Kreativität in der Krise

Chemnitz- Corona stellt uns alle vor Herausforderungen. Alles, was uns Freude macht und vom Alltag ablenkt, ist plötzlich nicht mehr möglich. Schon für Privatpersonen ist das schwer, für Gewerbetreibende aber gleich doppelt. Alles, was in liebevoller Kleinstarbeit aufgebaut wurde, droht zu zerbrechen und vor allem können sie auch den Besuchern und Gästen keine Ablenkung mehr bieten. Besonders hart trifft das aktuell auch Kulturschaffende. Während zahlreiche andere Bereiche unseres Lebens langsam wieder in den Alltag zurück finden und Unterstützung bekommen, stehen Kunst und Kultur weiterhin vor vielen Fragen. Und vor allem wünschen sie sich mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit von Bund und Land. Immerhin sind Musik, Kunst, Schauspiel und Co. ein wichtiger Teil unseres kulturellen Lebens und schaffen ein wichtiges Miteinander, das zu keiner Zeit so dringend nötig war wie jetzt.

In Chemnitz trafen sich daher am Donnerstag Kulturschaffende der unterschiedlichsten Richtungen per Videokonferenz und traten in einen angeregten Austausch darüber, vor welchen Herausforderungen sie stehen, wie man sich gegenseitig unterstützen und Mut machen kann, aber auch, welche Projekte aufgrund der angespannten Situation ins Rollen gekommen sind.

Ein Projekt, das gerade entstand, kommt vom Stadtarchiv in Chemnitz. Dieses sieht in der Krise eine Chance und möchte die Ereignisse in diesem Jahr festhalten. Konkret geht es darum, wie jeder von uns die Krise erlebt hat. Wichtig ist dabei zum einen natürlich die Situation als solche, zum anderen aber auch, was Corona bewirkt hat. Etwa die Menschlichkeit und herausragenden Engagements während der Krise. Eingereicht werden können die Beiträge per Mail oder Post bis Ende des Jahres unter dem Stichwort „Chemnitz widersteht“. Wie die Beiträge gestaltet werden, ist jedem selbst überlassen. Egal ob Fotos, Gedichte oder Texte – das Stadtarchiv freut sich über jede Einsendung. Am Jahresende wird dann geschaut, ob und wenn ja in welcher Form die Beiträge präsentiert werden. Es sei jedoch möglich, dass sich aus den Einsendungen heraus weitere Projekte entwickeln, so Dr. Paolo Cecconi, der Leiter des Stadtarchivs.

„Das Stadtarchiv als Zentrum des Gedächtnisses der Stadt möchte die Erzählungen sammeln und später in angemessener Form präsentieren“ (Dr. Paolo Cecconi)

Und auch die Stadt Chemnitz möchte die Kulturszene in der Stadt mit einem Sonderförderprogramm unter dem Motto „In der Krise sichtbar und hörbar bleiben“ unterstützen. Der Stadtrat hat dafür 250.000 Euro bewilligt, um der Kultur in der Stadt in dieser schwierigen Situation zu helfen.

„Ich bin sehr froh, dass die Stadträtinnen und Stadträte gestern mit der Budgetfreigabe den Weg zur Unterstützung der Kunst- und Kulturschaffenden in Chemnitz geebnet haben. Die Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner brauchen gerade auch in dieser Zeit voller Einschränkungen kulturelles Leben – soweit das eben möglich ist. Ich freue mich daher auf viele kreative und gern auch überraschende Ideen.“ (Kulturbürgermeister Ralph Burghart)

Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Allerdings haben Künstler, die in Chemnitz leben und wirken, Vorrang. In kurzen Abständen entscheidet die Stadt über neu eingereichte Projekte, sodass die Künstler schnell finanzielle Hilfe bekommen. Pro Projekt stehen Fördergelder in Höhe von 1.000 Euro zur Verfügung. Einsendeschluss für die Förderanträge ist der 30. Juni 2020. Wer also noch voller Ideen steckt, sollte sich beeilen und die Stadt von seinem Projekt überzeugen.

Die Kulturschaffenden der Stadt lobten am Donnerstag dieses Engagement. Chemnitz leiste einen großen Beitrag zum Erhalt der Kulturszene in der Stadt. Ein Engagement, das man sich auch in anderen Städten und vor allem von Bund und Land wünschen würde.