Klage der Universität Leipzig in Verfahren um Steindorff-Sammlung abgewiesen

Im Verfahren um die Rückgabe der Steindorff-Sammlung des Ägyptischen Museums hat das Verwaltungsgericht Berlin am Donnerstag eine Klage der Universität Leipzigabgewiesen. +++

Die Alma mater müsste nach diesem Urteil nun die etwa 150 Objekte aus der einstigen Privatsammlung des Ägyptologen Georg Steindorff (1861-1951) an die Jewish Claim Conference (JCC) übergeben, deren Restitutionsantrag 2009 vom Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen positiv beschieden wurde. Dagegen hatte die Universität Leipzig geklagt.

Trotz dieses Urteils ist über die Zukunft der Steindorff-Sammlung noch nicht endgültig entschieden. Die Universität Leipzig behält sich weitere Schritte gegen diese Entscheidung vor, da die Gefahr besteht, dass diese für die Studierenden so wichtige Lehrsammlung zerschlagen wird. Zuvor hatte der aus den USA angereiste Enkel Steindorffs, Thomas Hemer, als Zeuge vor Gericht ausgesagt, dass sein Großvater die Sammlung 1936 der Universität Leipzig zum Verkauf angeboten hatte, weil er Geld für den Kauf einer Firma für seinen Schwiegersohn brauchte. „In seiner Anschauung hat er die Sammlung an die Universität verschenkt“, sagte der 88-jährige Hemer.

Prof. Dr. Georg Steindorff war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Universität Leipzig. Zwischen 1903 und 1931 unternahm er eigenverantwortlich und
im Auftrag der Universität Leipzig Grabungen in Ägypten. Dabei erwarb er darüber hinaus aus privaten Mitteln antike Objekte, um damit die Sammlung der Leipziger Universität
für seine Lehrtätigkeit zu ergänzen. Die meisten seiner Objekte wurden von Anfang an in die öffentliche Sammlung integriert.

Die Vertreter der Universität Leipzig hatten vor Gericht argumentiert, dass es das Geschäft auch ohne den Nationalsozialismus gegeben hätte und Steindorff seine Sammlung nicht unter Zwang verkauft habe, wie dies von der JCC eingeschätzt wird. Der Vorsitzende Richter am Berliner Verwaltungsgerichts, Matthias Schubert, sagte dagegen in der Urteilsbegründung , dass es keinen Beleg für die Zahlung eines angemessenen Kaufpreises gebe und die Vermutung einer verfolgungsbedingten Übereignung der Sammlung von der Universität nicht widerlegt worden sei. Der Kustos des Ägyptischen Museums, Dr. Dietrich Raue, sagte nach der Urteilsverkündung: „Ich bin sehr enttäuscht.
Das Gericht hat nicht anerkannt, dass wir ein Szenario rekonstruiert haben, bei dem verfolgungsbedingter Zwang keine Rolle spielte.“