Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz wichtiger Ort des Erinnerns

Am Dienstagnachmittag ist in Chemnitz an der ehemaligen Justizvollzugsanstalt auf dem Kaßberg eine besondere Informationstafel enthüllt worden.

Das provisorische Schild weißt darauf hin, das an dem einstigen Gefängnis demnächst ein Gedenkort für die hier ehemals Inhaftierten entstehen wird.

Dabei erinnerten Vertreter der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten, der Kirche und der Sächsische Staatskanzleichef Johannes Beermann an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953,
der nach ihren Worten ein „Schlüsselerlebnis auf dem Weg zur friedlichen Revolution 1989“ markierte.

Zur heutigen Veranstaltung waren auch ehemalige Insassen des Kaßberg-Gefängnisses geladen, die aus politischen Gründen während der SED-Diktatur inhaftiert wurden.

Das Konzept für den Gedenkort wurde am Dienstag vorgestellt.

Interview: Siegfried Reiprich – Geschäftsführer der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten

Der Entwurf für den Gedenkort stammt von einem Architekturbüro aus Stuttgart und Berlin.

Ein erhaltener Wachturm und zwei Mauersegmente werden dabei durch fünf gleichgroße Glaselemente ergänzt.

Das Gefängnis an der Kaßbergstraße wurde bereits 1886 als Königlich-Sächsische Gefangenenanstalt errichtet.

Zur Zeit des Nationalsozialismus diente sie als Ort der Unterdrückung, auch dieser Aspekt soll beim Gedenkort Berücksichtigung finden. Während der SED-Diktatur waren zahlreiche politische Gefangene in den Zellen inhaftiert.

Das Gefängnis galt als größte Abschiebehaftanstalt der DDR. Rund 34.000 Insassen wurden vor 1989 von der BRD freigekauft. Die DDR-Führung beschaffte sich dadurch Devisen oder wichtige Rohstoffe.

Für den Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V.“ ist die Schaffung des Gedenkortes allerdings nur ein Zwischenschritt.

Sie will den mittlerweile maroden Gefängniskomplex als komplette Gedenkstätte erhalten.

Interview: Siegfried Reiprich – Geschäftsführer der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten

Die Arbeiten am Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz sollen noch in diesem Jahr beginnen.

Damit soll ein wichtiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit geraten.