Klimawandel bedroht Leubnitzer Kirche

Dresden - Beim Thema Klimawandel denken die meisten zuerst an Eisbären inmitten schmelzender Gletscher oder sich ausbreitende Wüsten. Allerdings hat er auch in der sächsischen Landeshauptstadt konkrete Auswirkungen, wofür besonders eine Kirche ein eindrucksvolles Beispiel ist.

Die Leubnitzer Kirche ist von massiven Rissbildungen betroffen. Diese traten erstmals in dieser Größenordnung nach den beiden anhaltend heißen und trockenen Sommern der letzten Jahre auf. Dazu teilt die Kirchgemeinde Leubnitz-Neuostra mit:

Eine wesentliche Ursache ist der aus Plänermergel bestehende Baugrund. Dieser schrumpft bei Trockenheit. „Im weitesten Sinne sind die Risse in der Kirche auch eine Folge der klimatischen Veränderungen in unseren Breiten,“ sagt Pfarrer Dr. Wolf-Jürgen Grabner. Bereits im Advent 2018 musste unter dem Orgelbogen als Sicherungsmaßnahme eine Stützbogenkonstruktion eingebaut werden, die inzwischen die Last des Bogens trägt. Seit der letzten Bestandsaufnahme der Rissbildungen Ende Juli 2019 hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Vor allem im Altarraum stürzen Mörtel- und Putzteile herab. Deshalb musste die Gemeinde in Absprache mit dem Bauaufsichtsamt den Altarraum sperren, was die Nutzbarkeit der Kirche deutlich einschränkt. „Eine kurzfristige Notsicherung hat begonnen. Im Altarraum ist ein Gerüst gestellt, um die lockeren Gewölberippen abzustützen. Parallel dazu arbeiten wir mit Hochdruck an der Planungskonzeption für die langfristige Sanierung der wertvollen historischen Bausubstanz,“ so Grabner. 

Bereits im vergangenen Jahr hat die Kirchgemeinde Leubnitz-Neuostra über 50.000 € für die Ursachenermittlung und die Sicherungsmaßnahmen eingesetzt. Allerdings sind die Schäden nach aktuellem Kenntnisstand so umfangreich, dass weder die Kirchgemeinde noch die Landeskirche dieses große Sanierungsvorhaben allein finanzieren können. Ohne zusätzliche Fördermittel und Spenden wird es der Gemeinde nicht möglich sein, die Kirche zu erhalten und für die Öffentlichkeit auch weiterhin zugänglich zu machen.

Der Turm der im 13. Jahrhundert erstmals erwähnten Kirche stammt aus dem Jahr 1188. Die Kirche vereint eine stilgeschichtliche Vielfalt, die von der Romanik bis zum Barock reicht. Im flach gedeckten Kirchensaal beeindrucken die von Gottfried Lucas im 17. Jahrhundert mit biblischen Szenen gestalteten Felder an Emporenbrüstung (restauriert 2001) und Kassettendecke. Diese beinhalten auch das Dresdner Stadt- und das sächsische Kurwappen. Der Sandsteinaltar ist eine Arbeit von Johann Christian Ebhardt und Johann Bernhard Reinboth aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt auch der Nordanbau, dessen Planung und Baubetreuung in der Hand von Oberlandbaumeister Johann Friedrich Karcher lag. 2009 wurde das Kirchendach komplett erneuert. Die Restaurierung der Kanzel von 1577 wurde 2018 abgeschlossen.