Kinotipp: Das Blaue vom Himmel

„Nichts ist dort, wo es sein soll„ auch Marga Baumanis (Hannelore Elsner) nicht.

Und so wird ihre Tochter Sofia (Juliane Köhler) während einer Besprechung ans Telefon gerufen. Ihre Mutter hat unerlaubterweise ihr Heim verlassen und befindet sich jetzt in einer psychiatrischen Tagesklinik in Wuppertal, wo sie abgeholt werden muss. Sofias Verhältnis zu ihrer Mutter ist kein einfaches, und ihre erste Reaktion ist Verdrängung. Aber es hilft nichts, Sofia muss handeln, das macht ihr auch ihr Mann Lorenz(Matthias Brandt) klar. Und so begibt sie sich auf den Weg von Berlin nach Wuppertal.

Sie ist entsetzt, als sie ihre Mutter sieht: wie sie dort liegt, wie Marga sie ansieht. In ihrem verwirrten Zustand offenbart Marga ein Bedürfnis nach Liebe und Nähe, das Sofia an ihrer Mutter fremd ist. Und während Marga von Dingen spricht, die Sofia nicht versteht, ahnt die Tochter doch, dass es etwas im Leben ihrer Mutter gibt, das sie so bedrückt, dass sie sich davon befreien möchte.
Doch welches Geheimnis hat Marga all die Jahre verborgen ? Auf ihrer gemeinsamen Rückfahrt aus dem Krankenhaus verliert sich Marga immer wieder in ihren Erinnerungen, reagiert unberechenbar, aggressiv oder wie ein kleines Kind. Immer wieder tauchen vor ihrem inneren Auge Erlebnisse aus den früheren Jahren auf die Hochzeit mit ihrem Mann (Niklas Kohrt), den sie überalles geliebt und gegen den Willen des eigenen Vaters geheiratet hat; wie glücklich sie war, wie sorgenfrei ihr Leben.

Doch auf die schönen Erinnerungen folgen düstere, Angst einflößende, gegen die sich Marga vehement wehrt. Vergebens. Sofia, die immer unter der fehlenden Wärmer und Zuwendung ihrer Mutter gelitten hat, hat keine Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Aber sie möchte verstehen, und so versucht sie alles, um Marga zu helfen.In Berlin entdeckt Sofia in Margas Gepäck alte Fotos, die sie noch nie gesehen hat. Es sind Bilder ihrer Eltern in jungen Jahren, Bilder aus der alten Heimat Lettland, Bilder aus glücklichen Zeiten. Ebenfalls ist dabei ein Foto, das ihren Vater Juris neben einem ihr unbekannten Mann zeigt.Darauf angesprochen reagiert Marga ungehalten, aber Sofia erfährt zumindest, dass dieser Mann ein Freund der Familie war und Osvalds Kalnins(David Kross / Rüdiger Vogler) heißt. Als hätte sie eine Vorahnung, beschließt Sofia, mit ihrer Mutter nach Lettland zu fahren.
 
Vielleicht kann sie so Marga helfen, ihrer Erinnerung wieder Herr zu werden. Und vielleicht, so hofft sie insgeheim , wird auch ihr die Reise Helfen, die Mutter besser zu verstehen und mehr über die eigene Familie zu erfahren. Als sie in Riga ankommen, geraten sie mitten in die Unruhen der „Singenden Revolution“. Doch während sie die Straßenblockaden Rigas passieren, tauchen vor Margas Augen andere Bilder auf, die der Zeit der russischen Besetzung Lettlands in den Vierziger Jahren. Sie ist außer sich, möchte fliehen. Sofias einziger Anhaltspunkt ist Osvalds Kalnins der Freund ihrer Vaters, der in Jürmala, einem idyllischen Ort direkt an der Ostsee, lebt.

Hier ist Marga groß geworden, hier hat sie ihren Mann Juris kennen gelernt, die ersten Ehejahre verbracht. Alles was Sofia von dieser Zeit weiß, ist, das ihre Eltern während des Krieges aus Jürmala nach Deutschland geflohen sind. Als sie die Villa betreten, in der Marga ihre Kindheit verbracht hat, treffen sie auf Osvalds. Der mehr als erstaunt ist, als er erfährt, wer Sofia ist hatte ihn Marga doch nach dem Krieg in einem Brief wissen lassen, dass Juris und Sofia bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen seien, Sofia ist wegen dieser Verleugnung ihrer Existenz außer sich, ahnt aber, das dahinter Gründe stecken, die Marga ihr bisher verschwiegen hat. Und ihr ist klar, das Jürmala der Schlüssel zur Margas Vergangenheit und Osvalds Teil der geheimnisvollen Geschichte um Marga ist. Immer tiefer taucht Sofia in Margas Vergangenheit ein, um hinter dieses Geheimnis zu kommen – ein Geheimnis, das sie weit zurückführt in die Zeit der Dreißiger Jahre, zu einer jungen und lebenslustigen Marga, ihrem Mann Juris, dessen Freund Osvalds und zu einer Sofia bisher unbekannten Frau namens Iewa (Juta Vanaga / Dace Eversa).
 
Zu schönen Zeiten, dramatischen Begebenheiten, großer Liebe und noch größerem Schmerz. Je mehr Sofia über ihre Mutter erfährt, desto deutlicher wird auch, wer sie selbst ist. Und desto mehr offenbart sich, dass es das Blaue vom Himmel war, was Marga ihr ein Leben lang über ihre gemeinsame Vergangenheit erzählt hat.

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