Hoheneck – Zeitzeugengespräch

Jeder, der schon einmal in Stollberg war, kennt das Schloß, das sich über dem Ort erhebt. Eine Festung mit wechselhafter Geschichte.

Was hingegen nicht viele wussten, ist die Tatsache, das Hoheneck zu DDR-Zeiten das wohl berüchtigste Frauenzuchthaus für politisch Gefangene war. Ein Fakt, der auch heute noch nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Scheinbar majestätisch thront das Schloss Hoheneck über der Stadt Stollberg. Dabei ist, zumindest die jüngere Geschichte des Gebäudekomplexes alles andere als rühmlich.

Denn von den 50er Jahren an bis zur Wende war hier das wohl berüchtigste Frauengefängnis der damaligen DDR. Ein Zuchthaus, vor allem für politische Gefangene, die aus der DDR flüchten wollten.

So, wie Ellen Thiemann, die hier die wohl schlimmsten Jahre ihres Lebens verbrachte, weil sie die DDR verlassen wollte.

Interview: Ellen Thiemann – Zeitzeugin

Um an ihr Schicksal und an das, der vielen anderen ehemaligen „Hocheneckerinnen“ zu erinnern und zu informieren, fand am Mittwochabend im Begenungszentrum „Das Dürer“ in Stollberg ein Zeitzeugengespräch statt.

Initiiert wurde das von der Chemnitzer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde, der BStU.

Im Mittelpunkt standen dabei Erinnerungen an ein Gefängnis, dessen heute marode Mauern für die damaligen Insassinnen nur wenig von ihrem Schrecken verloren haben.

Interview: Ellen Thiemann – Zeitzeugin

Qual, Folter und unsägliches Leid waren die ständigen Begleiter der damals politisch Inhaftierten.
Viele von ihnen sind selbst heute noch nicht darüber hinweg. Das Thema Hoheneck hat auch der fiktive Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ von Drehbuchautorin Kristin Derfler und ihrem Mann, dem Regisseur Dietmar Klein zum Inhalt.

Während der drei Jahre dauernden Recherchearbeiten entstand dabei die gleichnamige Dokumentation, die die Schicksale einiger der damals politisch inhaftierten Frauen auf eindrucksvolle und ergreifende Weise erzählt. Und der am Mittwochabend im Vorfeld der Diskussionsrunde in Stollberg gezeigt wurde.

Interview: Kristin Derfler – Drehbuchautorin „Es ist nicht vorbei“
Interview: Dietmar Klein – Regisseur „Es ist nicht vorbei“

Genau deshalb sind Informationsabende wie dieser gestern auch heutzutage so wichtig.

Wichtig für all jene, die nicht wussten, was sich hinter den Mauern der DDR-Gefängnisse wie Hoheneck oder auch der Anstalt in Chemnitz auf dem Kaßberg abspielte.

Wichtig aber auch für die ehemals Inhaftierten, die damit das Erlebte ein Stück weit aufarbeiten können.

Die gleiche Veranstaltung gab es im Übrigen auch am Nachmittag für Schüler. Sowohl in Hocheneck als auch auf dem Kaßberg ist heute niemand mehr inhaftiert.

Dennoch, so sind sich alle einig, sollten die Komplexe zumindest teilweise erhalten bleiben, um zu zeigen, was hier einst geschah.

Denn, so bitter es auch war, es ist Teil der deutsch-deutschen Geschichte, wenn auch nach dem dritten Reich der wohl Schlimmste.