Kinotipp: Die Aufschneider

Eigentlich wollten Dr. Steffen Wesemann (Carsten Strauch) und Dr. Klaus Kunze (Rainer Ewerrien) ja Urlaub machen.

Die beiden Ärzte arbeiten in der abgehalfterten Eichwald-Klinik, bewohnen nebeneinander je eine Doppelhaushälfte und sind dickste Freunde. Doch dann macht ihnen die Gesundheitsreform einen Strich durch die Ferien-Rechnung: Aus Kostengründen soll entweder die Eichwald-Klinik oder aber das direkt daneben gelegene St. Georg-Hospital geschlossen werden.

TECHNISCHE DATEN
Ca. 90 Minuten
1:1.85, Farbe
Dolby Digital 

Ein öffentliches Gremium gibt beiden Häusern gerade mal zehn Tage Zeit, um schlüssige Konzepte vorzulegen und so das eigene Überleben zu sichern. Der schüchterne Wesemann, der nassforsche Kunze, die naiv-liebenswerte Krankenschwester Sylvia Göbel (Cosma Shiva Hagen) sowie die ganze Belegschaft werden vom Eichwald-Chef Professor Keller (Burghart Klaußner) dazu verdonnert, gemeinsam mit dem eiligst engagierten Ex-Animateur und Wellness-Experten Werner Vierkötter (Josef Ostendorf) Wunder zu wirken: Binnen kürzester Zeit soll sich das handelsübliche Krankenhaus in eine Oase aus Fun und Relaxation verwandeln.

Die Ärzte üben Nonstop-Lächeln und südamerikanische Musikeinlagen, die Krankenschwestern das Bauchtanzen. Vierkötter versteht zwar wenig vom Gesundheitswesen, hat aber einst mit großem Erfolg Kinder-Discos, Stepptanz-Kurse und Single-Partys auf Mallorca organisiert. Nicht nur „in house“ hegt man Zweifel am Erfolg des Konzepts. 5 Doch der Ex-Animateur kennt keinen Spaß beim Spaß: „Nothing’s gonna stop us now“ trichtert er dem Personal ein und gestaltet die ganze Klinik rigoros zur Ferienanlage um. Professor Radwanski (Christoph Maria Herbst), Leiter des St. Georg-Hospitals, hat da schon eher die Finger am Puls der Zeit: In St. Georg regiert High Tech.

Die Hälfte der Operationen sind bereits voll-automatisiert, Kassen-Patienten sind für den Chef ärgerliche Bilanz-Faktoren. Er hat also eindeutig die Nase vorn und baut seinen Vorsprung mit unlauteren Mitteln weiter aus. Da tritt Gremiums-Vorsitzender Hartmuth Probst (Bernd Stegemann) an Radwanski heran: er habe etwas läuten hören von korrupten Machenschaften bei St. Georg und wolle nun seine eigene Leber austauschen lassen. Die liefert aufgrund exzessiven Alkoholkonsums zunehmend miese Werte. Das Bierchen soll auch künftig schmecken – die Leber eines 18jährigen Motorradunfallopfers, das wäre sein Traum. Da könne es der Beamte noch mal richtig krachen lassen. Doch Probst hat die Blutgruppe AB negativ, die äußerst selten ist. Radwanski hat den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und versucht schnell, bei seinen „Freunden“ der Firma Transorgan eine Leber zu ergattern.

Als er vernehmen muss, dass ausgerechnet die verhassten Eichwäldler gerade solch ein Organ geliefert bekommen haben, wird er fuchsteufelswild – doch reagiert prompt: Er setzt seine neue Geliebte, die Ärztin Dr. Tietz (Nina Kronjäger), auf den als Schwerenöter bekannten Kunze von gegenüber an – sie soll herausfinden, in welchem Körper die Leber nun abgeblieben ist. Was keiner weiß: Aufgrund einer Unachtsamkeit befindet sie sich nicht im dafür vorgesehen Patienten, sondern im Verdauungstrakt von Dr. Wesemann, Der hält das begehrte Organ nämlich irrtümlich für einen Fleischerei-Einkauf und serviert es abends daheim als kurz gebratene Delikatesse. Als Kunze seinen Freund auf den Kunstfehler aufmerksam macht, bricht für den sonst überkorrekten Wesemann eine Welt zusammen.

Und die Schlinge zieht sich weiter zu für unsere Helden: Frau Dr. Tietz meint herausgefunden zu haben, in welchen Patienten die Leber ordnungsgemäß transplantiert wurde und kidnappt diesen kurzerhand nachts aus der Eichwaldklinik. In der fälschlichen Annahme, dass dieser Mann gerade mit einer tip top Leber runderneuert wurde, transplantiert man in St. Georg nun eben dieses Organ in Kommissions-Chef Probst, während Probsts vergleichsweise besser erhaltene Leber in den Eichwald-Patienten eingebaut wird. Als Kunze bei Frau Dr. Tietz‘ Machenschaften Lunte riecht, entführt sie ihn kurzerhand ebenfalls, setzt ihn unter Drogen und sperrt ihn in einem St-Georg-Einzelzimmer ein. Wesemann verliert nun die Nerven: Er glaubt, sein bester Freund habe sich aus dem Staub gemacht. Und wenn herauskommt, dass er Kannibalismus betrieben hat, kann man die Eichwald-Klinik gleich dicht machen.

Was tun? In seiner Not vertraut er sich seiner heimlichen Flamme Schwester Sylvia an, doch aufgrund eines Missverständnisses meint diese, dass Wesemann und Kunze ein schwules Liebespaar sind. Betreten gehen beide auseinander. Doch Kunze taucht nicht mal am Tag der Betriebsbegehung auf und so tun sich Sylvia und Wesemann zusammen und suchen die gesamte Eichwald-Klinik ab, die inzwischen aussieht wie ein Freizeitpark für Pauschaltouristen. Kunze ist allerdings nirgendwo in Sicht.

Während das strenge Gremium der Krankenhaus- Prüfer zur offiziellen Inspektion schreitet mit einem seltsam angeschlagenen Probst an der Spitze gibt St.Georg-Chef Radwanski seiner Gespielin Dr. Tietz den Befehl, den zuviel wissenden Kunze zu eliminieren. Können Wesemann und Sylvie ihren gemeinsamen Freund retten? Wird der wandelnde Leberschaden Probst noch lange Prost sagen können? Wird je herauskommen, warum es in der Eichwaldklinik über Nacht zur Spontanheilung kam? Werden Wesemann und Sylvie zusammenfinden? Und was ist eigentlich ein rosa Wochenende ?