Hochschulen müssen sparen

Dresden (dapd-lsc). Mit der Schließung von Außenstandorten einiger Hochschulen und Stellenabbau reagiert Sachsen auf Prognosen sinkender Studentenzahlen.

Vom Aus betroffen seien die Außenstellen Reichenbach (Vogtlandkreis) der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Roßwein (Mittelsachsen) der Hochschule Mittweida, sagte Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) am Dienstag in Dresden bei der Vorstellung des Hochschulentwicklungsplans bis 2020.

Damit solle vor allem auf den Rückgang der Studienbewerber reagiert werden, der laut Schorlemer in neun Jahren bei etwa 15 Prozent liegen wird. Die Zahl der sächsischen Abiturienten habe sich seit der Wende halbiert. Derzeit sei die Zahl der Studenten zwar noch konstant. Fakt sei jedoch, dass dreiviertel der Bewerber aus Sachsen kämen und der wachsende Zustrom von Studenten aus den westdeutschen Ländern zu keiner Steigerung geführt habe.

Bis 2016 sollen 300 Stellen abgebaut werden

Deshalb sollen von 2013 bis 2016 auch 300 Stellen an den Hochschulen abgebaut werden. Angesichts des derzeitigen Personalbestands von mehr als 9.000 Stellen ohne die Medizin sei dies ein moderater Abbau, sagte Schorlemer. Die Universität Leipzig muss demnach von 2013 bis 2015 insgesamt 72 Stellen abbauen. An der TU Dresden sind es im gleichen Zeitraum 94 Stellen, an der TU Chemnitz 42, an der TU Bergakademie Freiberg 36 und an der Fachhochschule Zittau-Görlitz drei. Statt Kündigungen sind „Altersabgänge“ vorgesehen.

Laut Entwicklungsplan sollen die Hochschulen die Streichungen nutzen, um ihr Profil zu schärfen und Schwächen abzubauen. Konkrete Zielvorgaben sollen mit den Hochschulen ausgearbeitet werden.

Außerdem sollen Überschneidungen von Fächern an den 15 Hochschulen im Freistaat der Geschichte angehören. „Wir bekennen uns zu allen unseren Hochschulen“, sagte Schorlemer, „und wir brauchen ein stimmiges Gesamtbild“. Nun soll die Fakultät für Architektur von Reichenbach nach Leipzig und das Institut für Textil- und Ledertechnik nach Zwickau verlegt werden, weil die Nachfrage nach diesen Fächern gering ist.

An der TU Chemnitz sollen künftig Grundschullehrer ausgebildet werden. Angehende Grundschullehrer seinen „stark heimatverbunden“, sagte die Ministerin zur Begründung. Dieses Potenzial müsse ausgenutzt werden.

Vorgesehen ist zudem die Schaffung von „Wissenschaftsräumen“. Demnach sollen Hochschulen enger kooperieren und sich mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen vor Ort vernetzen.

Von den Umstrukturierungen generell ausgenommen sind die Kunsthochschulen.

Opposition kritisiert Einsparungen

Der Hochschulexperte der Linksfraktion, Gerhard Besier, kritisierte: „Im Wesentlichen konzentrieren sich die wissenschaftspolitischen Vorgaben der Staatsregierung auf drastische Einsparungen, die vor allem das Hochschulpersonal treffen.“ Tatsächlich sei an den Hochschulen ein Stellenabbau von 1042 Stellen bis 2020 vorgesehen. Das sei angesichts der bestehenden dramatischen Unterfinanzierung und des gravierenden Personalmangels unverantwortlich.

Sachsen gehöre bei der finanziellen Grundausstattung der Hochschulen je Student zu den bundesweiten Schlusslichtern, erklärte auch der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Karl-Heinz Gerstenberg. Trotz sogar leicht steigender Studentenzahlen würden weitere Stellen gestrichen. „Die Staatsregierung verlangt also von den Hochschulen höhere Leistungen und bessere Qualität mit immer weniger Ressourcen – das wäre die Quadratur des Kreises“.

dapd