Keine Kehrtwende: HC Elbflorenz unterliegt dem Dessau Rosslauer 06

Dresden - Trotz einiger Lichtblicke das Ruder rumzureißen unterliegt am Ende der HC Elbflorenz gegen den Dessau-Roßlauer HV 06 mit 22:24 und konnte damit auch diesmal keinen eindeutigen Sieg einfahren. Was Julius Dierberg, Spieler Linksaußen, und Cheftrainer Christian Pöhler dazu sagen, zeigt DRESDEN FERNSEHEN im nachfolgenden Videobericht.

Die ersten 30 Minuten des Spieles waren alles andere als ein Handballleckerbissen. Viel Krampf mussten die fast 1800 Zuschauer erleben. Was durchaus zu erwarten war, wenn man die Entwicklung beider Mannschaften zuletzt einrechnet sowie die Tatsache, dass es um viel ging. DRHV-Kapitän Florian Pfeiffer fasste es nach  dem Spiel passend zusammen: „Schön war das Spiel auf jeden Fall nicht.“  DRHV-Coach Uwe Jungandreas sagte nach der Partie: „Man hat auch gesehen, dass beide Mannschaften unter einem extremen Druck standen. Das war auch an der fehlenden Qualität zu merken.“ Zumindest der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Beide Teams wurden von ihren Fanlagern bravourös unterstützt. 

Die Anfangsphase gehörte etwas mehr den Gästen aus Sachsen-Anhalt. So führte der DRHV nach 10 Minuten mit 2:4. Das lag vor allem an Keeper Philip Ambrosius, der vor allem in der 1. Halbzeit ein starker Rückhalt seines Teams war. Die Dresdner leisteten sich zu Beginn viele Fehlwürfe, konnten dann aber, aufbauend auf einem immer besser werdenden Mario Huhnstock im HC-Tor, durch einen Dierberg-Konter in der 18. Minute 6:5 in Führung gehen. Der Dresdner Keeper vereitelte allein in der 1. Halbzeit drei Strafwürfe der Gäste. Zunehmend kamen die Hausherren etwas besser in die Partie. Vorher hatte der HC schon drei Unterzahlsituationen fast unbeschadet überstanden. In der gesamten Partie zeigten beide Teams im Überzahlspiel viele Unsicherheiten. Als Mario Huhnstock nach einer Parade in der 23. Minute gefühlvoll in das leere Gästetor traf und einen Angriff später den dritten Siebenmeter entschärfte, bot sich den Gastgebern mehrfach die Möglichkeit mit 9:7 in Führung zu gehen. Allerdings zeigte sich der HC nun trotz des besseren Momentums total von der Rolle und reihte Fehler an Fehler. Das nutzten die Gäste, um wieder ins Spiel zu kommen und bis zur Halbzeit mit 8:10 in Führung zu gehen. Getroffen hatten dabei der Ex-Dresdner Daniel Zele, Halbrechts Tom Hanner und Linksaußen Marek Vanco. Letzterer war wohl der beste Dessauer an diesem Tag. Christian Pöhler sprach nach dem Spiel ein Problem an, welches der HC zuletzt häufiger hatte: „Wir können mit der 1. Halbzeit unter den gegebenen Umständen nicht zufrieden sein. Uns fehlte aus dem Rückraum die Wurfqualität gegen eine sehr sehr defensive Dessauer Deckung. Die zwei Tore Rückstand zur Halbzeit waren für uns natürlich eine Hypothek. Wir hätten gern zur Halbzeit geführt und so war eigentlich auch der Plan.

Die 2. Halbzeit bot zunächst das gleiche Bild wie die 1., nämlich viel Kampf und Krampf in allen handballerischen Lebenslagen. Jedoch gelang es den Gästen aus Dessau zuerst das Niveau anzuheben. In der 39. Minute führte der DRHV durch einen Treffer von Kreisspieler Libor Hanisch erstmals mit 3 Toren (9:12). Danach kamen auch die Dresdner kurzeitig etwas besser ins Spiel und konnten nach dem 10:13 Rückstand, durch Treffer von Adrian Kammlodt und Gabriel De Santis, auf 12:13 verkürzen. Beide Mannschaften praktizierten nun das taktische Mittel des 7. Feldspielers. Während den Gästen dies sehr gut gelang, konnten die Hausherren dadurch keine wirklichen Vorteile erzielen. Das war dann auch rückblickend entscheidend. Die Dessauer zogen jetzt bis zur 46. Minute auf 12:16 davon. Während der HC fehlerhaft agierte, konnten die Bauhausstädter die numerische Überzahl im Angriff gut nutzen. Vor allem der Dessauer Spielmacher Slavomir Mlotek war jetzt der Mann mit den entscheidenden Pässen. Eine Dresdner Auszeit konnte den Lauf der Gäste zunächst nicht stoppen, denn in der 49. Minute führten die Mannen um DRHV-Kapitän Florian Pfeiffer erstmals mit 5 Toren (14:19). Den Dessauern gelang nun nahezu alles. Allerdings war das Spiel noch nicht entschieden. Ein in dieser Phase starker Gabor Pulay sowie eine doppelte Überzahl brachten die Dresdner wieder zurück in die Partie. So hatte sich der HC in der 53. Minute durch einen Pulay-Treffer vom Strafwurfpunkt wieder auf 19:20 herangekämpft. Anschließend  gab es sogar die Chance zum psychologisch wichtigen Ausgleich. Der HC fabrizierte allerdings einen Fehlpass und bekam prompt per Konter das 19:21. HC-Trainer Christian Pöhler sagte zu dieser Phase: „Nach dem klaren Rückstand in der 2. Halbzeit auch ein riesen Kompliment an die Mannschaft. Es ist uns gelungen mit ein, zwei Umstellungen in eine Aufholjagd zu kommen. Und dann passiert uns das, was uns zuletzt zu oft passiert ist. Wir erarbeiten uns in Überzahl die Chance zum Ausgleich, um das Spiel von 19:20 auf Ausgleich zu stellen, machen aber dann einen Fehlpass und der Gegner nutzt das für ein einfaches Gegenstoßtor. Der Zweitorerückstand beschert uns dann einfach noch mehr Druck für die letzten 5, 6 Minuten.“ Genauso war es auch, denn von diesem Zweitorerückstand erholten sich die Dresdner nicht mehr wirklich. Zwar gab es noch einmal einen kleinen Hoffnungsschimmer, als die Dessauer bei knapp 1:15 zu spielen und angezeigtem Zeitspiel 21:23 führten, aber Daniel Zele stieg nach dem letzten erlaubten Zuspiel hoch und traf abgefälscht vom Dresdner Block ins HC-Tor zum 21:24. Damit war das Spiel endgültig durch. Am Ende verlor der HC 22:24, weil Gabor Pulay noch einmal traf.

Fazit: Dessau gewann am Ende verdient, weil sie es im Gegensatz zu den Sachsen eher schaffte, das Handballspielen in den Vordergrund zu stellen und in der 2. Halbzeit besser mit dem Druck umzugehen wussten. Die Hausherren endeckten bspw. zu spät ihre Qualitäten aus dem Rückraum. In vielen Situationen merkte man beiden Teams ihre Verunsicherung an. Beiden Mannschaften kann man aber auf der Ebene des Einsatzes nichts absprechen. Zudem stellte der HC wie der DHRV eine ordentliche Abwehr. Die genannten positiven Aspekte können insgesamt nicht über ein Spiel hinwegtäuschen, welches vor allem aus Handball arbeiten, Krampf und Kampf bestand. Vor allem das Dresdner Angriffsspiel bleibt die Achillesferse und das in zu vielen Bereichen. So stehen die Dresdnern weiterhin ohne Sieg am Tabellenende. Atmosphärisch war es wie schon in der letzten Saison ein tolles Derby. Da geht an beide Fanlager ein Kompliment!

Tore: Halfmann/Huhnstock (beide Tor), Pulay 4, Jurgeleit, Dierberg 2, Gugisch, Buschmann 1, De Santis 4, Flödl, Kretschmer 4/2, Greß 2, Hoffmann, Kammlodt 1, Becvar 1, Quade, Pechstein

DRHV-Kapitän Florian Pfeiffer sagte nach der Partie: „Wir haben die letzten Spiele eigentlich nicht wirklich schlecht gespielt und sind dann aber irgendwann Mitte der 2. Halbzeit eingebrochen. Das haben wir heute verhindern können. Vielleicht auch weil es ein Derby war und wir dann einfach noch die 5 oder 6 Prozent draufgelegt haben. Am Ende war es nur noch Kampf. Schön war das Spiel auf jeden Fall nicht. Nach dem Auf und Ab in der 2. Halbzeit, waren es am Ende vielleicht nur noch Emotionen und eventuell auch das Quäntchen Glück. Schlussendlich ging es heute nur darum, wer ein Tor mehr schießt.“ 

Der Dessauer Trainer Uwe Jungandreas sagte nach dem Spiel: „Ich bin natürlich froh, dass wir hier heute gewinnen konnten. Es war vom kämpferischen her das erwartete Derby. Keiner hat einen Zentimeter Boden preisgegeben. Wir konnten seit langem einmal wieder eine ordentliche Abwehr stellen. Man hat auch gesehen, dass beide Mannschaften unter einem extremen Druck standen. Das war auch an der fehlenden Qualität zu merken. Vielleicht das Quäntchen mehr Druck für Dresden, waren die zwei Tore die uns am Ende zum Sieg gereicht haben.“

Text: Wolfram Wegehaupt
Artikel erstellt von: Henry Nielacny