Kornhaus Meißen – Zwangsversteigerung abgewendet

Sachsen - Das historische Kornhaus Meißen wird nicht zwangsversteigert. Sämtliche Schulden, die auf dem Objekt lasteten, seien beglichen worden. Damit ist der Zwangsversteigerungstermin hinfällig, teilte die Kommune am Mittwoch mit.

© Sachsen Fernsehen

Zuerst hatte sächsische.de berichtet, das Onlineportal der «Sächsischen Zeitung». Die Zwangsversteigerung des Gebäudes war für den kommenden Montag terminiert.

Das Kornhaus gehört zum Gebäudeensemble der Albrechtsburg und befindet sich im Besitz einer österreichisch-italienischen Investorengruppe. Bis 2008 hatte es der Stadt Meißen gehört. Ursprünglich wollten die Investoren es zu einem Luxushotel umbauen. Allerdings verfiel das Gebäude aus dem späten 15. Jahrhundert immer mehr. Die AfD hatte Interesse an einem Kauf bekundet, um dort ein Schulungs- und Tagungszentrum zu errichten und wollte bei der Versteigerung mitbieten.

Dagegen regte sich breiter Widerstand. Am vergangenen Montag lehnten die Koalitionsfraktionen von CDU, Grünen und SPD im Kulturausschuss des Landtages einen Antrag der Linken ab, der die Regierung zum Kauf des Kornhauses aufforderte. Der SPD-Abgeordnete Frank Richter hatte sich schon zuvor in einem von Prominenten unterstützten offenen Brief für einen Erwerb des Kornhauses durch den Staat stark gemacht.

Die AfD hatte wiederholt betont, dass es ihr in erster Linie darum geht, das Kornhaus vor dem Verfall zu bewahren. Die Grünen sprachen sich für die zügige Erstellung eines Nutzungskonzeptes für das Kornhaus aus. Sachsens Finanzministerium steht einem Erwerb bisher ablehnend gegenüber.

Meißen will nun auf die Investorengruppe zugehen, um deren Pläne zu erkunden. «Die Stadt Meißen und auch die Mehrheit der Stadträte haben sich klar dafür ausgesprochen, das Haus auch eigentumsrechtlich wieder in die Albrechtsburg zu integrieren», zitierte sächsische.de den Meißener Oberbürgermeister Raschke (parteilos). Damit wäre das Land Sachsen am Zug.

SPD-Mann Richter stellte am Mittwoch klar, dass mit der abgewendeten Versteigerung nur Zeit gewonnen ist. «Die Stadt und der Freistaat sollten zusammenfinden, um eine gemeinsame Idee und ein Nutzungskonzept zu entwickeln», betonte er. «Wir bleiben dabei, dass der Freistaat mit dem Kornhaus-Eigentümer und der Stadt Meißen über einen Kauf verhandeln soll, denn die Albrechtsburg gehört komplett in die öffentliche Hand», sagte Linke-Politiker Franz Sodann. (dpa)