Industriedenkmäler in Chemnitz

„Ruß-Chams“, „Sächsisches Manchester“ – solche Beinamen für Chemnitz weisen auf die große industrielle Tradition unserer Stadt hin.

Zeugnisse dieser Ära sind immer noch in der ganzen Stadt zu sehen. Doch viele der alten Industriedenkmäler sind in einem desolaten Zustand. Wie können diese historischen Schätze erhalten und wieder nutzbar gemacht werden?

Dieser Frage sind Experten im Chemnitzer Industriemuseum nachgegangen.

Direkt am Chemnitzfluss zwischen Brücken- und Rochlitzer Straße steht in bester Lage die „Färberei Theodor Haase“. Lange Jahre stand das Industriedenkmal leer, doch jetzt soll es saniert werden. Ab 2013 sollen auf 7.000 m² Büro- und Produktionsflächen für ein mittelständiges Unternehmen entstehen – Ein Glücksfall für die Chemnitzer Denkmalpflege.

Insgesamt gibt es rund 400 Industriedenkmäler in Chemnitz. Viele davon stehen leer und verfallen, wie der Gebäudekomplex der Fahrzeugelektrik an der Fürstenstraße. Wie lassen sich alte Industriebauten retten und umnutzen? Darüber diskutierten gestern Abend Denkmalpfleger, Architekten und Projektentwickler im Chemnitzer Industriemuseum.

Dabei wurde schnell klar, für den Erhalt alter Fabriken braucht man viel Geduld – sei es auf der Suche nach dem passenden Nutzungskonzept oder finanzkräftigen Investoren. Doch wie viel Zeit bleibt, wenn Dächer drohen einzustürzen und kaum Mittel für die Sicherung der Gebäude bereitgestellt werden?

Interview: Thomas Morgenstern – Leiter der Unteren Denkmalbehörde Chemnitz

Die derzeitige Sonderausstellung des Industriemuseums „Industriearchitektur in Sachsen“ zeigt auf, welche Möglichkeiten in den alten Produktionsstätten schlummern. Für die neue Nutzung der alten Gebäude gibt es allerdings kein Patentrezept. Birgit Eckert, als Geschäftsführerin der Schönherrfabrik, setzt vor allem auf kleinteiliges Gewerbe – der Erfolg gibt ihr recht.

Das Integrieren von Wohnangeboten dagegen würde sich bei ihrem Modell nicht rechnen.
Zu hoch wären die Mietpreise, zu laut die Umgebung.

Interview: Birgit Eckert – Geschäftsführerin Schönherr WEBA GmbH

In Chemnitz wurden seit der Wende rund 70 Industriedenkmäler saniert und mit einer neuen Bestimmung versehen – ein Spitzenwert für ganz Deutschland. Die Experten sind sich sicher,
in diesen historischen Gebäuden steckt viel Potential. Umso wichtiger sei es, die leer stehenden Bauten zu sichern und für spätere Nutzungen zu bewahren.

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Die Sonderausstellung „Industriearchitektur in Sachsen – erhalten, erleben, erinnern“ ist noch bis zum 26. Februar im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz geöffnet.