Kritik an Landeskirchen-Beschluss zu Homosexuellen

Leipzig (dapd-lsc). Der Beschluss der evangelischen Kirche Sachsens zum Umgang mit Homosexuellen stößt auf Kritik.

„Das ist kein Fortschritt, sondern ein fauler Kompromiss“, sagte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen (LSVD), Hartmut Rus, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. Damit würde nur eine „schon lange inoffizielle, heimliche Lösung offiziell gemacht“, die für homosexuelle Pfarrer kaum etwas ändere.

Am Wochenende hatte die Leitung der evangelisch-lutherischen Landeskirche beschlossen, dass homosexuelle Pfarrer künftig mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen. Voraussetzung ist aber, dass der Kirchenvorstand der jeweiligen Gemeinde zustimmt und der Pfarrer mit seinem Partner bereits in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt.

Rus kritisierte, der Kompromiss messe mit zweierlei Maß und betone eine „heterosexuelle Leitkultur“. So erkenne die Landeskirche mit dem Kompromiss zwar bürokratisch das Konstrukt der eingetragenen Lebenspartnerschaft an, verbiete aber weiterhin die öffentliche Segnung und Verheiratung Homosexueller. Diesen Widerspruch, dass homosexuelle Pfarrer zwar rechtlich im Pfarrhaus leben dürften, aber nicht den Segen ihrer Kirche hätten, müsse Landesbischof Jochen Bohl sofort auflösen, forderte er.

Dessen Kompromiss sei „schwammig, weil er sich nicht anlegen wollte mit der lautstarken Minderheit homophober Fundamentalisten in der Landeskirche“, sagte Rus weiter.

Im Vorjahr hatte die Evangelische Kirche Deutschland im Pfarrdienstgesetz festgeschrieben, dass Pfarrhäuser auch für homosexuelle Partnerschaften geöffnet werden sollen. Über die Umsetzung dieses Gesetzes kann jede Landeskirche selbst entscheiden. Im Vorfeld der nun getroffenen Entscheidung hatten 121 der 776 sächsischen Kirchengemeinden die Öffnung als „unbiblisch“ kritisiert und mit der Spaltung der Landeskirche gedroht.

dapd