Im Jahr 2018 begeht Chemnitz 875-Jahr-Feier

Im Jahr 2018 wird Chemnitz den 875. Geburtstag seiner ersturkundlichen Erwähnung feierlich begehen.

Das hat der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen. Da es wie in vielen Städten auch in Chemnitz keine Gründungsurkunde gibt, wurde die erste nachweisliche Erwähnung der Stadt im Jahr 1143 als Ausgangspunkt der Stadtgeschichte gewählt.

Der Stadtrat folgte mit seinem Beschluss den Empfehlungen Chemnitzer Historiker sowie dem ebenfalls konsultierten Institut für Europäische Geschichte der TU Chemnitz. Damit ist die anhaltende Unsicherheit hinsichtlich der historischen Grundlage künftiger Jubiläumstermine der Stadt beseitigt.

Historischer Hintergrund
Die erste nachweisliche Erwähnung von Chemnitz im Jahre 1143 war die Verleihung des Marktprivilegs. Wenngleich erste schriftliche und archäologische Hinweise auf die Besiedelung des späteren Stadtgebietes existieren, so z.B. die Kirche und das Kloster auf dem Schlossberg. Kaiser Lothar gründete vermutlich 1136 das Kloster und stattete es mit Grundbesitz aus. Damit schuf er einen Ausgangspunkt für die weitere Besiedlung des Umlandes, der entscheidende Bedeutung erlangte.

Der Nachfolger Kaiser Lothars, König Konrad III., bestätigte im Jahr 1143 die Gründung des Klosters, damit wurde der „Raum“ Chemnitz erstmalig urkundlich genannt. Dem Kloster wurde damit ein Gebiet zur wirtschaftlichen Versorgung zugewiesen und vom König ein Marktprivileg verliehen. Dieses Marktprivileg lässt auf den königlichen Stadtgründungswillen schließen, gilt aber nicht als Gründungsdokument für die mittelalterliche Stadt, sondern lediglich als Vorstufe.
Bereits 1893 beging man eine 750-Jahr-Feier der Stadtgründung. Als verbindliches Dokument wurde die Urkunde zur Marktrechtsverleihung an das Kloster von 1143 betrachtet.
Dies ist sachlich aber so nicht korrekt – richtig wäre eine „750-Jahr-Feier der urkundlichen Ersterwähnung von Chemnitz“ gewesen.

Zu DDR-Zeiten beging man im Jahr 1965 im damaligen Karl-Marx-Stadt eine 800-Jahr-Feier. Aufgrund des Forschungsstandes der 1950er Jahren führte man die Stadtentstehung auf den Aufenthalt Kaiser Barbarossas in Altenburg um 1165 zurück.

Ein neuer Ansatz war die Erkenntnis, dass die Stadt Chemnitz unabhängig vom Kloster als Reichsstadt entstand. Die Forschung ordnete die Stadtentstehung in die Bemühungen des Kaisers um den Ausbau seines Reichslandes Pleißen mit den späteren Städten Altenburg, Chemnitz und Zwickau ein. Die in den 1950er und 1960er Jahren durchgeführten Grabungen erbrachten allerdings keine archäologischen Befunde für die Stadtentstehung um 1165; ebenso existiert kein urkundlicher Nachweis. Auch die in den 1990er Jahren erfolgten Grabungen brachten keinen Beleg für eine Bestätigung des Jahres 1165.

In anderen Städten, in denen das Problem ähnlich gelagert ist, begeht man, sofern belegbar, die urkundliche Ersterwähnung.