Kein Denkmal für Heidi

Leipzig (dapd-lsc). Leipzigs Zoodirektor ließ keinen Zweifel: „Es ist nicht geplant, ihr ein Denkmal zu setzen.“

Mit „ihr“ meinte Jörg Junhold die wohl berühmteste Beutelratte Deutschlands, das schielende Opossum Heidi. Das Tier war in den vergangenen Monaten zu einem weltweit beachteten Medienstar aufgestiegen, am Mittwoch musste es wegen Altersschwäche eingeschläfert werden.

Heidi litt zum Schluss an Bewegungsstörungen, hatte sich immer weiter zurückgezogen und war von ihren Opossum-Mitbewohnern Naira und Teddy vom Futternapf verdrängt worden. „Erste Anzeichen hat Heidi schon vor vier Wochen gezeigt, aber am Mittwoch vergangener Woche ist es zu einer Krise gekommen“, schilderte Junhold den Verfall des Tieres. Trotz Vitamingaben und anderer unterstützender Behandlungen sei es aber nicht gelungen, Heidi zu stabilisieren. „Deshalb haben wir uns entschlossen, ihr Schmerz und Leiden zu ersparen.“

Leicht gefallen dürfte es den Tierärzten und Pflegern nicht sein, sich von Heidi zu verabschieden. Schließlich war es das schielende Opossum, das das weltweite Interesse auf den Zoo der Sachsenmetropole lenkte. Und das war auch so gewollt: „Heidi hat für uns eine hervorragende Botschafterrolle eingenommen und für unsere neue Tropenhalle ‚Gondwanaland‘ geworben“, sagte Junhold. Seit Eröffnung der Halle habe Heidi rund 700.000 Gäste gehabt. „Trotz Heidis Tod erwarte ich jetzt aber nicht einen großen Einbruch bei den Gästezahlen.“

Durch ihren Tod hat Heidi nun aber noch einmal die Aufmerksamkeit ihrer weltweiten Fangemeinde. Mehr als 333.000 Freunde hatte sie auf „Facebook“, es gibt einen Heidi-Song, eine Heidi-App fürs Handy, Heidi in Plüsch. Und auch das US-amerikanische Fernsehen interessierte sich für den schielenden Star, ließ ihn – sogar recht erfolgreich – die Sieger der diesjährigen Oscar-Verleihungen tippen. Im Zoo selbst wird nun ein Kondolenzbuch ausgelegt, weil die Zooleitung nicht abschätzen kann, ob die Besucher ihre Anteilnahme ausdrücken wollen. Darauf, dass der schielende Superstar nicht mehr lebt, werden Besucher schon hingewiesen.

So auch Lutz Müller, der aus Dessau angereist war. „Irgendwie hat man sich von dem Medienrummel schon anstecken lassen“, räumte er ein. Dass er Heidi nun nicht mehr sehen konnte, nahm er dennoch gelassen hin. Seine Frau Mandy stimmte ihm zu, meinte jedoch: „Ein bisschen schade ist es aber schon.“ Dennoch war sich das Ehepaar einig, dass der Zoo vermutlich das Richtige getan hat, als Heidi zu schwach wurde.

Noch liegt Heidi in der Pathologie und wartet auf eine abschließende tierärztliche Untersuchung. Der Körper der berühmten Beutelratte wird nach Junholds Angaben aber auf jeden Fall präpariert werden. Ob die ausgestopfte Heidi dann auch den Besuchern des Zoos gezeigt wird, ist noch offen.

dapd

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