelle für die Ideensuche sind. Schon im vergangenen Jahr lag der Anteil derer, die im Internet eine Vorabrecherche starteten, jenseits der 60-Prozent-Marke. Das klingt wie eine gute Nachricht für all jene, die ihre Erledigungen auf der Shoppingmeile der nächstgelegenen Stadt tätigen wollen. Wer jetzt auf leere Innenstädte und eine stressfreie Parkplatzsuche hofft, sieht sich insbesondere an den Adventswochenenden mit einer völlig anderen Realität konfrontiert. Denn nach Preisvergleich und Produktsuche im Internet kauften 2014 weniger als 50 Prozent auch wirklich online die Geschenke ein.

Das ist immer noch beachtlich. Auf das gesamte Jahr bezogen steht für das aktuelle Geschäftsjahr sogar ein Wachstum von zwölf Prozent für das Online-Geschäft zu erwarten, was einem Anteil am gemeinsamen Gesamtumsatz von Online- und Versandhandel von über 80 Prozent entspricht. Es ist also offensichtlich, dass der Trend zum Einkaufen im Internet weiter anhält. Das liegt unter anderem daran, dass die Online-Händler sich dieses Interesse der Kunden zu Herzen nehmen und sich entsprechend darauf einstellen. Das bedeutet beispielsweise Anpassungen der Vorteile des stationären Handels für den Kauf im Netz.
 

Produkterfahrung, Verfügbarkeit und Beratung

Diese Vorteile liegen vor allem in den drei Bereichen Produkterfahrung, Verfügbarkeit der Waren und der Kundenberatung. Viele traditionell eingestellte Kunden werden es als einen eminent wichtigen Vorteil des stationären Handels empfinden, die Ware im Kaufhaus auch wirklich vor Augen zu haben und wirklich anfassen zu können. Gerade bei Kleidung kann die Enttäuschung über einen Online-Kauf manchmal groß sein, wenn die mit Bedacht ausgewählte Farbe des neuen potenziellen Lieblingsstücks so gar nicht dem entspricht, was der Online-Shop versprochen hat. Manch ein Detail, das letztendlich vielleicht doch gegen den Kauf spricht, lässt sich womöglich erst im direkten Umgang mit dem Produkt erkennen. Eine mögliche Lösung für den Internethandel sind in dieser Hinsicht sogenannte Avatare, die die Anprobe im Laden ersetzen und eine bessere Vorstellung vom gewünschten Artikel geben sollen.

In Sachen Verfügbarkeit sollte der stationäre Handel ebenfalls die Nase vorn haben. Der Weg zum Einzelhändler verspricht zumindest eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, das gewünschte Produkt auch umgehend zu erhalten. Im Normalfall wird das auch funktionieren, aber gerade die vorweihnachtliche Jagdsaison nach Geschenken aller Art ist eben nicht das normale Geschäft. Insbesondere jene Produkte, die sich als Gabe unter dem Weihnachtsbaum einer größeren Beliebtheit erfreuen, können eventuell schon nicht mehr verfügbar sein. Gute Ideen sind oft genug leider nicht exklusiv und wer sich mit dem Einkauf allzu lange Zeit lässt, erlebt unter Umständen beim mühevollen Kampf durch volle Ladenlokale eine böse Überraschung.

Das gilt umgekehrt sicherlich auch für den Online-Handel. Ein zu langes Zögern beim Kauf von beispielsweise Elektronikartikeln kann im schlimmsten Fall bedeuten, dass das Wunschprodukt bereits vergriffen und vielleicht auf längere Sicht nicht mehr lieferbar ist. Dazu kommt der Faktor Zeit und die ist angesichts des herannahenden Weihnachtsfestes ohnehin knapp. Daher ist es unabdingbar, die teils sehr unterschiedlichen Lieferzeiten der Online-Händler zu berücksichtigen. Der Einkauf per Mausklick mag schnell von statten gehen, die Lieferung indes möglicherweise nicht.

Die Paketlieferdienste helfen zwar ebenfalls in einem jährlich wiederholten Ritual mit Übersichten über die besten oder wenigstens letztmöglichen Gelegenheiten zum Verschicken von Päckchen aus. Dennoch macht es Sinn, auch den Online-Kauf rechtzeitig abzuwickeln, um unerwarteten und unerwünschten Stress zu vermeiden. Zumindest müssen sich die Käufer vielfach nicht zusätzlich mit der Frage nach der Umweltverträglichkeit des Online-Geschäfts belasten, denn sowohl die Einzelhändler aus dem Netz als auch die Lieferdienste selbst setzen verstärkt auf einen wenigstens klimaneutralen Versand, mit dem die zu befürchtenden Belastungen durch CO2 reduziert werden können.

Immerhin haben sich auch die Online-Händler auf den Wunsch nach sofortiger Verfügbarkeit ihrer Waren eingestellt, so dass Lieferungen am Nachfolgetag der Bestellung möglich sind. Ein Kompromiss zwischen stationärem und Online-Handel ist beispielsweise das Angebot, im Internet erstandene Artikel in einer Filiale des Anbieters abzuholen – selbstverständlich nur sofern eine solche vorhanden ist. Das hat den Vorteil für den Kunden, die Abholung mehr nach seinen zeitlichen Wünschen gestalten zu können und nicht auf nette Nachbarn angewiesen sein zu müssen, die seine Pakete in Empfang nehmen. Der Handel wiederum kann auf diese Weise die Kunden doch noch in die Läden locken und so ein Mehr an Umsatz generieren, das ansonsten in den Online-Handel fließen würde.

Wer beim Kauf der Weihnachtsgeschenke mögliche Enttäuschungen dadurch verhindern möchte, dass er oder sie sich nicht ausschließlich auf den guten Geschmack und das sichere Gespür für die Wünsche anderer verlässt, wird froh sein über jede individuelle Beratung, die zu bekommen ist. Lag darin dereinst die Stärke des stationären Handels, so versuchen die Online-Shops auch in diesem Bereich aufzuholen. Daher ist neben allen anderen vorbereitenden Maßnahmen des Einzelhandels auf das Weihnachtsgeschäft die richtige und professionelle Kundenbetreuung vielleicht der wichtigste Faktor überhaupt, um sich vom Online-Handel abzuheben. Dennoch werden langfristig neue Entwicklungen zu erwarten sein, die die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel zunehmend aufheben werden – mit Sicherheit dann auch beim nächsten Weihnachts-Shopping.

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