In Sachsen arbeiten 26.500 Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen

Die Zahl der Erzieherinnen in sächsischen Kitas ist seit 2006 um fast 27 Prozent gestiegen. In keinem anderen ostdeutschen Bundesland war der Stellenzuwachs in diesem Zeitraum so hoch. Trotzdem bleibt Fachkräftebedarf. +++

In keinem anderen ostdeutschen Bundesland war der Stellenzuwachs in diesem Zeitraum so hoch. Inzwischen arbeiten in Sachsen 26.500 Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen (Stichtag 1. März 2011). Fünf Jahre zuvor waren es knapp 21.000 Fachkräfte. Dies geht aus dem diesjährigen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ hervor, den die Bertelsmann Stiftung heute veröf­fentlicht. Entgegen bisheriger Berechnungen geht die Bertelsmann Stiftung auch für die ostdeut­schen Bundesländer künftig von einem Fachkräftebedarf aus und empfiehlt mehr Anreize zur Voll­zeitbeschäftigung.  

Der Grund liegt in den derzeit noch ungünstigen Personalschlüsseln, die eine qualitativ hochwer­tige Kinderbetreuung erschweren. Der von der Bertelsmann Stiftung für Krippen empfohlene Per­sonalschlüssel von 1:3 ist in Sachsen bei weitem noch nicht realisiert. Er liegt mit 1:6 erheblich über dieser Empfehlung und zugleich deutlich über dem durchschnittlichen Personalschlüssel der westlichen Bundesländer, der bei 1:3,8 liegt. 

Während aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebens­jahr, der am 1. August kommenden Jahres in Kraft tritt, im Westen bis zu 15.000 Fachkräfte fehlen werden, gingen bisherige Berechnungen für die östlichen Bundesländer nicht von einem Fach­kräftebedarf aus. Der neue Ländermonitor zeigt jedoch, dass für einen nach wie vor erforderlichen Qualitätsausbau in Sachsen im U 3-Bereich ein Bedarf an zusätzlichen Erzieherinnen sehr wahr­scheinlich ist.  

Sehr hoch ist in Sachsen der Anteil an Teilzeit-Arbeitsplätzen im Kita-Bereich. Während über alle Branchen hinweg in Deutschland etwa jeder dritte Arbeitnehmer in Teilzeit arbeitet, sind es in den sächsischen Kitas 78 Prozent der pädagogischen Fachkräfte. Zwischen 2006 und 2011 hat sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigten zwar um 3,6 Prozentpunkte erhöht. Aber von den in diesem Zeitraum neu geschaffenen Arbeitsplätzen in Kitas sind immer noch 64 Prozent Teilzeitstellen. 

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bewertet den hohen Anteil von Teilzeit­beschäftigten in Kitas kritisch: „Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung.“ Weil in Sachsen bereits die meisten Kinder ganztags in die Kita gehen – 78 Prozent der Kita-Kinder unter drei Jahren und fast 80 Pro­zent der Kita-Kinder ab drei Jahren werden mehr als sieben Stunden täglich betreut – ist dieser Qualitätsanspruch nur einzulösen, wenn mehr pädagogische Fachkräfte in Vollzeit arbeiten. Der Qualitätsausbau könnte weiter vorangetrieben werden, wenn möglichst viele Teilzeitbeschäftigte ihre Stundenzahl erhöhen. „Politik und Träger sollten deshalb mehr Anreize für Vollzeitbeschäfti­gung schaffen“, empfiehlt Dräger.  

Dass gezielte Förderung von Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen wirksam sein kann, zeigt das Beispiel Thüringen. Dort hat sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigten innerhalb eines Jahres von 28 auf 39 Prozent erhöht. Die dortige Landesregierung verpflichtete die Träger von Kindertagesein­richtungen zu prüfen, ob und wie Erzieherinnen ihre Stundenzahl ausweiten können. Inzwischen liegt Thüringen mit seinem Anteil der Vollzeitkräfte zwar im Osten vorn, aber noch erheblich hinter dem bundesweiten Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen, wo 56 Prozent aller Beschäftigten in Kitas Vollzeit arbeiten.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

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