IHK-Präsident wendet sich mit Brandbrief an den Stadtrat

Günter Bruntsch zeigt sich besorgt angesichts der Abschaffung von stadtweiten verkaufsoffenen Adventssonntagen in Dresden +++

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden, Günter Bruntsch, äußert sich zur Entscheidung des Dresdner Stadtrates, 2015 den 6. Dezember als einzigen verkaufsoffenen Sonntag zuzulassen, und auf die unmittelbare Innenstadt zu begrenzen:  

„Die beiden verkaufsoffenen Adventssonntage in Dresden haben es wieder deutlich gezeigt: das Einkaufsverhalten kurz vor Jahresende ist überhaupt nicht mit dem Rest des Jahres zu vergleichen. Doch obwohl tausende Kunden in den Geschäften und viele zufriedene Händler eine deutliche Sprache sprechen, soll dies nach dem Willen des neuen Dresdner Stadtrates ab sofort der Vergangenheit angehören. Ich kann das nicht verstehen.“  

„Auf der einen Seite erhebt man große Ansprüche für Dresden als erfolgreiche Metropole im Osten, möchte man bundesweit als Weihnachtshauptstadt wahrgenommen werden, und ist dann so klein im Denken und Handeln. Da opfert man wider besserem Wissen den gesunden Menschenverstand ideologischen Grabenkämpfen, nur, weil man es durch eine knappe Mehrheit endlich kann. Da warten so viele Herausforderungen auf die Dresdner Kommunalpolitik, die es zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Stadt zu meistern gilt, und dann bringt man sich mit solcher Vehemenz in Themen ein, bei denen sowohl Gewerbetreibende als auch Angestellte, Bürger und Besucher ganz überwiegend einer anderen Meinung sind.“  

„Eine generelle Sonntagsöffnung stand und steht aus guten Gründen der Familienpolitik, der Weltanschauung und des Wettbewerbs zwischen kleinen und großen Händlern überhaupt nicht zur Debatte. Für Ausnahmen in der Adventszeit gibt es meines Erachtens aber ebenso gute Gründe: Der Weihnachtsumsatz kann je nach Branche bis zu einem Drittel des Jahresumsatzes ausmachen, und ist somit für viele Einzelhändler ganz wesentlich zur Sicherung ihrer Existenz und damit auch vieler Arbeitsplätze. Die von Kritikern gebetsmühlenartig ins Feld geführt Weisheit, jeder Euro könne nur einmal ausgegeben werden, und wenn nicht an einem Sonntag, dann halt unter der Woche, stimmt so im Monat Dezember eben nicht. Eröffne ich Kunden zeitlich mehr Möglichkeiten, werden nachweislich auch zusätzliche Umsätze generiert – und wenn nicht hier, dann halt im Um- oder Ausland oder im Internet. Dass Letzteres von den Stadträten billigend in Kauf genommen wird, erscheint mir angesichts der Tatsache, dass sich das Füllhorn sozialer Wohltaten zu nicht geringen Teilen aus Gewerbesteuern speist, genauso schwer nachvollziehbar.“  

„Ich hoffe wirklich sehr, dass die Vertreter der Stadtratsmehrheit während der Adventszeit mit offenen Augen durch Dresden gegangen sind, und ihre jüngst getroffene Entscheidung zur Zukunft der verkaufsoffenen Adventssonntage auch in ihren Familien und im Bekanntenkreis noch einmal diskutiert haben. Den Beschluss im Sinne der Dresdner und der Besucher einer wirklichen Weihnachtshauptstadt zu revidieren, wäre doch ein wunderbarer und guter Vorsatz für das neue Jahr.“
Quelle: IHK

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