Historische Standseilbahn fährt ab Montag wieder

Dresden - Die historische Standseilbahn in Dresden nimmt ihren Betrieb wieder auf. Ab Montag befördert sie wieder regulär Fahrgäste von Loschwitz zum Weißen Hirsch. Ein Jahr lang ist die Seilbahn umfangreich rekonstruiert und das Viadukt saniert worden.

Nach einem Jahr baubedingter Pause startet die historische Dresdner Standseilbahn am Montag, dem 28. Juni 2021, neu durch. Die 126 Jahre alte Bergbahn lädt dann wieder werktäglich von 6:30 bis 21:30 Uhr und am Wochenende ab 9:00 Uhr zur Fahrt zwischen dem Körnerplatz und dem Weißen Hirsch ein. Während der umfangreichen Rekonstruktion haben die Bergbahn-Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) mit Hilfe von Fremdfirmen die Steuerung auf den neuesten Stand gebracht, verschlissene Teile wie das Zugseil ausgetauscht und die Anlagen den aktuellen gesetzlichen Vorschriften angepasst.

© DVB
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„Unsere Standseilbahn ist jetzt wieder topfit und freut sich auf viele Fahrgäste aus nah und fern“, lädt DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach ein. „Ich danke allen am Bau Beteiligten, insbesondere unseren eigenen Mitarbeitern, die vieles in Eigenleistung gestemmt haben.“ Die Erneuerung der Standseilbahn kostet inklusive der Planungsleistungen rund drei Millionen Euro. Die DVB erhalten dafür insgesamt 1,7 Millionen Euro Fördermittel vom Sächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr.

Mehr persönlicher Service in der Talstation

Das Steuern der Standseilbahn ist nun nicht mehr nur in der Bergstation, sondern auch aus dem neuen Funktionsgebäude in der Talstation heraus möglich. So kann fast immer eine Fahrdienstleiterin oder ein Fahrdienstleiter im Einstiegsbereich am Körnerplatz für die Kundschaft da sein. „Die meisten Fahrgäste kommen von unten zu unserer Bahn und vor allem die Touristen haben viele Fragen“, so der Bergbahn-Betriebsleiter Markus Dorschner. „Früher konnten wir die Talstation abends nicht besetzen, künftig ist fast immer jemand da.“ Wenn die Bahn von unten gesteuert wird, kann das Personal in der Bergstation anderen Aufgaben wie der Wartung der Maschine nachgehen. Die längst in die Jahre gekommene Steuerungstechnik wurde vollumfänglich ausgetauscht. Dazu gehören alle Leitungen entlang der Strecke und in den Stationen, die Brandmelde-, Notruf- und Videoanlagen, die elektronische Fahrgastinformation sowie die Bedienpulte. Neue automatische Schiebetore an den Ein- und Ausgängen sorgen für mehr Sicherheit.

 

Zugseil soll bis zu 40 Jahre lang halten

Wer genau hinschaut, sieht das neue, glänzende Seil. Überwiegend per Muskelkraft haben es die Bergbahner im März von oben nach unten über die Anlage gezogen. Beim letzten Seiltausch 1997 konnte das neue Seil an das alte geknüpft und mit Hilfe der Antriebsmaschine installiert werden. Diesmal war das nicht möglich, weil das verschlissene Drahtseil schon lange entfernt war, um Baufreiheit auf dem Viadukt zu schaffen. „Der Seilzug war sehr aufregend, da so eine Aktion nur sehr selten vorkommt und das neue teure Seil nicht zu Schaden kommen darf. Das ist unserem Team durch gute Zusammenarbeit gelungen“, berichtet Markus Dorschner. Das Seil ist 38 Millimeter stark, wiegt 5,6 Kilogramm pro Meter und besteht aus sechs Litzen mit je 25 Drähten, wobei die Außendrähte abgeflacht sind, um die Geräuschentwicklung für die Anwohner der Standseilbahn zu dämpfen.

 

Neue Balken auf dem Viadukt

Im Zuge der Rekonstruktion wurden 136 Holzbalken auf dem 102 Meter langen Viadukt ausgetauscht. Sie waren durch die Witterung und den Fahrbetrieb der letzten 26 Jahre stark beansprucht. Auf den Balken sind die Schienen der Standseilbahn verschraubt, die nicht erneuert, sondern nur geschliffen werden mussten. Außerdem sind die Laufwege über das Viadukt nun nicht mehr mit Holz, sondern mit witterungsbeständigem und rutschsicherem Gitterrost aus glasfaserverstärktem Kunststoff eingedeckt. Sie sind sehr wichtig für die regelmäßigen Kontrollgänge durch die Bergbahn-Mitarbeiter oder eine mögliche Evakuierung von Fahrgästen.

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Neuerungen auf der Strecke und Neuerungen auf der Strecke und in der Bergstation

Vom Gesetzgeber inzwischen vorgeschrieben sind außerdem so genannte Baumfallsicherungen, die nun montiert sind. Es handelt sich dabei um dünne Drähte entlang der gesamten Strecke, die einen Magnetschalter auslösen, sobald größere Hindernisse auf die Strecke gefallen sind. Dann wird die Standseilbahn automatisch gestoppt. In das Gebäude der Bergstation wurde eine Montageöffnung zum Maschinenhaus eingebaut. Durch diese Luke können nun schwere Komponenten ins Maschinenhaus im Keller hinabgelassen werden, deren Transport über die enge Treppe unmöglich war. Ein ehemaliger Lagerbereich hat sich zum elektrischen Betriebsraum verwandelt.

Quelle: DVB