Kontorhäuschen Plagwitz erwacht aus Dornröschenschlaf

Seit Jahrzehnten sind das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Leipzig-Plagwitz und das Kontorhäuschen dem Verfall preisgegeben. Die Initiative Bürgerbahnhof Plagwitz und die Stiftung Ecken wecken wollen das nun ändern. +++

Es tut sich etwas am Bahnhof Plagwitz. Bewaffnet mit Schaufel, Schubkarre und Heckenschere rückten Vertreter der Initiative und der Stiftung am Samstag Müll und Gestrüpp zu Leibe, um das Kontorhäuschen buchstäblich aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Das mehr als 100 Jahre alte Gebäude muss dringend gesichert werden, damit es überhaupt noch zu retten ist.

Interview: Sebastian Schrepfer – Stiftung Ecken wecken

Seit Ewigkeiten steht das Fachwerkhäuschen leer, der Zahn der Zeit hat mehr als deutlich daran genagt. Doch ein Abriss kommt nicht in Frage. Denn das Gebäude ist zwar marode, aber die Bausubstanz im Grunde gut. Zimmerer Mike Haupt ist überzeugt: Die damaligen Erbauer haben solide Arbeit geleistet. Zwar muss der Dachstuhl erneuert werden, weil hier das Holz schon völlig morsch ist. Aber das Türmchen mit seinen tragenden Balken ist gut erhalten.

Interview: Mike Haupt – Zimmerer

Der Turm wird abgenommen und eingelagert, um später nach der Sanierung wieder das Dach zu krönen. Deshalb muss rund ums Haus alles frei gemacht werden, damit die Gerüstbauer am Donnerstag keine Probleme haben. Bei den Aufräumarbeiten findet sich so manches ungewöhnliche Fundstück. Ein alter Hammer zum Beispiel, der allerdings nicht aus der Blütezeit des Bahnhofs stammt, sondern eher aus der DDR. Wie das Kontorhäuschen damals genutzt wurde, darüber ist recht wenig zu finden. Vermutlich war es eine Art Büro.

Interview: Sebastian Schrepfer – Stiftung Ecken wecken

Für die Nutzung des Häuschens nach der Sanierung gibt es einige Ideen, als Ausstellungsraum zum Beispiel. Doch bis dahin ist es noch ein Stück Weg. Und auf diesem sind die Initiative und die Stiftung über jede Hilfe dankbar. Gesucht werden auch Leute, die am Donnerstag und Freitag ab acht Uhr noch mit anpacken. Und damit dafür sorgen, dass ein Stück Geschichte nicht verschwindet, sondern bleibt.