Klimawandel bedroht auch historische Parks

Dresden - Der Klimawandel bringt dramatische Folgen für historische Park- und Gartenanlagen mit sich. Darauf weist der Verein Schlösser und Gärten in Deutschland hin. Die Herausforderungen seien kein regionales Phänomen, sondern in allen Schlösserverwaltungen Deutschlands bereits Realität. „Es sind vor allem die großen historischen Landschaftsgärten, die schon jetzt sehr deutlich die Schädigungen zeigen“, erklärt der Vorsitzende Michael Hörrmann.

Für die Parks und Gärten bei der Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH illustrierte der Leiter des Bereiches Gärten, Frithjof Pitzschel, diese Feststellung mit konkreten Beobachtungen. Generell sei festzustellen, dass die beiden trockenen Sommer 2018 und 2019 gravierende Auswirkungen auf den Gehölzbestand in den Anlagen haben. Bereits 2018 stellten Mitarbeiter des Gartenbereiches in den Parks und Gärten vermehrt erste Schadsymptome an Bäumen fest, etwa vorzeitigen Laubfall, Wipfeldürre und Totholzäste.

Im Sommer 2019, nach einem trockenen Frühjahr und einem nicht ausgeglichenen Grundwasserspiegel, setzte sich dieser Trend fort. Totholzanteil und komplett abgestorbene Bäume häuften sich. Ablesbar ist dies inzwischen auch in konkreten Statistiken: Während die Baumpfleger im Großen Garten Dresden mit seinen insgesamt fast 20.000 Bäumen im Jahr 2017 nur 36 Baumfällungen vornehmen mussten, stieg diese Zahl für das Jahr 2019 bis August bereits auf 100 Fällungen. Bei den durch Trockenstress geschwächten und geschädigten Bäumen treten verstärkt Pilzkrankheiten auf, beispielsweise die gefürchtete Rußrindenkrankheit. Waren im Sommer 2018 noch 11 Bäume erkrankt und mussten gefällt werden, so sind im Jahr 2019 aktuell bereits 32 Bäume betroffen.

Allerdings seien diese gravierenden Entwicklungen nicht in allen Schlossbetrieben der SBG gGmbH gleich stark zu beobachten. Während die Schäden in den Anlagen in und um Dresden, Rammenau und Mildenstein wie beschrieben auftraten, seien beispielsweise in Gnandstein und in Stolpen noch keine nennenswerten Schäden aufgetreten. Allerdings seien die Schäden aus den trockenen Sommern 2018 und 2019 in Gänze wahrscheinlich erst in vier oder fünf Jahren feststellbar. Bis dahin gelte es, sich strategisch auf die Folgen des Klimawandels für historische Garten- und Parkanlagen einzustellen. Dies betreffe unter anderem die Anpassung des Bewässerungsregimes, Neupflanzungen, Qualifizierung des Personals, intensiveren fachlichen Austausch und Konsultationen mit anderen Institutionen und Arbeitskreisen und vieles mehr, so Frithjof Pitzschel. Michael Hörrmann fasste die Situation für ganz Deutschland zusammen: „Wir arbeiten an einer bundesweiten Vernetzung, in enger Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Gartenkultur, um hier die Kräfte zu bündeln. Aber es kommt ein erheblich steigender Aufwand auf uns zu, wenn die historischen Gärten in ihrem Bestand als Kunstwerke erhalten bleiben sollen.“

© Zuschauerfoto: Jana Winter