Inklusion im sächsischen Schulsystem macht Fortschritte

Nahezu jeder vierte Schüler mit Förderbedarf besucht mittlerweile gemeinsamen Unterricht. Anteil der Sonderschüler an Gesamtschülerschaft sinkt. +++

 Die Inklusion im sächsischen Schulsystem kommt voran. Seit Deutsch­land sich vor vier Jahren verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unter­richten, ist der Anteil der Förderschüler, die eine reguläre Schule besuchen, von 16,4 auf 23,7 Pro­zent gestiegen. Damit liegt der Inklusionsanteil in Sachsen mittlerweile nur noch knapp unterhalb des Bundesdurchschnitts von 25 Prozent. Zugleich sank der Anteil der Sonderschüler an der ge­samten Schülerschaft. Das geht aus einer aktuellen Studie von Bildungsökonom Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. „Inklusion nimmt in Sachsen an Fahrt auf. Kinder mit Handicaps müssen nicht länger automatisch auf eine getrennte Förderschule gehen“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, mit Verweis auf den gestiegenen Inklusionsanteil. Zugleich verzeichnet Sachsen einen Rückgang des Schüleranteils an Sonderschulen. Im März 2009, als die UN-Konvention zur Abkehr vom der­zeitigen Sonderschulsystem in Kraft trat, besuchten 6,9 Prozent aller sächsischen Schüler eine separate Förderschule. Bis zum vergangenen Schuljahr hat sich dieser Anteil auf 6,4 Prozent ver­ringert. Im Ländervergleich steht Sachsen damit trotzdem noch nicht gut da: Die bundesweite Ex­klusionsquote ist mit 4,8 Prozent deutlich niedriger. Leicht gestiegen ist in Sachsen der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. 2009 hatte der Anteil der Schüler mit Förderbedarf an der gesamten Schülerschaft noch bei 8,3 Prozent gelegen. Im vergangenen Jahr betrug die Förderquote 8,4 Prozent und lag damit weiterhin deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (6,4 Prozent). Nur in zwei Bundesländern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, ist die Förderquote noch höher als in Sachsen. Ein Vergleich zwischen den Bildungsstufen zeigt: Je älter die Kinder, desto geringer die Chance auf gemeinsames Lernen. Vor der Einschulung gehen in Sachsen 81 Prozent der Kinder mit son­derpädagogischem Förderbedarf in eine inklusive Kindertageseinrichtung. Dies sind mehr Kinder als bundesweit (67 Prozent). In der Grundschule kehrt sich das Verhältnis um: Zwischen der ers­ten und vierten Klasse besuchen in Sachsen nur noch knapp 35 Prozent der Förderschüler einen gemeinsamen Unterricht, während es bundesweit knapp 40 Prozent sind. Auch in der Sekundar­stufe I liegt Sachsen mit 21 Prozent Inklusionsanteil geringfügig hinter dem Bundesdurchschnitt (22 Prozent).  Dräger wies darauf hin, dass erfolgreiche Inklusion zusätzlicher Investitionen bedarf. Im vergange­nen Jahr hatte Professor Klemm in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung berechnet, dass – selbst wenn die Mittel der Sonderschulen weitgehend zu den Regelschulen umgeschichtet würden – in Sachsen jährlich 114 Millionen Euro für 1.607 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht werden, um inklusiven Unterricht in angemessener Qualität anzubieten. Dräger: „Inklusion ist richtig und wich­tig, aber die Schulen brauchen Unterstützung und vor allem genügend gut ausgebildetes Perso­nal.“

Quelle: Bertelsmann Stiftung

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