Kindesmissbrauch: Zwei Jahre, neun Monate Haft

Chemnitz (dapd-lsc). Wegen sexuellen Missbrauchs eines acht Jahre alten Jungen muss ein HIV-infizierter Mann aus Berlin für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter.

Die vergleichsweise milde Strafe erhielt der Mann am Montag am Landgericht Chemnitz aufgrund seines Geständnisses. Der 33-Jährige hat zugegeben, im November 2011 das Kind in einem Hallenbad in Annaberg-Buchholz zum Oralsex gezwungen zu haben. Das Strafmaß in solchen Fällen reicht von 2 bis 15 Jahren.

Das Gericht sah nach den Schilderungen des Angeklagten den sexuellen Missbrauch eines Kindes und die versuchte gefährliche Körperverletzung als erwiesen an. Der Angeklagte habe gewusst, dass er HIV-positiv ist und das Kind anstecken konnte. „Trotzdem hat er es getan“, sagte Richter Josef Bauer zur Urteilsbegründung.

Das freiwillige und zusammenhängende Geständnis spreche für den Angeklagten. Auch sei die gezeigte Reue positiv zu berücksichtigen. Der Mann hatte vor Gericht gesagt, dass ihm das Geschehene „unendlich leid“ tue und er sich bei den Angehörigen entschuldige. Er habe sich spontan entschlossen, das Kind in eine Toilette zu locken, nachdem er mit ihm auf der Wasserrutsche herumgetobt habe. Zum Samenerguss sei es nicht gekommen.

Verteidiger und Gericht hatten zuvor ausgehandelt, dass die Strafe im Falle eines Geständnisses nicht höher ausfallen sollte. Staatsanwalt Thomas Müller-Gründel hatte drei Jahre Freiheitsentzug gefordert. „Der Angeklagte hat im rücksichtslosen Streben nach sexuellem Lustgewinn gehandelt. Er nahm billigend in Kauf, dass eine Virusübertragung möglich war“, sagte er. Glücklicherweise hätten Untersuchungen ergeben, dass der Junge keine körperlichen Folgen davongetragen habe.

Der Richter verwies zudem auf die positiven Folgen des kurzen Prozesses für die Seele des Jungen. Aufgrund des Geständnisses seien dem Kind die Anhörung und ein Glaubwürdigkeitsgutachten erspart geblieben. „Dass der Angeklagte die Tat wirklich bereut hat, lässt hoffen, dass er sich in Zukunft beherrschen wird“, sagte Bauer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dapd