Kriminalität in Dresden nimmt zu

Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll: “Innerhalb Sachsens hat Dresden den größten Anstieg der Fallzahlen.“ Mehr zum Thema unter www.dresden-fernsehen.de. +++

“Die 12,4 Prozent haben zwei Hauptursachen. Neben einem tatsächlichen Kriminalitätsanstieg, insbesondere im Bereich der Eigentumskriminalität, haben wir im vergangenen Jahr unsere Bearbeitungszuständigkeit verändert. Mit der Einführung des neuen Kommissariats „Zentrale Anzeigenbearbeitung“ haben wir mehr Strafverfahren abgeschlossen – zu Lasten der Polizeilichen Kriminalstatistik.“

Das Kommissariat „Zentrale Anzeigenbearbeitung“ (ZentrAB) ist ein Pilotprojekt der sächsischen Polizei. Seit dem 1. Juli 2011 bearbeiten die 18 Ermittler Verfahren der Klein- und mittleren Kriminalität, bei denen keine Ermittlungen vor Ort notwendig sind. Durch diese Zentralisierung sollen Automatismen geschaffen werden, die eine kürzere Bearbeitungszeit erlauben.

Dieter Kroll: „Es liegen inzwischen die ersten Zahlen der „ZentrAB“ vor. Unser Ansatz scheint zu stimmen, da wir im zweiten Halbjahr 2011 über 3.000 Strafverfahren mehr abgeschlossen haben als im ersten Halbjahr. Durch den Anstieg der Neuanfälle spüren unsere Polizeireviere diese Entlastung allerdings kaum.“

Schwerpunkt der Dresdner Polizei bleibt nach wie vor die Eigentumskriminalität. Die knapp 4.000 Fälle mehr machen das Gros des Gesamtanstieges von 12,4 Prozent aus.

Dieter Kroll: „2011 haben uns mehrere Einbruchsserien beschäftigt. Zahlreiche Büroeinbrüche oder auch die Einbruchsserie bei Dresdner Frisören konnten wir inzwischen aufklären. Die aktuellen Wohnungseinbrüche stellen allerdings eine andere Qualität dar. Die Täter dringen in die Privatsphäre der Menschen ein. Diese Intensität der Taten wirkt sich daher viel deutlicher auf das Sicherheitsgefühl der Dresdner/Innen aus. Diese Serie zu beenden, ist jetzt unser vorrangiges Ziel.“

Eckpunkte der Kriminalitätsentwicklung

In der Landeshauptstadt Dresden mussten 2011 insgesamt 53.259 Straftaten erfasst werden und damit 5.856 (12,4 Prozent) mehr als im Vorjahr (siehe Abbildung 1).

Die Häufigkeitszahl, die angibt, wie viele Straftaten rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen, stieg 2011 auf 10.182 (2010: 9.168).

Insgesamt 27.871 Straftaten (2010: 25.976) konnten aufgeklärt werden (siehe Abbildung 2). Mit 52,3 Prozent (2010: 54,8 Prozent) ist die Gesamtaufklärungsquote erneut leicht gesunken.

Die Zahl der Opfer von Straftaten fiel auf 5.090, das sind 1,2 Prozent weniger als 2010 (5.151). 63,9 Prozent waren männlichen, 36,1 Prozent weiblichen Geschlechts. Die meisten Opfer waren erwachsen (4.004). Unter den 1.086 nichterwachsenen Opfern befanden sich 374 Kinder, 303 Jugendliche und 409 Heranwachsende. 349 Opfer einer Straftat waren 60 Jahre oder älter.

Der durch Kriminalität entstandene finanzielle Schaden betrug 59,9 Millionen Euro (2010: 64,1 Millionen Euro).

Von den 17.740 ermittelten Tatverdächtigen (2010: 16.621) waren 70,7 Prozent männlichen und 29,3 Prozent weiblichen Geschlechts. Erfreulicherweise ging die Zahl nichterwachsener Tatverdächtiger noch weiter zurück (siehe Abbildung 3). Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger nahm zwar um 142 auf 2.147 zu, entspricht aber konstant einem Anteil von 12,1 Prozent der Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen.

Herausragende Veränderungen zum Vorjahr

Rückgang der Mord- und Totschlagdelikte

Nachdem 2010 einer Dresdner Krankenschwester 19 versuchte und vollendete Morde (statistisch) zugerechnet worden, liegen die Zahlen wieder auf dem Niveau von 2009. Im Vorjahr wurden drei Morde bearbeitet, alle drei wurden aufgeklärt. Auch die Fälle von Totschlag sind auf 6 (2010: 10) zurückgegangen.

Zunahme der Diebstähle

Diebstahlsdelikte machen mit 43,5 Prozent nach wie vor den Hauptteil an der Gesamtkriminalität in Dresden aus. In diesem Bereich ist ein Anstieg auf 23.155 Fälle (2010: 19.283) zu verzeichnen. Sie setzen sich aus 10.531 Diebstählen ohne erschwerende Umstände und 12.624 Diebstähle im besonders schweren Fall zusammen. Die Aufklärungsquote sank auf 26,0 Prozent (2010: 31,5 Prozent).

Neben den Eigentumsdelikten im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen und Ladendiebstählen stellen 3.348 Fahrraddiebstähle (2010: 2.710) und 4.243 Diebstähle aus Böden und Kellern (2010: 2.507) Schwerpunkte im Bereich der Eigentumskriminalität dar.

Kriminalität rund um`s Kfz bleibt weiter ein Schwerpunkt

2011 wurden 960 Kraftwagen, und damit 120 weniger als im Vorjahr, gestohlen. Ebenfalls rückläufig sind die Diebstähle von motorisierten Zweirädern (2011: 139;
2010: 187).

Mit 1.569 Fällen sind hingegen die Diebstähle in/aus Kfz angestiegen (2010: 1.168; vgl. Abbildung 8). Ebenfalls angestiegen sind Diebstähle an Kraftfahrzeugen (2011: 903; 2010: 809).

Dieter Kroll: „Auch wenn wir 2011 einen weiteren Anstieg der Fahrzeugdiebstähle verhindern konnten, bleibt dieses Phänomen einer unserer Schwerpunkte. Die polizeiliche Präsenz bzw. die Kontrollen haben viel Kraft gekostet. Die eingesetzten Kollegen fehlten zwangsläufig an anderer Stelle.“

Sozialleistungsbetrug

Durch das konsequente Anzeigeverhalten der Jobcenter hat sich die Anzahl der Fälle im Bereich des Sozialleistungsbetruges mehr als verdoppelt. Somit wurden im Jahr 2011 2.751 Fälle (2010: 1.304) erfasst, wobei der Schaden von 1,02 Millionen Euro leicht gesunken ist.

Ausgewählte Kriminalitätsbereiche

Rauschgiftkriminalität

Im Jahr 2011 stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte auf 1.054 (2010: 917). Die Aufklärungsquote betrug 93,8 Prozent (2010: 92,4 Prozent). Die Dresdner Polizei ermittelte 928 Tatverdächtige (2010: 795).

Im Bereich der Polizeidirektion Dresden wurden im Jahr 2011 zwei Drogentote
(2010: 4) registriert. Im Rahmen der Ermittlungsverfahren wurden unter anderem ca. 22,7 Kilogramm Haschisch und 544 Gramm Chrystal sichergestellt.

Gewaltkriminalität

Die Zahl der Gewaltstraftaten sank auf 941 (2010: 1.038). Bei einer Aufklärungsquote von 69,6 Prozent sind 867 Tatverdächtige ermittelt (2010: 886) worden. In 7,9 Prozent aller Delikte der Gewaltkriminalität standen Täter und Opfer in einem verwandtschaftlichen oder partnerschaftlichen Verhältnis zueinander.

Knapp zwei Drittel aller registrierten Gewaltdelikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen. Weitere 31,2 Prozent bildeten die Raubdelikte. Mord- und Totschlagsdelikte machten 1,0 Prozent aller Gewaltdelikte aus.

Wirtschaftskriminalität

Die Wirtschaftskriminalität stieg auf insgesamt 789 Delikte (2010: 711) an. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich betrug 98,4 Prozent (2010: 97,3 Prozent). 348 Tatverdächtige wurden ermittelt. Insbesondere durch Insolvenzstraftaten entstand ein finanzieller Schaden von rund 32,2 Millionen Euro (2010: 34 Millionen Euro).

Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität stieg auf 11.320 Fälle (2010: 10.846) an. Die Aufklärungsquote lag bei 14,3 Prozent (2010: 15,9 Prozent). Insgesamt wurden 1.503 Tatverdächtige ermittelt.

Massenkriminalität

Im Bereich des Ladendiebstahls ist ein leichter Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. 2011 wurden 4.010 derartige Fälle registriert (2010: 4.073). Dagegen stieg die Anzahl der angezeigten Leistungserschleichungen auf 5.226 Fälle an.

Quelle: Polizei Dresden

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