Rehazentrum fordert sofortige Schließung

Dresden - Die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen - Begegnungen unter Menschen minimieren - genau deshalb sind jetzt die meisten öffentlichen Einrichtungen geschlossen sowie der Zugang zu vielen Plätzen untersagt. Am Sonntag trat sogar eine Verschärfung der Allgemeinverfügung in Form einer Ausgangsbeschränkung in Kraft. Trotzdem sind weiterhin Supermärkte und andere Geschäfte geöffnet, die von engem Kontakt zu Kunden leben. Manche Branchen haben keine andere Wahl, als weiter zu machen.

Thomas Heinz, Geschäftsführer des Rehazentrums Dresden-Striesen erklärt, man gehöre zu den Gesundheitsdienstleistern und habe einen Versorgungsauftrag. Man könne daher den Betrieb nur einstellen, wenn eine behördliche Schließung durch das Gesundheitsamt vorgenommen wird. Auch eine Ausgangsbeschränkung für Bürger würde nichts an diesem Vorgang ändern.

Der Geschäftsführer spricht von einem Rückgang der Patienten um mindestens 50%. Der Großteil der verbleibenden Kunden ist älter als 50 Jahre und somit anfälliger für einen schweren Krankheitsverlauf. Es sei momentan nicht möglich, die Mitarbeiter mit ausreichenden Schutzmaterialien auszustatten, um sie und die Patienten zu schützen. Auch daher versucht Thomas Heinz nachdrücklich, seinen Betrieb zu schließen.

Er gibt an, das Gesundheitsamt kontaktiert zu haben. Als Antwort hätte er bekommen, sein Betrieb müsse weiterhin aufrecht erhalten werden. Das Gesundheitsamt wäre über fehlende Schutzausrüstung in Kenntnis und würde daher die Mitarbeiter vorsätzlich in Gefahr bringen, so Heinz. Der Geschäftsführer würde das Geschäft lieber schließen, habe aber keine Möglichkeiten, diese Schließung finanziell abzufedern. Auch die Mitarbeiter können aus wirtschaftlichen Gründen nicht einfach zu Hause bleiben.

Jeder weitere Tag bedeutet mehr Kontakte ohne zu wissen, ob ein Patient oder Mitarbeiter das Virus in sich trägt. Laut dem Robert Koch Instituts liegt die Inkubationszeit, von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung im Mittel bei 5–6 Tagen. Fast eine Woche, die sich das Virus unentdeckt ausbreiten kann. Thomas Heinz ist sich der Gefahr bewusst, fühlt sich jedoch im Stich gelassen.

Thomas Heinz erzählt, auch die AOK habe auf Nachfragen keine Verantwortlichkeit für die Auswirkungen des Virus gezeigt. Heinz zieht einen Vergleich: "Hier werden Menschen verheizt, so als wenn sie im Kriegszustand an die Front geschickt werden, ohne sich verteidigen zu können."

In der aktuellen Situation sind Gesundheitsämter und Ministerien ausgelastet und haben die Anfrage von SACHSEN FERNSEHEN zu Therapieeinrichtungen nicht beantwortet. Da der Geschäftsführer aber auch Krankenkassen in der Verantwortung sieht, hat die SACHSEN FERNSEHEN-Redaktion die AOK-Plus um eine Stellungnahme gebeten. Wir haben die Situation von Thomas Heinz geschildert und nach der Einschätzung der Situation gebeten.

Die AOK-Plus schreibt:
"Einrichtungen des Gesundheitswesens sind von den Allgemeinverfügungen in Sachsen und Thüringen explizit ausgenommen worden, um die Gesundheitsversorgung der Menschen zu sichern. Viele Patienten benötigen nach wie vor ärztlich verordnete Maßnahmen. Für die Einrichtungen gelten zum Schutz der Patienten gestiegene hygienische Anforderungen, die von den Gesundheitsämtern auch kontrolliert werden. Für bestimmte Leistungsbereiche besteht nun auch die Möglichkeit von Videosprechstunden oder Telefonsprechstunden [...]."

Auf die Frage, ob solche Einrichtungen präventiv geschlossen werden sollten, hieß es:
"Diese Einschätzung obliegt nicht uns, sondern den Gesundheitsämtern und Betreibern, die nach Situation und von Fall zu Fall entscheiden."

Außerdem fragten wir, ob die AOK-Plus betroffenen Unternehmen helfen könne.
"Die gesetzlichen Krankenkassen haben bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Therapieeinrichtungen zu unterstützen. Wird zum Beispiel eine Therapie unterbrochen, so kann diese zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. Aufgrund der derzeitigen Situation werden die Krankenkassen die Einhaltung der Unterbrechungsfrist von 14 Tagen bis Ende April nicht mehr prüfen. [...] Muss eine Therapie ganz abgebrochen werden, kann die Therapieeinrichtung die bisher erbrachte Leistung abrechnen, auch wenn nicht mindestens 80 Prozent der Therapie abgeschlossen sind. Bisher lag die Grenze bei eben diesen 80 Prozent."

Auf eine Nachfrage zu wirtschaftlichen Engpässen bei Einrichtungen aus dem Therapiebereich antwortete die AOK-Plus:
"Finanzielle Unterstützung für betroffene Unternehmen werden bereits auf unterschiedlichsten Ebenen besprochen. Mit dem oben beschriebenen Maßnahmenpaket unterstützen wir die Einrichtungen bereits ganz konkret. Wir werden alle in unserer Macht stehenden Optionen für weitere Unterstützungen prüfen. Auch die Staatsregierung in Sachsen bereitet zurzeit verschiedene Pakete zur finanziellen Unterstützung für kleinere Betriebe vor, zum Beispiel die Ausweitung der Anspruchsberechtigten beim Kurzarbeitergeld."

Auswirkungen sind jedoch schon jetzt spürbar und es muss jetzt gehandelt werden, sagt Thomas Heinz. Einige kleine Therapieeinrichtungen mussten schon schließen und brauchen schnelle Entscheidungen.

Stephan Ochmann, Inhaber von zwei physiotherapeutischen Praxen und einem Reha-Studio fordert die Entschlüsse jetzt und nicht erst dann, wenn die Kollegen und Kolleginnen auf der Straße sitzen. Er fügt hinzu, dass seiner Meinung nach Deutschland zu spät reagiert hätte und Gelder aufgrund eines fehlenden Notfallplans nicht fließen würden. Bis etwas konkretes getan wird, hat Thomas Heinz klare Worte:

"Ich sehe keine Übergangslösung [...]. Ich fordere die sofortige Schließung alle Physiotherapie-Praxen [...], zumindest meinen Betrieb." Er führt an, dass er nicht für alle Praxen sprechen könne, aber für seine wie auch die Praxen der Kollegen sei die Einhaltung der Zwei-Meter-Grenze nun mal nicht möglich, da man direkt am Patienten arbeite.

Laut dem Geschäftsführer hat Dresden über 300 betroffene Praxen mit einigen tausend Mitarbeitern, die nun alle auf weitere Entscheidungen warten.