Karli: Diskussion um Fahrradstraße

Leipzig - Im Juni bekam die Messestadt fünf neue Fahrradstraßen. Wenn es nach dem Jugendparlament geht, sollte auch die Karl-Liebknecht-Straße im Süden in eine "fahrradfreundliche" Karli umgewandelt werden. Der Antrag wurde nun aber abgelehnt.

Was ist eine Fahrradstraße?

Das Besondere an Fahrradstraßen ist, dass auf diesen - sofern nicht anders ausgeschildert - ausschließlich Radfahrer fahren dürfen. Ob der Verkehr auch für andere Verkehrsteilnehmer freigegeben ist, hängt von der jeweiligen Straße ab und wird durch ein Zusatzschild gekennzeichnet. Teilweise ist der Verkehr nur für Anlieger und Radfahrer freigegeben. Radfahrer dürfen auf diesen Straßen auch nebeneinander fahren. Grundsätzlich gilt eine Maximalgeschwindigkeit von 30 km/h.

Antrag auf "Fahrradfreundliche Karli"

Während nachts die Kneipen auf der Karli gut gefüllt sind, sind es tagsüber die Straßen – und zwar meist mit Radfahrern. Dass es auf den Straßen schnell eng und unübersichtlich wird, ist bekannt. Das Jugendparlament machte nun erneut auf die Problematik aufmerksam und stellte den Antrag auf eine "fahrradfreundliche Karli". Der Sprecher des Jugendparlamentes Leipzig, Quentin Kügler, erklärt: 

„Wir möchten gerne, dass hier auf der Karl-Liebknecht-Straße zumindest ein Abschnitt zwischen der Dimitroff- und der Emilienstraße zur Fahrradstraße erklärt wird. Da gelten besondere Regeln: Fahrradfahrer haben Vorrang, eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km pro Stunde ist festgelegt, das heißt, Autos werden nicht verbannt, das ist ganz wichtig zu betonen.“

© Leipzig Fernsehen

Der Antrag wurde abgelehnt

In Leipzig gibt es bereits einige Fahrradstraßen. Erst im Juni diesen Jahres wurden fünf neue Fahrradstraßen im Musikviertel eingeführt. Die Stadt fördert Fahrradstraßen, hat den Antrag für die Karl-Liebknecht-Straße aber abgelehnt. Der Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Dr. Christoph Waack, erklärt die Beweggründe hierfür.

„Die Regel der Straßenverkehrsordnung besagt, dass der Radverkehr vorherrschende Verkehrsart sein muss oder zukünftig vorherrschende Verkehrsart. Es ist bei der Karli durch Zählungen, weil wir hier eine Dauerzählstelle haben, bisher nicht nachgewiesen worden, dass der Radverkehr die Mehrheit darstellt, sodass auch aufgrund anderer Faktoren, wie z.B. der Straßenbahnverkehr hier in der Straße, davon abgesehen wurde, das nochmal in der Tiefe zu prüfen. Es ist absehbar, dass die Karli nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden kann laut StVO - im Moment", erklärt Dr. Christoph Waack.

Was sagt der Fahrradclub?

Eine Veränderung der Radsituation auf der Karli hält auch Alexander John vom ADFC Leipzig für nötig. Der ADFC unterstützte den Vorschlag bereits 2009, als der Wunsch zum ersten Mal vom StudentInnenRadt der Universität Leipzig auftauchte. John sagt, dass etwa 11.000 - 12.000 Radfahrer täglich auf der Karl-Liebknecht-Straße unterwegs seien. Dieser Verkehr könne nicht mehr auf den Radfahrstreifen abgewickelt werden. Er fordert die Stadt auf, schnell zu handeln und sowohl Rad-, als auch Fußverkehr und ÖPNV zu verbessern - auch im Hinblick auf den Zuzug von Menschen nach Leipzig.

Laut Alexander John vom ADFC komme die Stadt allerdings auf andere Zahlen, nämlich 7.000 bis 9.000 Radfahrer pro Tag.

Grund für diese Differenz sei laut John die Art der Zählung. Der ADFC führe 24-Stunden-Zählungen durch, während die Stadt nur vormittags und nachmittags die Anzahl der Radfahrer misst und diese dann hochrechnet. Jedoch sei der Radverkehr auf der Karli auch in der Nacht sehr hoch, wie John betont.

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Trotz der hohen Zahlen gilt die Karli nicht als Unfallschwerpunkt, wie der Radverkehrsbeauftragte Dr. Christoph Waack erklärt. Durch den dichten Rad-, PKW- und Straßenbahnverkehr würden sich zwar viele Funktionen in diesem Straßenabschnitt bündeln. Allerdings werde die Karli noch nicht als Unfallhäufungsstelle eingeschätzt. Trotz der Absage der Stadt will das Jugendparlament nach der Sommerpause entscheiden, ob es weiter an seinen Plänen festhält oder seinen Antrag zurückzieht.