Kamenz ist bereit für den Tag der Sachsen

Kamenz (dapd-lsc). Auf den Schreibtischen stapelt sich das Papier. Konzepte, Hinweiszettel, Karten.

An aufgestellten Tafeln hängen mannshohe Lagepläne. Im Festbüro für den 20. Tag der Sachsen im Dachgeschoss des Kamenzer Stadttheaters sieht es nach viel Arbeit aus. „Überstunden schreibt bei uns schon lange keiner mehr auf“, sagt Marcel Linack, der Chefplaner. „Alle sind mit viel Herzblut dabei.“ Auf seinem Rechner haben sich bereits zwei Gigabyte Planungsdaten in Hunderten Ordnern angesammelt.

Die Stadt Kamenz kommt in diesen Tagen aus dem Feiern gar nicht mehr heraus. Gerade erst ging das traditionelle Forstfest zu Ende. An diesem Wochenende nun will der 17.000-Einwohner-Ort im Landkreis Bautzen mit dem Tag der Sachsen das größte Volks- und Heimatfest im Freistaat auf die Beine stellen. Die Planungen für das Großereignis unter dem diesjährigen Motto „Lessing, Lausitz, Lebensfreude“ laufen seit über zwei Jahren. Bis zu 400.000 Besucher werden erwartet.

„Ein Fest dieser Größe ist eine einmalige Chance“, sagt Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). „Durch diese Stadt ist dadurch ein unheimlicher Ruck gegangen. Die Menschen sind durch den Tag der Sachsen noch näher zusammengerückt.“ Auch ganz praktisch ist der Ruck in Kamenz sichtbar. Zahlreiche Straßen und Plätze wurden instand gesetzt. Die Touristeninformation bekam neue Räume im Zentrum. Insgesamt rund drei Millionen Euro flossen in die Infrastruktur. Zudem haben viele Hausbesitzer selbst ihre Fassaden gestrichen oder zumindest die Fenster frisch geputzt. Den Tag der Sachsen selbst lässt sich die Stadt Kamenz mit Unterstützung von Sponsoren und des Freistaats nun noch einmal rund 1,5 Millionen Euro kosten.

Das Zentrum des insgesamt 150 Hektar großen Festgeländes soll die historische Altstadt mit ihren engen Gassen bilden. Das bringt auch Herausforderungen mit sich: Auf den zum Teil nur sieben Meter breiten Straßen müssen vier Meter für die Rettungsgasse der Feuerwehr frei bleiben. Dennoch verspricht Planer Linack ausreichend Platz für alle Attraktionen, etwa die sogenannte Genussmeile, auf der sich alle sächsischen Regionen mit ihren Spezialitäten vorstellen können – sorbische Hochzeitssuppe beispielsweise.

Auf der in diesem Jahr erstmalig aufgebauten Handwerkermeile soll unter anderem Sachsens größter Hobelspan zu bestaunen sein. Insgesamt haben sich 550 Vereine und Verbände für das Festwochenende angemeldet. Dazu kommen 380 Händler, Gastronomen und Schausteller. Auf 17 Bühnen gibt es ein Unterhaltungsprogramm fast rund um die Uhr.

Höhepunkt des 20. Tags der Sachsen soll am Sonntag ab 14.00 Uhr der große Festumzug mit rund 5.000 Teilnehmern werden. Zum Abschluss wird dann um 18.00 Uhr der Staffelstab an die Stadt Freiberg übergeben, die im kommenden Jahr als erster Ort zum zweiten Mal das Fest ausrichten wird.

Auch für die kommenden Jahre erhofft sich Oberbürgermeister Dantz durch die erhöhte Aufmerksamkeit einen touristischen Aufschwung. Der könnte zum Beispiel dem Lessingmuseum oder dem erst am vergangenen Freitag eröffneten Sakralmuseum in der Klosterkirche St. Annen zugutekommen. „Kamenz ist eine Marke“, sagt Dantz, „und die soll jetzt noch wertvoller werden.“

dapd