Kostbare Elfenbeinmedaillons verschwinden aus dem Grünen Gewölbe Dresden

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben am Montag an den rechtmäßigen Eigentümer, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, fünf Elfenbeinarbeiten übergeben, die als Kriegsverluste galten. +++


Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben heute an die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha fünf Elfenbeinarbeiten übergeben, die als Kriegsverluste galten. Provenienzforscherinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konnten im Rahmen des „Daphne-Projektes“ in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen in Gotha den Nachweis erbringen, dass die seit 1958/59 im Grünen Gewölbe befindlichen Kunstwerke Eigentum der Stiftung Schloss Friedenstein sind.

Die Elfenbeinarbeiten waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als „Beutekunst“ aus Gotha durch die Rote Armee in die Sowjetunion verbracht worden. Entsprechend wurden seinerzeit die Kunstwerke des Grünen Gewölbes in die UdSSR transferiert. Die Objekte aus Schloss Friedenstein gelangten im Zuge der Rückgabe der Beutekunst an die DDR 1958 irrtümlich nach Dresden und hier in den Bestand des Grünen Gewölbes, wo sie bis zur Klärung der Provenienz als Objekte unbekannter Herkunft aufbewahrt wurden. Mit der Hilfe des Verlustkatalogs und anhand der Inventareinträge der Gothaer Sammlungen konnte die Zugehörigkeit der Elfenbeinobjekte zu den Gothaer Sammlungen nachgewiesen werden.

 

Bei den fünf Elfenbeinarbeiten handelt es sich um drei Elfenbeinmedaillons, darunter zwei Porträts von Ludwig XIV. von Frankreich, sowie ein Relief mit der Darstellung des Ecce Homo und die Elfenbeinfigur eines Straußenvogels.

 

 Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Prof. Dr. Hartwig Fischer, erklärt: „Diese Restitution zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir unsere Sammlungen systematisch und lückenlos hinsichtlich der Provenienzen erforschen. Sie verdeutlicht, dass besonders in Ostdeutsch­land neben der NS-Raubkunst auch die Beutekunst Gegenstand der Forschung ist. Dass die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden diese Arbeit leisten können, liegt an deren engagierten und hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ebenso wie an der vorbildlichen Unterstützung unseres „Daphne-Projektes“ durch die sächsische Staatsregierung. Gleichzeitig haben wir hier ein Beispiel für die enge Zusammen­arbeit zweier bedeutender Museen auf dem Gebiet der Provenienzforschung.“

 

Prof. Dr. Martin Eberle, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, zeigte sich hocherfreut über die Rückgabe der Kunstobjekte: „Nachdem wir bereits zu Eröffnung unserer Kunstkammer 2009 einige Elfenbeinarbeiten aus Dresden zurückbekommen haben, freuen wir uns natürlich über diesen neuen Termin sehr. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig die grundlegende Aufarbeitung der Sammlungsbestände in den Museen ist. Mit der Herausgabe der beiden Verlustkataloge zur Kunstkammer und den Gemälden haben wir dazu bereits einen wichtigen Schritt getan und konnten auch anderen Sammlungen bei der Klärung helfen. Die Übergabe heute ist deshalb ein großer Ausdruck des Vertrauens und der engen Zusammenarbeit zwischen beiden Einrichtungen, die wir gern intensiv fortsetzen.“

Bereits im Jahr 2009 hatten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden dreizehn Elfenbeinarbeiten an die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha restituiert, die ebenfalls 1958/59 bei der Rückführung der Beutekunst durch die Sowjetunion an die damalige DDR versehentlich nach Dresden gelangt waren.

Quelle: Kunstsammlungen Dresden

 

 

Dieser Beitrag ist leider noch nicht verfügbar