Keine Chance für Hochwasserrückhaltebecken in Jahnsdorf

Chemnitz – Die Gefahr durch Hochwasser ist für Chemnitz gestiegen – und das nicht nur für Anwohner an Würschnitz und Zwönitz, sondern für das ganze Stadtgebiet inklusive Innenstadt.

Dies zeigt ein neues hydrologisches Gutachten der Landestalsperrenverwaltung (LTV), das am Donnerstagabend im Chemnitzer Rathaus vorgestellt wurde. Demnach bewege sich das Wasser der untersuchten Fließgewässer mit höherer Geschwindigkeit als früher, die Leistungsfähigkeit der Brücken sei erschöpft.

Vor zahlreichen betroffenen Bürgern, Stadträten und Landtagsabgeordneten mahnte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig deshalb weitere Schutzmaßnahmen für Chemnitz an. Mit Unverständnis habe man bei der Stadt reagiert, als der Freistaat sich im April 2016 gegen das ursprünglich geplante unterirdische Hochwasserrückhaltebecken in Jahnsdorf ausgesprochen hatte.

Dies hätte die Bewohner am Unterlauf der Würschnitz vor einem sogenannten Jahrhunderthochwasser HQ100 schützen sollen. Nach Jahren der Planung hätte sich das Bauwerk plötzlich als zu teuer und nicht effizient genug herausgestellt.

Diese Entscheidung wurde am Donnerstag von der Landestalsperrenverwaltung nochmals verteidigt. Mehr noch – ein Rückhaltebecken berge sogar große Risiken. So sei der technisch machbare Stauraum viel zu klein für ein HQ100-Ereignis. Das Becken würde zu schnell volllaufen und aufgrund der Steuerung drohe eine Flutwelle, die Gefahr für Leib und Leben bedeute. Deshalb könne der Bau eines solchen Rückhaltebeckens nicht mehr in Betracht gezogen werden.

Einwände von Betroffenen, dass man mit einem solchen Bauwerk dennoch Zeit gewinnen könnte, z.B. um Menschen zu evakuieren, wurden von der Landestalsperrenverwaltung mit Verweis auf die Risiken zurückgewiesen.

Stattdessen würden nun in den Ortsteilen Klaffenbach und Harthau mehrere kleinere Maßnahmen an der Würschnitz umgesetzt, die vor einem HQ25-Ereignis schützen sollen. Diese sollen bis 2021 abgeschlossen sein.

Zudem hat die LTV ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass Alternativen für einen Schutz vor einem Jahrhunderthochwasser aufzeigen soll. Gleichzeitig sei das Hochwasserrückhaltebecken Neuwürschnitz nach drei Jahren Bauzeit einstaubereit und würde ebenfalls die Sicherheit für die Anlieger an der Würschnitz erhöhen.

Wirklich zufrieden zeigten sich die Besucher der Informationsveranstaltung mit diesen Aussagen nicht. Viel Zeit sei vergeudet worden – ob die jetzt geplanten Maßnahmen wirklich ausreichen sei mehr als fraglich.

In einem waren sich alle Anwesenden jedoch einig – das nächste schwere Hochwasser ist nur eine Frage der Zeit.